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Nathan Carter gibt beeindruckendes Konzert in Bensheim

In Irland ein Superstar, ist der Sänger nun bereits zum zweiten Mal auf Clubtournee durch Deutschland.

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Nathan Carter Nathan Carter. Bildrechte: Prom. Mit freundlicher Genehmigung: Hypertension Music (Archivfoto)

Das waren fast zwei Stunden pralle und beste Unterhaltung. Nein, Nathan Carter ist kein Singer-Songwriter, sondern ein toller Sänger und starker Interpret und Entertainer. Man merkt ihm an, dass er sein Handwerk von frühester Jugend von der Pike auf gelernt hat. Im Kirchenchor, bei traditionellen irischen Tanzabenden und drei Jahre lang jeden Abend auf der Bühne.

Von Anfang an nimmt er das Publikum im südhessischen Bensheim mit und begeistert es mit seiner Musik. Carters Melange aus Irish Folk, Country und Pop ist kraftvoll, eingängig und erfreulich variabel. Denn Carter versteht es, schnelle Titel und langsamere, eigene Songs und Coverversionen so zu mischen, dass das Publikum immer dran bleibt.

Mit Countrymusik aufgewachsen

Er hat die Countrymusik von seiner Großmutter nahegebracht bekommen, sagt er. Mit Johnny Cash, Willie Nelson und Dolly Parton sei er aufgewachsen. Doch die Countrymusik, die er an diesem Abend im nicht ganz gefüllten Bensheimer Musiktheater Rex spielt, sind weder die Songs des „Man in Black“ noch die Outlaw-Songs von Willie Nelson, sondern Country-Schlager von Collin Raye (Little Rock), The Carpenters (Top Of The World) und Glen Campbell. Von letzterem spielt er sogar ein ganzes Medley: „Try A Little Kindness“, „Southern Nights“ und natürlich darf der „Rhinestone Cowboy“ zum Abschluss nicht fehlen. Wunderschön gerät ihm auch Roger Millers „King Of The Road“.

Zweite Säule des Programms sind seine Irish Folk-Pop-Songs. Mal sehr nah am Stimmungssong – „Temple Bar“ ist fast schon gesungenes Tourismusmarketing – mal etwas ursprünglicher wie „Banks Of The Roses“ oder „On The Boat To Liverpool“, dass die Geschichte der irischen Arbeitsmigranten in der englischen Hafenstadt beschreibt und das mit einem kleinen musikalischen Zitat des durch die Dubliners bekannt gewordenen Folksong „Leaving Of Liverpool“ endet.

Carter tappt im Übrigen aber nicht in die Falle, dem Publikum auch noch der Deutschen liebste Irish-Folk-Mitgröl-Songs „Wild Rover“ und „Whiskey in the Jar“ anzubieten. Seine Musik sorgt auch so schon für genug gute Stimmung. Wobei er aber ohnehin von dem durch die Clancy Brothers und den Dubliners geprägten Folkmusik-Stil weit entfernt ist. Für diesen raueren, ursprünglicheren Folkmusik-Stil stehen heute Gruppen wie „The Kilkennys“. Die hierzulande bekanntesten Irish Folksongs sind an diesem Abend das stimmungsvolle „Irish Rover“ und das traurig-sentimentale „The Town I Love So Well“. Das Stück über die vom Bürgerkrieg gezeichnete Stadt nordirische Stadt Derry darf durchaus auch als Appell für ein weiteres friedliches Zusammenleben auf der grünen Insel verstanden werden.

Zwischen Irish Folk und Pop

In ihrem Folk-Pop arbeiten Carter und seine sechsköpfige Band immer wieder mit der Irish-Folk-Instrumentierung Akkordeon, Geige, und Thin Whistle. Dazu wird irisch aufgetanzt, das erzeugt eine rasante Bühnenchoreographie und macht wirklich gute Laune. Und natürlich will auch Nathan Carter, dass die Leute mitsingen, schließlich singen die Iren einfach gerne in Gesellschaft. Aber neben dem eigenen Folk-Pop werden auch gängige bekannte Popsongs wie „Shut Up And Dance With Me“ von „Walk The Moon“ eingestreut.

Alles was auf der Bühne passiert wirkt sehr leichtfüßig, und die Musiker scheinen wirklich ihren Spaß dabei zu haben. Und „Charming Boy“ Nathan – der, das muss man allerdings auch sagen, oftmals eine Spur zu glatt wirkt – man wünscht ihm die eine oder andere Ecke und Kante – spielt dann auch mit den Klischees, wenn plötzlich Frauenunterwäsche auf die Bühne fliegt. Fortan wird es zum Running Gag, eben diese Höschen lustig auf der Bühne von Musiker zu Musiker zu werfen. Na ja, vielleicht ein bisschen kindisch, aber das mag man ihnen verzeihen.

Kraftvolles Live-Erlebnis

Denn was unterm Strich bleibt, ist die starke Leistung des gesamten Ensembles, das an diesem Abend in Bensheim keine Wünsche offen lässt. Der Saal tobt. Und so darf am Ende bei den lautstark geforderten Zugaben natürlich nicht seine Version des Bob Dylan/Old Crow Medicine Show-Songs „Wagon Wheel“ fehlen und erst nach einer weiteren Zugabe räumen Nathan Carter und seine Jungs die Bühne. Wow, ein starker Auftritt und ein kraftvolles Live-Erlebnis!

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Über Thomas Waldherr (508 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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