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Jason Boland & The Stragglers: Squelch

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Jason Boland (Promo)

Im Auge des Hurrikans, der die Countrymusik an ihren Rändern zur Zeit heftig durcheinanderwirbelt, sitzt seelenruhig ein Mann, den die Flirts und Experimente mit anderen Stilrichtungen überhaupt nicht zu kümmern scheinen. Jason Boland, seit seinem Debüt im Jahr 1999 einer der stilbildenden Musiker der in Oklahoma ansässigen Red Dirt-Szene, wirkt mit einer urigen Mischung aus Honkytonk, Outlaw- und traditionellem Country wie ein Relikt aus der guten alten Zeit. Dabei ist es dem Mann aus der Kleinstadt Harrah als regionale Kultfigur gelungen, der roten Erde Oklahomas einen festen Platz in der nationalen Countryszene zuzuweisen.

Boland, Jahrgang 1974, hat während seiner Karriere von Stimmbandabriss bis Alkoholentzug auch die Dinge erlebt, die ihn nicht nur musikalisch in die Nähe des großen Waylon Jennings rücken. So kam es keineswegs zufällig, dass das zurückliegende, hochgelobte Album „Dark And Dirty Mile“ von keinem Geringeren als „Waymore-Sprössling“ Shooter co-produziert wurde. Mit seiner Begleitband The Stragglers ist der inzwischen nach Austin umgesiedelte Red-Dirt-Outlaw auf dem Weg, seinen musikalischen Wirkungsgrad schrittweise auszudehnen. Bolands Stil weicht dabei kaum einen Millimeter von seinen Ursprüngen ab, ist durchsetzt mit politisch-gesellschaftskritischen Botschaften und lässt mit jedem neuen Albumrelease das Herz wahrer Countryfreunde höher schlagen.

Nun ist es wieder so weit. In diesen Tagen wurde das insgesamt achte Studioalbum unter dem Titel Squelch veröffentlicht. Der eigenwillige Name nimmt Bezug auf den „Squelch-Button“, den man zur Rauschunterdrückung aus den guten alten Radiozeiten noch kennt. Die Tatsache, dass es keinen Titelsong gibt, sieht Boland entspannt: „Bei einem Titelsong denkt man häufig, dass dieser die Botschaft des Albums zusammenfassen muss. Bei uns ist das anders. „Squelch“ ist einfach nur ein Spaßbegriff, der die Leute zum Denken anregen soll. Wir selbst sehen uns als Outsider in diesem Business. Insofern lässt sich, wenn man möchte, auch da etwas hineininterpretieren.“

11 Songs sind es, die der Country-Poet aus dem Indianerland seinem Publikum in Zusammenarbeit mit Thirty Tigers und Proud Souls Entertainment anbietet. Und auch diesmal fährt Jason Boland dem Establishment ordentlich in die Parade, mokiert sich über die Affektiertheit von Prominenten, rügt die Politikerklasse und ereifert sich als provokante Stimme des benachteiligten, kleinen Mannes. Wie schon bei vorangegangenen Alben drohen die verbalen Spitzen von dem satten Honkytonksound ein wenig überlagert zu werden. Dieser Sound ist mit seinen Fiddle- und Steelelementen so ziemlich der komplette Gegenentwurf zu dem, was das Countryradio in diesen Tagen anzubieten hat.

Bereits der Opener „Break 19“ hat in Sachen Message Einiges auf Lager. Dabei geht es um die Übersättigung mit Informationen, die diesen coolen Honkytonker mit Zeilen wie „the more I see, the less I claim to know“ oder „once you read between the lines, you miss the days when you were blind“ sinnhaft garnieren. Auf „The First To Know“ wird das Tempo mit verstärktem Fiddle-Play weiter angezogen, bevor das launige „I Guess It’s Alright To Be An Asshole“ die Countryszenerie in Richtung Punk-Rock verlässt und mit dem Verhaltensbonus von Prominenten ins Gericht geht. Die aktuelle Single „Holy Relic Sale“ hat dann sogar Ohrwurmqualitäten und bewegt sich mit den alltäglichen Dingen einer Zweierbeziehung in ruhigeres Fahrwasser.

Nach dem dynamischen und von Pedal-Steeler Cody Angel glänzend untermalten Countrysteamer „Heartland Bypass“ nähern wir uns auf „Lose Early“ dem düstersten Moment des Albums. Dieser verwegene Outlaw-Stomp macht unmissverständlich klar, welche Haltung Mr.Boland zu den Besitz- und Wohlstandsansprüchen der Gesellschaft einnimmt. Mit der wunderbar inszenierten Countryballade „Do You Love Me Any Less“ und der ironischen Lifestylekarikatur auf „Fat And Merry“ geht das faszinierende Wechselspiel zwischen bissiger Sozialkritik und gemütlichem Honkytonkflair weiter. Und während andere Alben im letzten Drittel so langsam austrudeln lassen, gibt der Countryrebell aus Oklahoma noch mal richtig Stoff. „Christmas In Huntsville“ dreht sich um das Todesurteil eines fälschlicherweise verurteilten Häftlings und könnte unter dem Weihnachtsbaum für gewisse Verstörung sorgen. Und wem das an Provokation noch nicht reicht, für den hat Jason Boland mit dem gegen die politische Führungsklasse gemünzten Swing-Jam „Fuck, Fight And Rodeo“ noch ein Zückerchen parat. In Gänze betrachtet wirkt „Squelch“ wie ein wohltuender Befreiungsschlag gegen die gleichförmigen und musikalisch beliebigen Auswüchse der New-Country-Szene.

Fazit: „Squelch“ ist ein Album, das aufgrund seines Mixes aus unpopulären Songthemen und traditionellem Countrystyle einen besonderen Platz einnimmt. Auch wenn die großen vordergründigen Melodien fehlen, darf man Jason Boland aufgrund seines schroffen, poetischen Charmes in die Nähe eines Sturgill Simpson oder Jason Isbell rücken. Die Kaufempfehlung an Freunde des Real Country liegt damit auf der Hand. Und wem dieses Album gefällt, dem dürften die Vorgänger „Dark And Dirty Mile“ und „Rancho Alto“ ebenso aus der Seele sprechen.

Jason Boland & The Stragglers - Squelch

Titel: Squelch
Künstlerin: Jason Boland & The Stragglers
Veröffentlichungstermin: 9. Oktober 2015
Label: Proud Souls Entertainment (Alive)
Format: CD & Digital
Laufzeit: 38:16 Min.
Tracks: 11
Genre: Country
Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Break 19
02. The First To Know
03. I Guess It’s Alright To Be An Asshole
04. Holy Relic Sale
05. Hearthland Bypass
06. Lose Early
07. Do You Love Me Any Less
08. Fat And Merry
09. Christmas In Huntsville
10. Bienville
11. Fuck, Fight, And Rodeo

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Über Bernd Wenserski (587 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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