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Hurray For The Riff Raff: The Navigator

Alynda Lee Segarra entdeckt ihre eigenen Wurzeln und legt ein ebenso ungewöhnliches, wie politisches, wie fantastisches Album vor.

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Hurray For The Riff Raff - The Navigator Hurray For The Riff Raff - The Navigator. Bildrechte: Pias Coop

Wir entdeckten Alynda Lee Segarra und ihre Band Hurray For The Riff Raff mit „Small Town Heroes“, ihrem letzten Album (erschienen Februar 2014), das, genauso wie seine Vorgänger, geprägt war der amerikanischen Rootsmusik, die sie als Teil einer musikalischen Großfamilie kennengelernt hatte, die einige Jahre als fahrende Musikanten durch die Lande zog, ehe sie in New Orleans sesshaft wurde. Ein wichtiger Bezugspunkt für sie wurde in diesen Zeiten Sam Doores, der sie in die Musik von Woody Guthrie, Hank Williams und Bob Dylan einführte. Doores selbst ist nach einigen Jahren in der Cowboy Band „The Tumbleweeds“ seit geraumer Zeit schon Kopf der wunderbaren Honky Tonk-Country-Soul-Kapelle „The Deslondes“.

Alynda leistet mit ihrem neuen Hurray For The Riff Raff-Album The Navigator zweierlei. Erstens greifen die 12 neuen Lieder auf Segarras eigene Reise von den South Bronx zur New Yorker Punkszene auf der Suche nach ihrer eigenen Identität zurück. „Alynda Segarra erzählt eine komplexe, filmreife Geschichte einer umherstreifenden Seele, die am Scheideweg zwischen Identität und dem Druck ihrer Herkunft steht. Das Straßenkind Navita durchquert darin eine fortwährend brennende Stadt auf der Suche nach sich selbst. The Navigator“ ist Aufruf zum Widerstand und könnte zu keiner passenderen Zeit erscheinen“, schreibt die Platenfirma und hat Recht damit. Denn mit der Schilderung eines konkreten Lebensweges verteidigt die bekennende Lesbe Alynda das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, auf Freiheit, Menschlichkeit und humanes Zusammenleben über alle ethnischen und sozialen Grenzen hinweg. Und gegen alle Bestrebungen dies in Frage zu stellen. Also wirklich eine grundlegende Platte gegen die herrschenden politischen Kreise in den USA. Und stellt sich damit in eine Reihe mit dem andereen starken politischen Album dieses Quartals, Rhiannon Giddens‘ „Freedom Highway“.

Zweitens bedeutet „The Navigator“ einen neuen musikalischen Entwicklungsschritt. Die Roots-Töne spielen diesmal nur eine untergeordnete Rolle. Das von Paul Butler (Michael Kiwanuka, St. Paul and The Broken Bones, Devendra Banhart) produzierte und in den Electric Lady Studios in NYC und im Panoramic House in Kalifornien aufgenommene Album widmet sich der Welt der Latin-Rhythmen, des Rock und der kraftvollen Balladen. Wobei Rock bei Alynda immer noch Folk-Rock bedeutet, d.h. die Tradition von Bob Dylan oder Patti Smith immer präsent ist.

Gerade Alyndas Wurzeln als Latina spielen in den Themen und der Poesie dieses Album eine große Rolle. Poesie wie die von Pedro Pietri in „Puerto Rican Obituary“ und das Nuyorican Poets Cafe beeinflusste sie dabei ebenso wie der Singer & Songwriter Rodriguez, die puertorikanischen Aktivisten von Young Lords, die Ghetto Brothers, Fania Records und mehr. Im bereits zu hörenden Track „Rican Beach“ geht es um die Gentrifizierung der South Bronx und der Kultur Puerto Ricos in Städten wie New York City. Sie erzählt hier eine zwar fiktionale, aber dennoch wahrheitsgetreue Geschichte einer Stadt, die durch Gentrification und sozialer Spaltung völlig verändert wurde. Sie hat den Song den Protestbewegungen gegen die Wasserverschmutzung in Standing Rock, South Dakota und in Penuelas, Puerto Rico, wo Kohleasche das Drinkwasser verschmutzt, gewidmet.

Alynda definiert sich mit diesem Album eindeutig als politische Künstlerin. Gegenüber dem Online-Musikmagazin „npr music“ hatte die Sängerin erst kürzlich erklärt. „Vor langer Zeit schon habe ich mich als Künstler definiert, der für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Gleichkeit steht. Ich stehe für meine Überzeugungen ein und werde immer versuchen die Musik als Mittel zu benutzen, um Menschen aufzubauen und zu stärken.“

Die Platte beginnt beim Startsong „The Entrance“ beziehungsreich mit einem schwarzen Gospelchor, in den Alynda miteinstimmt. Ja, auch Gott ist mit ihr. Er steuert sie durch das harte Leben, weil er sie liebt wie sie ist. Und Alynda trennt damit ganz lässig Glaube von Bigotterie. Songs wie „Living In The City“ oder „Nothing’s Gonna Change That Girl“ tragen stark autobiographische Züge, während bei „Rican Beach“ oder „Pa’lante“ (Vorwärts!) die politische Aussage, der politische Aufruf im Mittelpunkt stehen. Nicht mit unrecht abfinden, nicht still stehen, kämpfen! „This Land Is Your Land!“

Und immer wieder mischt sie die verschiedenen Einflüsse. Folk-Balladen entwickeln sich zu von Latino-Rhythmen geprägten „Canciónes“, dazwischen treibender Rock, mit spanischen Sprachfetzen unterlegt oder Gospelanklänge. Und so ist „The Navigator“ auch ein ungemein spannendes Album, bei dem es auch nach mehrmaligem Hören immer noch Neues zu entdecken gibt. Und das auch gleich die Frage mitbeantwortet, ob das noch Americana ist. Ja, natürlich, denn die traditionellen Roots sind zwar nicht im Vordergrund, aber noch da. Ergänzt durch die lateinamerikanischen „Raíces“. Gerade auch deswegen ist „The Navigator“ ein für die USA, in denen die gesellschaftliche Vormachtstellung der weißen Protestanten zurückgeht, ein wichtiges Album.

Fazit: Eine fantastische Platte. Alynda war hier sehr ambitioniert und hat alles gewonnen! Inhaltlich ganz stark, musikalisch überraschend und bewegend, in der Umsetzung perfekt.

Prädikat: Lebendiges Americana: Human, vielfältig, offen!

Hurray For The Riff Raff – The Navigator: Das Album

Hurray For The Riff Raff - The Navigator

Titel: The Navigator
Künstler: Hurray For The Riff Raff
Veröffentlichungstermin: 10. März 2017
Label: Pias Coop (Rough Trade)
Laufzeit: 41:10 Min.
Format: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 12
Genre: Americana, Latin

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Trackliste: (Hurray For The Riff Raff – The Navigator)

01. Entrance
02. Living In The City
03. Hungry Ghost
04. Life To Save
05. Nothing’s Gonna Change That Girl
06. The Navigator
07. Halfway There
08. Rican Beach
09. Fourteen Floors
10. Settle
11. Pa’lante
12. Finale

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Über Thomas Waldherr (397 Artikel)
Thomas Waldherr gehört zur Country.de-Stammbesetzung und ist Spezialist für "Country & Folk, Americana" sowie anerkannter Bob Dylan-Experte.

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