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J.S. Ondara: Tales Of America

Geboren in Kenia und beeinflusst von Bob Dylan setzte er seinen Singer-Songwriter-Traum in den USA um. Jetzt hat der in Minnesota lebende Musiker sein Debütalbum veröffentlicht.

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J.S. Ondara - Tales Of America J.S. Ondara - Tales Of America. Bildrechte: Verve

Es ist einfach eine tolle Geschichte, so wie sie derzeit über J.S. Ondara erzählt wird. Ondara wird in Kenia geboren und wächst in Nairobi in einfachen Verhältnissen auf, und hat nicht viel außer der Liebe zur Musik und zum Gesang. Seiner Familie gelingt, ihn auf eine weiterführende Schule zu schicken. Dort nimmt sein Leben eine entscheidende Wendung: „Mein Klassenkamerad war der absurden Meinung, dass ‚Knockin‘ On Heaven’s Door‘ in Wahrheit gar kein Song von Guns N‘ Roses sei, sondern ursprünglich von einem Typen namens Bob Dylan geschrieben worden war. ‚Von wem?‘, erwiderte ich. ‚Ich garantiere dir, dass es ein Guns N‘ Roses-Song ist.‘ Ich hielt unerschütterlich an meinem Standpunkt fest, aber er tat das auch. ‚Nee, Alter, der Song stammt wirklich von diesem Folksänger namens Bob Dylan‘, sagte er. Seine Überzeugtheit war mir ein Rätsel, also wettete ich mit ihm um 100 Kenia-Schillinge. Hundert Schillinge später fand ich heraus, dass ich falsch gelegen hatte. Aber so entdeckte ich immerhin Bob Dylan“, erzählt Ondara in einem Promotext.

Bob Dylan als wichtige Entdeckung

Er besorgt sich also „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ und ist fasziniert: „Ich hatte noch nie zuvor Musik gehört, die so geschrieben oder gesungen wurde. Ich war erstaunt, wie ungeschliffen und auf das Wesentliche reduziert die Platte war. Nachdem ich diese Entdeckung gemacht hatte, stellte ich fest, dass es auch andere – alte und zeitgenössische – Musiker vom gleichen Schlag gab! So verguckte ich mich in die Musik von Songwritern wie Neil Young, Ray Lamontagne, Damien Rice, Ryan Adams und vielen anderen.“

Amerika, das Ursprungsland dieser Musik ist fortan ein Sehnsuchtsort für Ondara. Spätestens als er merkt, dass für diese amerikanische Art der Musik, die nun seine eigene ist, in Kenia kein Platz ist. Also wird der Sehnsuchtsort zum ganz konkreten Ziel. J.S. Ondara will nach Amerika. Mehrmals bewirbt er sich um Jobs, die ihn dorthin führen sollen. Anfangs erfolglos, schafft er es schließlich doch und macht sich auf in die USA, nicht ohne Zweifel: „Was ich hatte, war nur ein dummer Traum, ein Buch mit Liedern und eine Flut von Melodien, die darum kämpften, meinen Kopf zu verlassen. Ja, ja, das war ziemlich idiotisch. Ich hatte allerdings auch Verwandte, die über die Staaten verstreut lebten. Ich entschied mich schließlich dafür, mich in Bob Dylans Heimatstaat Minnesota niederzulassen. Ich fühlte mich zu diesem Ort hingezogen, aus dem dieser berüchtigte Folk-Sänger stammte, der sich erst in einen Rockstar und dann in ein kulturelles Phänomen verwandelt hatte, und zu dem ich aufschaute.“

Amerika als Sehnsuchtsort

Und so wie sein großes Idol an einem kalten Wintertag Anfang 1961 nach New York kam, um die Welt zu erobern, war es an einem kalten Februartag 2013, als Ondara in Minneapolis landet. Dort will er erst eine Band gründen, dann lernt er Gitarre, doch seine Musikerkarriere kommt nicht so recht in Schwung. Währenddessen drängt ihn seine Familie, sich an einer Schule einzuschreiben, also beginnt er Musiktherapie zu studieren. Doch schon nach zwei Semestern schmeißt er alles wieder hin, als er bei einem Noah Gundersen-Konzert wieder eine wichtigen Kick bekommt: „Was ich erlebte, lässt sich am ehesten als eine spirituelle Erfahrung beschreiben. Ich erinnere mich, dass ich am Ende rausging und dachte: ‚Zur Hölle mit allem anderen, das ist es, was ich tun werde.‘ Ich warf die Schule am nächsten Tag hin und stürzte mich wieder auf die zermürbenden Open Mic-Veranstaltungen und andere Auftrittsmöglichkeiten in der Stadt.“

J.S. Ondara

J.S. Ondara. Bildrechte: Josh Cheuse


Er produziert mit bescheidenen Mitteln eine EP, die sogar von einem Radiosender gespielt wird. Als er bei einer Feier des Senders spielt, wird er entdeckt und es hagelt Auftrittsangebote und er spielt Gig für Gig. Am vorläufigen Ende des Weges steht eine Tour als Vorprogramm von Ex-Fleetwood Mac-Lead-Gitarrist Lindsey Buckingham und das Album Tales Of America, in dem er seinen Traum von und die Realität in Amerika verarbeitet.

Ondara lebt den amerikanischen Traum

Ondaras Geschichte ist so ambivalent wie sie nur sein kann. Zum einen ist sie die Erinnerung daran, dass es einmal einen amerikanischen Traum gab. Der Traum davon, dass Amerika Zuwanderern eine faire Chance gab, sofern sie an sich glaubten und hart arbeiteten. Da ist es ein schöner Randaspekt der Geschichte Ondaras, dass Barack Obama, der erste schwarze Präsident der USA, ebenfalls Wurzeln in Kenia hatte. Auch Obama, dessen Vater aus Kenia stammte, war eine Erinnerung an diesen Traum.

Doch heutzutage sollen Mauern gebaut werden, damit irgendein ominöses angelsächsisches, protestantisches oder evangelikales weißes Amerika unter sich bleiben kann. Ondara spricht denn auch in seinem ersten Track „American Dream“ die amerikanische Realität an. Die Linie zwischen Streben nach Glück und Gottvertrauen auf der einen, und Gewalt, Ausgrenzung und religiösem Fundamentalismus auf der anderen Seite ist hauchdünn. Das muss man wissen, wenn man als Schwarzer aus Afrika nach Midwest kommt.

Tales Of America – das Album

Es ist ein nachdenkliches Album geworden angesichts der kritischen Bestandsaufnahme, die Ondaras Werk leistet. Bei aller Dankbarkeit Ondaras, sich seinen Lebenstraum im gelobten Land erfüllt zu haben, erkennt er doch die Gefahren und Schwächen der Realität dieses amerikanischen Traums. Ob in „God Bless America“, Television Girl“ oder „Master O’Connor“ – Ondara begibt sich ganz dylanesk auf die Spuren der Verlierer und der Gewinner. Mit klarem Blick von außen, aber stets mit viel Empathie für die Menschen.

Musikalisch ist es ein komplett akustisches Album. Produziert hat es Mike Viola (Ryan Adams, Jenny Lewis) in Los Angeles, die elf Songs stammen alle aus der Feder von J.S. Ondara, ausgewählt aus wohl rund hundert Stücken, die er zu der Zeit geschrieben hatte. Mit im Studio waren Andrew Bird, Tylor und Griffin Goldsmith von den „Daws“ und Joey Ryan von den „Milk Carton Kids“.

Lyrisch und musikalisch ist an Dylan orientiert, was man vom Gesang überhaupt nicht sagen kann. Wo der junge Dylan lakonisch, spröde, heiser, nasal und minimalistisch sang, da schwingt sich J.S. Ondara in einem expressiven Gesang über mehrere Oktaven in manchmal zu hohe Höhen. Singt hier und da etwas zu schön und warum er das starke „American Dream“ am Ende mit einem manierierten Geträller schwächt, würde man gerne mal von ihm und seinem Produzenten erfahren. Die stärksten Gesangsleistungen sind denn auch, wenn er straight und ohne Schnörkel singt wie beim „Torch Song“ oder bei „Master O’Connor“. Da berührt er einen bis ins Mark.

Fazit: Ein vielversprechendes Debüt-Album eines großen Talents. Man darf gespannt sein, inwieweit Ondara sich behaupten kann. Wer erinnert sich noch an „The Tallest Man Of Earth“ oder Vikesh Kapoor, die vor einigen Jahren als Zukunft des Singer-Songwriter-Genres gehypt wurden und nun schon wieder in der Versenkung verschwunden sind. Man wünscht dem jungen Künstler, dass es ihm anders gehen möge.

J.S. Ondara – Tales Of America: Das Album

J.S. Ondara - Tales Of America

Titel: Tales Of America
Künstler: J.S. Ondara
Veröffentlichungstermin: 15. Februar 2019
Label: Verve
Vertrieb: Universal Music
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 42:06 Min.
Tracks: 11
Genre: Americana

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Trackliste: (Tales Of America)

01. American Dream
02. Torch Song
03. Saying Goodbye
04. Days Of Insanity
05. Television Girl
06. Turkish Bandana
07. Lebanon
08. Good Question
09. Master O’Connor
10. Give Me A Moment
11. God Bless America

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