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JP Harris: Sometimes Dogs Bark At Nothing

Nach vier Jahren Pause legt Harris erneut eine wunderbare Real Country-Platte vor.

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JP Harris - Sometimes Dogs Bark At Nothing JP Harris - Sometimes Dogs Bark At Nothing. Bildrechte: Free Dirt Records

Eines vorweg: Man sollte sich nicht durch das Albumcover abschrecken lassen. Denn trotz des düsteren Bildes auf dem Deckel von JP Harris neuem Longplayer Sometimes Dogs Bark At Nothing handelt es sich hier nicht Dark-Gothic-Country-Punk oder irgendeine andere brachiale Musikform, die sich Country-Elementen bedient, sondern um Real Country Music in ihrer besten Form. Als Musik, die von Menschen erzählt, die im weiten amerikanischen Land zwischen den Küsten wohnen. Musik, die von Arbeit und Arbeitslosigkeit, von Freud und Leid und von Gott und Drogen und Liebe und Gewalt und Tod erzählt. Und eben nicht nur von Party, Pick-Up und Patriotismus. Als Musik, die eben nicht mit einem auf laut gestellten Rock-Pop-Klangbrei überzogen wird, dem hier und fast unmerklich noch ein Banjo, eine Fiddle oder eine Pedal Steel beigemischt wird, damit es als Countrymusik vermarktet werden kann.

Damit hat JP Harris nichts am Hut. Aber trotzdem hält er stoisch daran fest, dass er Countrymusik und nicht „Americana“ oder „Roots Music“ mache. Harris steigert seine Verweigerung den Gesetzen des Musikbusiness noch, indem er nun sein erstes neues Album seit vier (!) Jahren veröffentlicht hat. Und wenn man bedenkt wie sich die Welt seit 2014 geändert hat und Harris plötzlich wieder auftaucht, und genau da anfängt wo er 2014 aufgehört hat, dann versteht man in welchen Kategorien dieser Mann denkt und was Countrymusik eigentlich sein sollte. Denn er erinnert uns daran, so heißt es im Promotext, „wie es ist, die Geschichten tatsächlich zu leben, die wir alle so oft in der Countrymusik zu hören bekommen.“ Denn Harris lebt diese Songs nicht nur, sondern bezeichnet sich auch nicht als Musiker, sondern „als einen Zimmermann, der an Country-Songs feilt.“ Schließlich ist sein Leben nicht das eines Mainstream-Countrystars, sondern eher das eines echten Hobos. Geboren in Montgomery, Alabama, verließ Harris mit 14 Jahren seine Heimat und bereiste das ganze Land, von einem Güterzug zum nächsten springend, in Gelegenheitsjobs sein Geld verdienend und ein Jahrzehnt ohne Elektrizität oder fließendes Wasser.

Die lange Zeit zwischen den Alben hat auch damit zu tun, dass sich im Leben des JP Harris einiges verändert hat und passiert ist in den letzten Jahren, auch manch nicht so Gutes. Und so benötigte er doch immer wieder noch ein bisschen Zeit, bis er schließlich im letzten Jahr anfing, straight das Projekt durchzuziehen. Jetzt hatte er die notwendige Sicherheit, die Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Also tat er sich wieder mit Produzent Morgan Jahnig (Old Crow Medicine Show) zusammen, um den Produktionsprozess zu starten. Doch auch dieser zeichnete sich dadurch aus, dass er ein bisschen anders war. Harris schickte einigen Musikerkollegen akustische Demos zu den Tracks seines neuen Albums. Seine Bitte: „Nehmt euch die nächsten fünf Tage Zeit, um darüber nachzudenken. Notiert euch Ideen, die euch einfallen. Redet nicht untereinander darüber. Lasst uns alle am ersten Tag ins Studio gehen und die Notizen vergleichen.“

Und dieses Vorgehen war goldrichtig, es entwickelte sich eine beispiellose Kreativität und Spontanität: „Wir hatten keine Vorproduktion. Es gab keine Proben. Für die Aufnahmesession hatten wir im Grunde ein ganzes Studio voller Multi-Instrumentalisten in einer sechsköpfigen Band. Jeder spielte mindestens zwei Instrumente. Es war eine wirklich interessante Art, das Album so zu erschaffen und ich denke, es hat jedem von uns geholfen, einschließlich mir selbst, die Songs nicht zu sehr und zu oft zu überdenken.“ Mit dabei im Studio waren u.a. Chance McCoy von der Old Crow Medicine Show an der Gitarre, Mark Sloan, ebenfalls Gitarre (von seiner Tour Band „The Tough Choices“) und Leroy Powell (Gitarre, Pedal Steel). Zusammen mit JP haben sie eine Reihe feiner Songs eingespielt, die zusammen ein stimmiges Album bilden.

Los geht’s mit „JP’s Florida Blues #1“, der härtesten Nummer des Albums. Es erzählt von den dunklen Stunden auf Tour und gibt Harris die Gelegenheit, unschöne Erinnerungen in einer humorvollen Art aufzuarbeiten. „Lady In The Spotlight“ erzählt dagegen eine ganz andere Geschichte: „Das ist die Geschichte eines Kleinstadt-Mädchens, das ein One way-Ticket für einen Flug mit Gitarre nach Kalifornien kauft, nur um feststellen zu müssen, dass ihr Körper und nicht ihr Talent der einzige Weg ist mit denen sie Ihre Träume wahr werden lassen kann.“ Ein Lied also über das immer noch auf männliche Macht aufbauende Musikbusiness, das sich seit den 1960er oder 1970er Jahren auch in den Zeiten von #MeToo wohl nur unwesentlich geändert hat. „When I Quit Drinking“ ist dann wieder ein biografisch gefärbter Song, der zu seinen alten Dämonen zurückführt. In der Absicht und Hoffnung, dass wenn er von seinen eigenen gewonnen Kämpfen erzählt, er Anderen bei deren Kämpfen helfen kann.

Und so geht es immer weiter mit Pretiosen wie dem Titeltrack „Sometimes Dogs Bark At Northing“, „Runaway“ oder „Jimmy’s Dead And Gone“. Auch dieses ist Album wieder ein wunderschönes Country-Album geworden. Mit wirklich authentischen musikalischen Geschichten, die anderen Menschen unterhalten, Trost und Kraft spenden mögen. Musik, die von Herz und Seele kommt, und nicht aus irgendeinem Labor, in dem Musik auf der Basis von Social Media-Verhalten der Hörer am Reißbrett entsteht, und dann von Lohnschreibern und -Musikern sowie Soundcomputer für irgendwelche Label-Stars eingespielt wird.

Fazit: Wunderbare Real Country Music. Tut gut zu hören!

JP Harris – Sometimes Dogs Bark At Nothing: Das Album

JP Harris - Sometimes Dogs Bark At Nothing

Titel: Sometimes Dogs Bark At Nothing
Künstler: JP Harris
Veröffentlichungstermin: 16. November 2018
Label: Free Dirt Records
Vertrieb: Galileo Music Communication
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 30:32 Min.
Tracks: 10
Genre: Country

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Trackliste: (Sometimes Dogs Bark At Nothing)

01. JP’s Florida Blues #1
02. Lady In The Spotlight
03. When I Quit Drinking
04. Long Ways Back
05. Sometimes Dogs Bark At Nothing
06. Hard Road
07. I Only Drink Alone
08. Runaway
09. Miss Jeanne-Marie
10. Jimmy’s Dead And Gone

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