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Rosanne Cash: She Remembers Everything

Rosanne Cash beeindruckt auf "She Remembers Everything" mit großer, zeitgenössischer Singer & Songwriter-Kunst.

Die ultimative Südstaaten-Musikreise 2019
Rosanne Cash - She Remembers Everything Rosanne Cash - She Remembers Everything. Bildrechte: Blue Note

Ihr neues Album belegt aufs Neue ihre große Kunstfertigkeit als Singer & Songwriter. Es ist ein teilweise dunkler, sehr nachdenklicher und sehr engagierter Liederreigen, der die Protagonistin inmitten von Reflexionen über eine aus den Fugen geratenen Welt aus einer entschieden weiblichen Perspektive zeigt.

Ihre letzten drei Alben befassten sich mit ihren Wurzeln. „Black Cadillac“ erschien 2006, nachdem in kurzem Abstand hintereinander ihre leibliche Mutter Vivian Liberto, ihre Stiefmutter June Carter Cash und ihr Vater Johnny Cash gestorben waren. „The List“ von 2009 enthielt ein Dutzend Coverversionen von einer Liste mit 100 essenziellen Country-Songs, die ihr Vater Johnny Cash für sie zusammengestellt hatte. Und für ihr jüngstes Album, „The River & The Thread“ aus dem Jahr 2014, tauchte Rosanne Cash tief in die Mythen und die Geschichte der US-Südstaaten ein. Es wurde eines ihrer erfolgreichsten Alben, sie erhielt dafür drei Grammys. Mit She Remembers Everything kehrt sie zurück zu einem Songwriting, das sich persönlichen Beobachtungen und Reflexionen über den Lauf der Welt speist. Und der sieht ja bekanntermaßen alles andere als gut aus!

Schaut man sich die Lage in den USA und der Welt an, und vergleicht 2014 mit heute, so sind die Entwicklungen und Veränderungen von damals bis heute ebenso rasant wie furchterregend. Die US-Gesellschaft ist sozial gespaltener denn je. Zwischen Schwarz und Weiß, zwischen den prosperierenden Küstenstreifen und den abgehängten Regionen im „Fly Over-Country“. Die Gewalt – wir denken an die Massaker in Las Vegas und Parkland, an die polizeilichen Übergriffe auf Schwarze und an die politisch motivieren Anschläge auf eine schwarze Kirche in Charleston oder auf eine Synagoge in Pittsburg – nimmt immer verheerendere Züge an. „Me Too“-Debatte auf der einen, und das Klammern der alten weißen Männer an die Macht und ihre Privilegien der hemmungslosen sexuellen Ausbeutung von Frauen, kennzeichnen die Geschlechterverhältnisse. Diese Melange unter Berücksichtigung eigener biographischer Themen bilden den Grundstock und Ausgangspunkt für die oftmals mit fein gesetzten Molltönen und durchgehend mit starkem, akzentuiertem Gesang begleiteten Lieder dieses Albums.

Rosanne Cash hat sich mit deutlichen Worten beispielsweise gegen die Waffen-Lobby engagiert. Doch dieses Album ist nicht das Album der Aktivistin Rosanne Cash sondern das der Person Rosanne Cash, die als Frau versucht das einzuordnen, und darzustellen, was passiert. Daher sind es dunkle, nachdenkliche und wohlgesetzte Töne. Da geht es um das, wofür es wofür es sich zu kämpfen lohnt. Um die Liebe des anderen und die Sorgfaltspflicht für die gemeinsame Beziehung (The Only Thing Worth Fighting For). Es geht um das „unentdeckte Land“ zwischen Frauen und Männern, die die Geschlechterverhältnisse schwierig und reizvoll zugleich machen (The Undiscovered Country) oder dass, die Chancen entschwinden aus dieser Welt noch etwas Gutes zu machen (Particle And Wave“).

Drei Songs verdienen es, hier besonders hervorgehoben zu werden. „8 Gods Of Harlem“ ist eine ebenso treffende wie subtile und überhaupt nicht auf Effekte setzende Schilderung der Gewalt und Perspektivlosigkeit im schwarzen New Yorker Stadtteil Harlem. Unterstützt von Kris Kristofferson und Elvis Costello entsteht trotz des hier etwas höheren Tempos ein trauriges Panorama. „Not Many Miles To Go“ ist eine wunderschöne Liebeserklärung an John Leventhal als geliebtem Menschen und musikalischem Partner. Man kennt sich und die Stärken und Schwächen des Partners und liebt ihn trotz oder gerade deswegen. Und „Everyone But Me“ erinnert dann doch noch einmal an den Verlust von Vater und Mutter. Nur vom Piano begleitet wird es eine traurig-schönes Hymne auf die geliebten Menschen, die gegangen sind. Gänsehaut pur.

Entstanden ist „She Remembers Everything“ mit einer Crew von mehr als einem Dutzend Musikern in New York City und Portland in Oregon. Rosanne schrieb alle Texte selbst – und für drei Songs auch die Musik, während ihre Freunde und Kollegen die restliche Musik beisteuerten. In New York war ihr geliebter Ehemann John Leventhal der Produzent, an der Westküste schlüpfte Tucker Martine in diese Rolle, der bereits Künstler wie Mavis Staples, Niko Case oder Bill Frisell produziert hat.

Und die Mitmusiker waren hochkarätig. Neben den schon erwähnten Kris Kristofferson und Elvis Costello war Colin Meloy von den Decemberists als Background-Sänger mit dabei. Das Titelstück „She Remembers Everything“ stammt von Songschreiberin Sam Phillips, die es sich nicht nehmen ließ bei der Aufnahme des Songs als Background-Sängerin mitzuwirken. Und auch Indie-Talent Lery Lynn und Musiker- und Produzenten-Legende T Bone Burnett steuerten einige Songs bei.

Fazit: Ein dichtes, faszinierendes und dunkles Album, das einen reinsaugt und nicht mehr loslässt. Rosanne Cash versteht es, immer wieder neue passende Bilder und Spannungsbögen zu finden. Rosanne Cash ist auf dem Höhepunkt ihrer Singer-Songwriting-Kunst. Meisterwerk!

Rosanne Cash – She Remembers Everything: Das Album

Rosanne Cash - She Remembers Everything

Titel: She Rembembers Everything
Künstler: Rosanne Cash
Veröffentlichungstermin: 2. November 2018
Label: Blue Note
Vertrieb: Universal Music
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 38:44 Min.
Tracks: 10
Genre: Americana

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Trackliste: (She Rembembers Everything)

01. The Only Thing Worth Fighting For
02. The Undiscovered Country
03. 8 Gods Of Harlem
04. Rabbit Hole
05. Crossing To Jerusalem
06. Not Many Miles To Go
07. Everyone But Me
08. She Remembers Everything
09. Particle And Wave
10. My Least Favorite Life

Truck Stop 2018