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Vor 25 Jahren starb Keith Whitley – Wie erinnert man sich in Nashville?

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Bei der neuen Staffel von „The Voice“ sang der 17-jährige Jake Worthington einen Keith Whitley-Hit (Don’t Close Your Eyes) aus dem Jahr 1988. Zu Zeiten, da Florida Georgia Line oder Luke Bryan definieren, was erfolgreiche Countrymusik ist, war das eine mutige Entscheidung des jungen Texaners. Und erstaunlicherweise kamen das Lied und sein Interpret bei Publikum und Juroren sehr gut an.

Blenden wir zurück: Der erste Nummer-Eins-Erfolg „Don’t Close Your Eyes“, danach sein größter Hit „When You Say Nothing At All“, das in der Version von Ronan Keating auch ein großer Pophit wurde, und schließlich „I’m No Stranger To The Rain“ hatten Keith Whitley Ende der 1980er Jahre zu einem der erfolgreichsten Countrysänger gemacht.

Keith wurde in dem kleinen Städtchen Sandy Hook, Kentucky im ärmsten Teil der Appalachian Mountains im Jahr 1955 geboren. Bald begann er sich für Countrymusik zu interessieren, nicht zuletzt wegen der Hank Williams- und Lefty Frizzell-Platten seiner Eltern. Bald spielte und sang er selbst. Schon als Teenager spielte er ab 1970 in Ralph Stanleys „Clinch Mountain Boys“ – zusammen mit seinem Freund Ricky Skaggs. Von 1977 bis 1983 war er Leadsänger bei Jim Crowes progressiver Bluegrassband „The New South“, um dann 1984 doch den Erfolg im kommerziellen Nashville zu suchen. Zunächst wurde dies ein Leidensweg. Seine ersten Singles, zum Beispiel „I Turn To You“, bei dem Patty Loveless mitsang, floppten. „Country“-Radiostationen lehnten seinen Song ab, weil sie zu „country“ klängen. Dann ging seine erste Ehe zu Bruch, nicht zuletzt, weil Keith Zuspruch in Drogen und vor allem Alkohol suchte.

Dann hatte Keith aber auch Glück, er verliebte sich in Lorrie Morgan. Mit dem Erfolg von Randy Travis und Dwight Yoakam im Jahr 1986 begann die Rückkehr der traditionellen Countrymusik. So hatte er mit „Miami My Amy“ seinen ersten Top-20-Erfolg, sein Weg zur Spitze schien unaufhaltsam. Das Establishment in Nashville hatte Keith endlich akzeptiert und seine Drogen- und Alkoholexzesse schienen vergeben und vergessen.

Doch die Dämonen ließen ihn nicht los: Wie Hank Williams, Lefty Frizzell und Carter Stanley, oder Jimi Hendrix und Kurt Cobain war Keith Whitley nicht in der Lage, sich von Drogen und Alkohol endgültig zu lösen. Am 9. Mai 1989 wurde er mit einer Alkoholvergiftung tot in seinem Haus in Nashville aufgefunden – Gattin Lorrie Morgan war unterwegs auf Tournee. Keith war nur 33 Jahre alt geworden.

Keith Whitley

Keith Whitley gilt nach wie vor als großer Stilist und Sänger, der in der Lage war, tiefe und ehrliche Gefühle in seinen Liedern glaubwürdig auszudrücken. Wie wird Keith Whitley am 25. Jahrestages seines Todes heute in Nashville gewürdigt? Tim McGraw kam genau an Whitleys Todestag zum ersten Male nach Nashville. McGraw läßt bei seinen Konzerten oft im Hintergrund Whitleys Bild erscheinen und „Don’t Close Your Eyes“ singt er oft live. Ronnie Dunn, dessen Karriere zwei Jahre nach Whitleys Ableben im Duo Brooks & Dunn begann, besingt ihn im Song „Let’s Get The Beer Joint Rockin“ auf seinem neuesten Album „Peace Love And Country Music“. Chris Young, seit 2006 regelmäßig in den Top 10 der Countrycharts vertreten, hat für Whitleys Martin Sigma Gitarre 15.000 Dollar bezahlt und spielt sie jetzt regelmäßig, so zum Beispiel in der Grand Ole Opry, wo Chris eine hinreißende Interpretation von „Don’t Close Your Eyes“ singt, hier zu sehen: YouTube

Und doch sind die Spuren von Keith Whitley bei Sängern wie Chris Young, Joe Nichols oder Justin Lynch, die stimmlich am ehesten an ihn heranreichen würden, nur noch schwer zu entdecken. Denn auch deren Musik ist geprägt von den modernen Rock- und Popeinflüssen, damit die kommerzielle Verwertbarkeit, sprich Radiofreundlichkeit und Jugendlichkeit, gegeben ist. Justin Lynch betont auch, dass es eher die Art zu singen sei, die er von Keith gelernt habe. „Wenn ich hinter einem Mikrophon stehe, singe ich nicht nur ein Lied. Ich muss mich in die Situation des Charakters im Lied versetzen können, das hat Keith Whitley so gemacht und vorgelebt“, erklärt Justin Lynch.

Und so ist der erfolgreiche Produzent von Carrie Underwood, Mark Bright, eher skeptisch, als er gefragt wird, ob Whitleys Art von Musik heute noch eine Chance hätte. Bestimmt gäbe es Talente wie ihn auch heute noch, aber sie würden nicht in die heutige Szene passen. Doch Music Row Nashvilles Offizielle lagen schon einmal völlig falsch. In einem Leitartikel in der New York Times im Jahr 1985 wurde die traditionelle Countrymusik für tot erklärt, ehe ein Jahr später genau dieser Sound zurückkam! Und es war eben Keith Whitleys Beharrlichkeit, genau solche Musik zu machen, die den Umschwung damals einleitete. Joe Nichols, zur Zeit mit „Yeah“ in der Top 20 der Countrycharts, sieht in Keith nach wie vor ein großes Vorbild. Produzent Garth Fundis erinnert sich, dass Keith Whitley damals nicht an seine eigene Größe glauben wollte. Bestimmt wäre Keith glücklich, so Fundis, wenn er sehen könnte, wieviel Spuren er in der heutigen Countrymusik hinterlassen habe. Auch wenn man heute etwas tiefer graben müsse, um die Spuren zu finden.

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Über Franz-Karl Opitz (558 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country. News & Storys, Charts, Rezensionen.
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