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Ricky Van Shelton

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Dass selbst 10 Hits, die es an die Spitze der Charts schafften, keine Garantie für dauerhaften Erfolg sind, musste Ricky Van Shelton erfahren. Immerhin hielt seine Hitserie ein ganzes Jahrzehnt an. In den Schoß gefallen ist ihm der Erfolg nicht, er hat schon einiges dafür tun müssen.

Der Sänger stammt aus Danville in Virginia, dort geboren am 12. Januar 1952. Nach einer Karriere in der Country Music sah es lange nicht aus, denn seine Eltern waren sehr religiös und hatten für Country Music nicht viel übrig. Daddy Shelton sang gern Gospel Music, dorthin wurde auch der Filius gelenkt. Der aber hörte sich lieber Pop Music an und entdeckte als Teenager die Country Music. Vor allem, weil sein älterer Bruder eine Country Band gegründet hatte, in der Ricky Van Shelton einen Platz als Sänger fand.

Ricky Van Shelton

Obwohl jede Gelegenheit zu einem Gig genutzt wurde, konnte Shelton (noch) nicht von der Musik leben. Den Unterhalt verdiente er sich als Farmarbeiter und Anstreicher. Bis 1984 ging das so, dann fand seine Lebensgefährtin Bettye Witt (sie ist seit 1986 mit ihm verheiratet) einen Job in Nashville. Shelton sah das als einen Wink mit dem Zaunpfahl an und ging mit ihr. Während sie also die Brötchen verdiente, tat Ricky Van Shelton alles, um einen Plattenvertrag zu ergattern. Er schrieb tagsüber Songs, sang für Demo-Aufnahmen anderer Autoren und stand abends auf der Bühne eines der Clubs in Music City.

Wie so oft spielte der Zufall die entscheidende Rolle. Über Umwege hatte sich Shelton mit dem Journalisten Jerry Thompson angefreundet, der ein Meeting mit CBS Boss Rick Blackburn arrangierte. Tage später hatte er seinen Plattenvertrag und Thompson einen Job als Manager.

Gleich mit der ersten Single, dem Titelsong seines Debüt-Albums „Wild-Eyed Dream“ schaffte er die Top Thirty und war sofort in der Erfolgsspur. „Crime Of Passion“ rückte in die Top Ten und die Fans schienen auf einen wie Ricky Van Shelton gewartet zu haben. Mit seinem guten Aussehen, einer angenehmen, wie für Country gemachten Stimme flogen ihm die Sympathien nur so zu. Bis zur ersten #1 war es nicht mehr weit. Schon 1987 erreichte er mit „Somebody Lied“ dieses Ziel. Seine weiteren Top Hits: „Life Turned Her That Way“ (ein Remake des George Jones Klassikers), „Don’t We All Have The Right“, „I’ll Leave This World Loving You“, „From A Jack To A King“ (Remake des Ned Miller Evergreens), „Living Proof“, „I’ve Cried My Last Tear For You“, „Rockin‘ Years“ (Duett mit Dolly Parton), „I Am A Simple Man“, „Keep It Between The Lines“.

Ricky Van Shelton passte mit seiner Musik genau in die traditionelle Phase, in der sich Country Music gerade befand. Ab 1992 ging es bereits ganz allmählich abwärts. Zwar landete „Backroads“ noch mal auf Platz 2 und „Wild Man“ auf Platz 5 aber die Zeit der Neo-Traditionalisten ging zu Ende. Noch aber verkauften sich seine Alben passabel, war er als Live-Künstler gefragt, so dass Columbia ihm die Stange hielt. Shelton selbst kündigte 1994, weil er sich nicht mehr richtig betreut fühlte. Er hatte bereits damit begonnen, sich anderen Tätigkeiten zu widmen, beispielsweise Kinderbücher zu schreiben.

Privat durchlebte er eine turbulente Phase, die ihn zum Alkoholiker machte, seine Familie drohte daran zu zerbrechen. Dank professioneller Hilfe und der seiner Frau kam er wieder davon los. Der berufliche Niedergang aber war nicht mehr aufzuhalten. Shelton blieb zunächst ohne Plattenvertrag, weshalb er 1997 sein eigenes Label gründete und das Album „Making Plans“ veröffentlichte. Vertrieben wurde es von Wal-Mart. 2000 dann noch einmal ein Hoffnungsschimmer. Für Audium nahm Shelton das Album „Fried Green Tomatoes“ auf, das Kritiker als sein bestes feierten. Es zeigte einen gereiften Sänger, der so gut bei Stimme war wie noch nie. Der Titel „The Decision“ schob sich auf Platz 71 der Charts, es blieb seine letzte Notierung dort. Immerhin hielt das Album den Künstler soweit im Gespräch, dass er noch an die 100 Konzerte im Jahr geben konnte.

Eine wirkliche Zukunft sah Ricky Van Shelton für sich nicht mehr in der Musik. Deshalb erklärte er 2006 seinen Rücktritt, um sich den privaten Dingen mehr widmen zu können. Seine Familie hat ganz sicher davon profitiert. Seine kleine Ranch auch, auf der er einige Rinder züchtet. Und er hat sogar seine frühere Flugangst überwunden und den Pilotenschein gemacht.

Anzeichen für einen Rücktritt vom Rücktritt gibt es derzeit nicht, wenngleich es den Musiker in ihm manchmal schon noch „juckt“. Ach ja, sein Namensteil „Van“ deutet nicht etwa auf niederländische Vorfahren hin, es ist sein Mittelname und wird deshalb groß geschrieben.

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