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Crazy Heart: Ein Country-Sänger hat den Blues

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Jeff Bridges brilliert als in die Jahre gekommener Gitarren-Cowboy. Kongenialer Soundtrack von T-Bone Burnett und Stephen Bruton.

In den USA hat er bereits bei den Golden Globes abgeräumt, bei uns läuft er am 4. März an: „Crazy Heart“ – die Geschichte eines heruntergekommenen Country-Stars. Jeff Bridges wurde für seine Verkörperung der Hauptfigur Bad Blake ebenso ausgezeichnet wieder Filmsong „The Weary Kind“ von T-Bone Burnett und Ryan Bingham. Mit „Crazy Heart“ ist dem Regisseur und Drehbuchautor Scott Cooper ein authentischer, lakonischer und tragikomischer Musikerfilm gelungen, der auch hierzulande nicht nur Countrymusicfreunde überzeugen wird.

Ein alter Wolf kämpft mit sich selbst

Schon seit einigen Jahren ist Bad Blake, einst überjubelter Stern am Country-Himmel, auf dem Weg nach unten, gefangen im ewigen Kreislauf zwischen Alkoholsucht und Misserfolg. Mittlerweile muss er sich mit Auftritten in den obskursten Spelunken begnügen. Doch mit der Journalistin Jean – gespielt von der hinreißenden Maggie Gyllenhaal – bekommt er eine neue Chance. Er verliebt sich in die alleinerziehende Mutter und die lässt sich auf ihn ein und nimmt sich seiner an. Wie der alte Wolf darum kämpft, wieder auf die Beine zu kommen, schildert Coopers Streifen ebenso unprätentiös wie berührend.

Starke Schauspielerleistungen

Jeff Bridges: Crazy HeartDie Figur Bad Blake – dem Drehbuch diente eine Romanvorlage von Thomas Cobb – ist ein Charakter, der einem sogleich an Waylon Jennings, Merle Haggard oder Billy Joe Shaver denken lässt. Eindringlich und nicht ohne Komik lassen uns Story und Hauptdarsteller an Blakes tragischen Auftritten teilhaben.

Eine Chance, aus der Vorhölle der Spelunken zu entkommen, bietet sich Blake, als er für das Vorprogramm des aktuellen Country-Superstars Tommy Sweet – gespielt von Colin Farrell – gebucht wird. Deutlich wird hier die Kluft zwischen dem abgerissen Outlaw und dem angesagten Nashville-Star aufgezeigt. Sweet steht somit stellvertretend für Musiker wie Toby Keith oder Keith Urban.

Neben Bridges, Gyllenhaal und Farrell ist Hollywood-Altstar Robert Duvall – der auch Koproduzent des Steifens ist – die vierte Hauptfigur im Bunde. Er spielt den Barkeeper Wayne, Bad Blakes besten Freund, und hat sogar einen kleinen Gesangsauftritt im Film.

Kongenialer Soundtrack

Für die Musik – der Soundtrack erscheint am 12. Februar – zeichnen mit dem genialen T-Bone Burnett und dem viel zu früh verstorbenen Stephen Bruton zwei absolute Könner ihres Fachs verantwortlich. Burnett verdanken wir ja schon die tollen Soundtracks von „Oh Brother, Where Art Thou?“ und „Walk The Line“, Bruton war Weggefährte von Kris Kristofferson und ist auch auf dessen letzter CD „Closer To The Bone“ zu hören.

Und ganz angemessen führt uns die Filmmusik dann auch nicht ins Hochglanz-Nashville, sondern ins Outlaw- und Alt-Country-Gelände. Das Hauptthema des Films, „The Weary Kind“, steuert Ryan Bingham, Wunderkind der Country-Singer-Songwriter-Szene bei. Jeff Bridges ist auf der Soundtrack-CD sechsmal als Sänger vertreten und macht seine Sache ausgezeichnet. „Hold On You“ ist in langsames von der zarten Rhythmus- und Akkordeonbegleitung geprägtes Lied, „Somebody Else“ dagegen ein Country-Rockabilly-Abgeher. „Fallin‘ & Flying“ überzeugt als sexy Country-Twang-Stück. „I Don’t Know“ in der Bridges-Version ist mit Zydeco-Akkordeon verziert, während „Brand New Angel“ wieder langsam und getragen daherkommt. Dazu kommt noch eine von Bridges und Colin Farell zusammen aufgenommene Version von „Fallin‘ und Flying“. Farell selber ist noch mit „Gone, Gone, Gone“ vertreten. Und sogar Robert Duvall ist mit seinem kleinen einminütigen A-Cappella-Stück dabei.

Und gerade in der Auswahl des ergänzenden Musikmaterials haben Burnett und Bruton hervorragende Arbeit geleistet. Musikalisch und Thematisch ordnen sich die Songs glänzend ein. Ryan Bingham ist mit „I Don’t Know“ als Midtempo-Rocker ein weiteres Mal vertreten. Outlaw-Country-Ikone Waylon Jennings darf natürlich nicht fehlen, von ihm ist der Klassiker „Are You Sure Hank Done It This Way?“ enthalten. Der tragische, texanische Held Townes Van Zandt ist mit „If I Needed You“ dabei. Dazu kommt noch Lightnin Hopkins‘ Bluesstück „Once A Gambler“ sowie „Reflecting Light“ von Sam Philips.

Vom Soundtrack gibt es noch eine Deluxe-Edition, die 7 weitere Titel enthält: Stephen Brutons Instrumental-Version von „Somebody Else“, Kitty Wells mit „Searching (For Someone Like You)“, „I Let The Freight Train Carry Me On“ von den Delmore Brothers, „Color Of The Blues“ von George Jones, die Country-Rock-Poetin Lucinda Williams mit „Joy“, „Fallin‘ And Flyin'“ in der Version von Tom Canning sowie „Mal Hombre“ von Lydia Mendoza.

Nicht enthalten in beiden Ausführungen ist der Hank Williams-Song „Crazy Heart“, der dem Film seinen Namen gab. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren.

Fazit: „Crazy Heart“ ist sowohl als Film, als auch als Soundtrack ein Ereignis. Sowohl dem Cineasten, als auch dem Musikliebhaber wird einiges geboten. Sehenswert – Hörenswert – Oscar-reif!

   
Crazy Heart
CD: „Crazy Heart (Original Soundtrack)“
Veröffentlicht: 2010
Label: Blue Rose (Soulfood Music)

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Trackliste:

01. Hold on Now – Jeff Bridges
02. Hello Trouble – Buck Owens
03. My Baby’s Gone – The Louvin Brothers
04. Somebody Else – Jeff Bridges
05. I Don’t Know – Ryan Bingham
06. Fallin & Flyin‘ – Jeff Bridges
07. I Don’t Know – Jeff Bridges
08. Once A Gambler – Lightnin‘ Hopkins
09. Are You Sure Hank Done It This Way – Waylon Jennings
10. Fallin‘ & Flyin‘ – Colin Farrell und Jeff Bridges
11. Gone, Gone, Gone – Colin Farrell
12. If I Needed You – Townes Van Zandt
13. Reflecting Light – Sam Phillips
14. Live Forever – Robert Duvall
15. Brand New Angel – Jeff Bridges
16. The Weary Kind (Theme From Crazy Heart)

Crazy Heart: Deluxe-Version
CD: „Crazy Heart“ (Deluxe-Version)
Veröffentlicht: 2010
Label: Blue Rose (Soulfood Music)

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Trackliste:

01. Hold On Now – Jeff Bridges
02. Hello Trouble – Buck Owens
03. My Baby’s Gone – The Louvin Brothers
04. Somebody Else – Stephen Bruton Instrumental
05. Somebody Else – Jeff Bridges
06. I Don’t Know – Ryan Bingham
07. Fallin & Flyin‘ – Tom Canning
08. I Don’t Know – Jeff Bridges
09. Searching (For Someone Like You) – Kitty Wells
10. I Don’t Know – Jeff Bridges
11. Once A Gambler – Lightnin‘ Hopkins
12. Are You Sure Hank Done It This Way – Waylon Jennings
13. I Let The Freight Train Carry Me On – The Delmore Brothers
14. Color Of The Blues – George Jones
15. Joy – Lucinda Williams
16. Fallin‘ & Flyin‘ – Colin Farrell
17. Gone, Gone, Gone – Colin Farrell
18. If I Needed You – Townes Van Zandt
19. Reflecting Light – Sam Phillips
20. Mal Hombre – Lydia Mendoza
21. Live Forever – Robert Duvall
22. Brand New Angel – Jeff Bridges
23. The Weary Kind (Theme From Crazy Heart)

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Über Thomas Waldherr (582 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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