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Rascal Flatts: Rewind

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Truck Stop 2019

Es gibt nur wenige Szeneacts, die den Sprung aus der „Vor-Bro-Country-Ära“ in die Neuzeit des Genres unbeschadet überstanden haben. Rascal Flatts waren bis dato Teil dieser illustren Musikergemeinde, weil sie mit einem innovativ-frischen Country-Pop-Sound ihrer Zeit immer ein wenig voraus schienen und auch mit dem angesagten rockigen Partysound umzugehen wussten. Und wenn es mal doch etwas beliebig zu werden drohte, war es immer noch das Organ von „The Voice“ Gary LeVox, das den feinen Unterschied ausmachte.

Nach 25 Mio. verkauften Tonträgern und 12 Nummer-Eins-Single-Hits wurde mit dem den letzten Album „Changed“ erstmalig die Platinauszeichnung verfehlt, so dass die Frage nach der zukünftigen Ausrichtung der gereiften Country-Boygroup aus Ohio zur Diskussion stand.

Der Titel des nun erschienenen neunten Studioalbums „Rewind“ deutet zumindest schon mal den Wunsch an, die Zeit zurückzudrehen, als Harmoniegesang ohne gerappte Zwischeneinlagen chartmäßig noch funktionierte. Doch bereits von der Produktionsseite des neuen Albums wird deutlich, dass auch Rascal Flatts den Gesetzen der Zeit folgen und bereit sind, ihren markanten Stil hier und da im Sinne der Trendentwicklung zurückzustellen. Neben Stammmentor Dann Huff, der nur an Track Nr. 11 „Life Of A Song“ aktiv beteiligt war, teilen sich Jay DeMarcus und Howard Benson („Sepultura“, „Adam Lambert“ u.a.) die Produktionsanteile, was dem Album in puncto Abwechslung und Soundkreativität in großen Teilen gut tut. Mit der gleichnamigen Leadsingle „Rewind“ haben die Flatts zumindest schon mal einen Volltreffer gelandet, der soundtypisch ist, durch eine starke Melodie überzeugt und mit Textbezug zu George Strait als origineller „Radio-Ready-Country-Pop“ einzustufen ist. Damit dürfte den drei Jungs der erste Charttopper seit „Banjo“ Anfang 2012 so gut wie sicher sein.

Das Album startet mit einem echten Knaller. „Payback“ ist deftiger Country-Rock mit einem ultra-modernen Style, der von Rockgitarren bis zu Hip-Hop-Anleihen alles charttechnisch Erforderliche abdeckt. Auf diesem heißen Kandidaten für die nächste Radiosingle ist von den Flatts typischen Soundelementen so gut wie nichts zu spüren. Dies ändert sich im weiteren Verlauf. So auf der süsslichen, durch starken Harmoniegesang geprägten Ballade „I Have Never Been To Memphis“, dem unter die Haut gehenden tearjerker „Riot“ und dem radiotauglichen, mit reduzierten Emotionen vorgetragenen „Night Of Our Lives“. Hier sind Mr. Le Vox und seine Begleiter in ihrem Element und bieten der alten Fangemeinde die ganze Bandbreite ihres Könnens.

Bei dem mit einem starken Groove ausgestatteten „I’m On Fire“ ist es hörenswert gelungen, diesen personal style mit dem zeitgemäßen New-Country-Design zu verbinden. Auch hier besteht echtes Hitpotenzial. An anderen Stellen wie dem poppigen „DJ-Tonight“ oder dem rockig startenden und dann an Spannung verlierenden „Powerful Staff“ scheint dieses Gleichgewicht zwischen Style und Charttauglichkeit hier und da aus den Fugen geraten. Mit „Honeysuckle Lazy“ ist kurz vor Ende des bunten 13-Teilers noch ein verwegen klingender, mit Hard-Rock-Riffs ausgestatteter Country-Rocker gelungen, den Gary LeVox mit seiner unnachahmlichen Sangesgabe aus der dunklen Outlaw-Ecke herausholt. Wer die Target-Version dieses Albums ergattert, wird im Übrigen durch vier Bonustracks belohnt, aus denen neben der Ballade „Compass“ das stimmungsvoll-bluegrassige „Wildfire“ hervorsticht.

Fazit: Auf „Rewind“ haben sich Rascal Flatts den Erfordernissen des New-Country-Marktes in großen Teilen angepasst. Sie präsentieren ein Album, dass es ihnen ermöglichen sollte, stilsicher in der von Soundmixen geprägten Countryszene ihre Position zu behaupten. Es fühlt sich an wie ein Übergangswerk, in dem eine grundlegende Stiländerung zwar angedeutet wird, ohne sich von dem traditionellen Erfolgsmuster zu verabschieden. Die Balladen funktionieren stimmlich getragen wie eh und je, auch die Upbeats haben ihre Wirkung. Dennoch scheint insgesamt ein wenig der rote Faden zu fehlen, an dem Rascal Flatts ihre musikalische Heimat in der Zukunft anknüpfen wollen. Dies bedeutet in der persönlichen Wertung 3,5 von 5 möglichen Punkten.

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Rascal Flatts - Rewind
 
Künstler / Albumtitel: Rascal Flatts – Rewind
Format / Label / Veröffentlicht: CD (Universal, 2014)
 
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Trackliste:

01. Payback
02. Rewind
03. I Have Never Been To Memphis
04. Dj Tonight
05. Powerful Stuff
06. Riot
07. Night Of Our Lives
08. I Like The Sound Of That
09. Aftermath
10. I’m On Fire
11. Life’s A Song
12. Honeysuckle Lazy
13. The Mechanic

 
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Über Bernd Wenserski (578 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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