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Kim Williams: Schreibt Songs mit Tiefgang

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Der Name verpflichtet, könnte man zumindest meinen. Wer Williams heißt und Lieder schreibt, bekommt in der Country Music automatisch eine hohe Messlatte. Kim Williams allerdings ist in keinster Weise mit der Familie des großen Hank Williams verbunden. Gleichwohl versteht er sich auf das Schreiben von Songs ganz ausgezeichnet. Seine Lieder haben meist Tiefgang und oft das gewisse Etwas, das sich beim Hörer festsetzt.

Wer sich nicht so für die Autoren interessiert und deshalb mit dem Namen Kim Williams wenig anfangen kann, dem sagen vielleicht einige Songs viel mehr. „Papa Loved Mama“ nahm Garth Brooks auf, der Song fand so millionenfach Gehör in aller Welt. Auch „Ain’t Going Down“ wurde via Brooks in alle Welt transportiert. Dann wäre da noch Joe Diffie, der „If The Devil Danced“ zum Hit sang. „Haunted Heart“ wurde für Sammy Kershaw ein Erfolg. Aber auch Garth Brooks hatte weitere No. 1 Hits, an denen Kim Williams mitschrieb: „It’s Midnight Cinderella“ und „She’s Gonna Make It“. Dabei hätte es all diese Lieder um ein Haar gar nicht gegeben. Erst ein furchtbarer Unfall führte dazu, da Kim Williams beinahe schon notgedrungen zum Songschreiber wurde, einer Kunst, mit der er allerdings schon vorher geliebäugelt hatte.

Kim WilliamsEs war 1974, Williams arbeitete als Mechaniker im Provinznest Rogersville im östlichen Tennessee. Aus ungeklärter Ursache explodierte ein elektronisches Teil, Kim Williams erlitt dabei schwerste Verbrennungen, vor allem auch im Gesicht. Auch um die hundert plastische Eingriffe konnten in der Folgezeit die Spuren des Unfalls nicht auslöschen. Williams dachte wiederholt daran, sich vor der Außenwelt zu verstecken. Dank der Hilfe seiner Frau, mit der er immer noch verheiratet ist, überwand er allmählich das Trauma, nahm seine neue Situation an und blickte wieder positiv in seine Zukunft. Diese ganze Zeit nach dem Unfall, so konstatiert er, habe ihn zu dem Menschen geformt, der er heute ist. Den Songschreiber Kim Williams würde es ohne den Unfall nie gegeben haben. Er betrachtet ihn als Wink des Schicksals, als Zeichen, dass man sich im Leben nicht nur auf eine Sache konzentrieren sollte sondern herausfinden muss, was sonst noch in einem steckt. In den langen Monaten der Rekonvaleszenz blieb ihm reichlich Zeit, über Vieles nachzudenken. Und zu erkennen, dass die Musik eigentlich stärker in ihm steckte als er sich selbst gegenüber hatte zugeben wollen.

Nun ist es auch nicht so, dass man dann gleich seinem Leben eine andere Richtung gibt. Da nagen weiter Zweifel in einem, man muss langwierige Behandlungen überstehen und an sich arbeiten. Im Verlauf der verschiedenen Therapien wurde er regelmäßig im Vanderbuilt Hospital von Nashville behandelt. Gelegenheit, ein wenig „Country-Songschreiber-Luft“ zu schnuppern. 1983 war er die Fahrerei satt und zog um nach Nashville. Rasch hatte er einen Vertrag bei Tree International und wenig später tanzte Joe Diffie mit seinem „Teufel“ an die Spitze der Charts. Seither tauchen Kim Williams Songs mit schöner Regelmässigkeit bei vielen Produktionen auf. Für seine „Arbeit“ hat er eine einfache Regel. Er schreibt sich Formulierungen auf, die sich für einen Songtitel eigenen könnten oder die man in einem Lied plakativ verwenden kann. Ein Song sollte irgend etwas beim Hörer bewirken, er sollte seine Gefühle ansprechen. Gelingt ihm das, ist er mit seiner Arbeit zufrieden. Gern schreibt Williams übrigens auch mit Kollegen. Auch mit Garth Brooks. Es kommt einfach darauf an, dass die Chemie stimmt, man die Gedanken des anderen lesen und weiter entwickeln kann. Als ideales Beispiel nennt Williams „A New Way To Fly“, eine Co-Produktion mit Brooks. Da weiß er noch genau, wann und wo er die Idee dazu hatte. Er habe Vögel auf einer Telefonleitung sitzen sehen und dieses Bild in Verbindung gebracht mit Leuten, die an der Theke in einer Kneipe oder Bar sitzen. Brooks, mit dieser Idee konfrontiert, entwickelte sie daheim in Oklahoma weiter und gemeinsam beendeten sie diesen Song. Williams weiß sogar noch, dass es der 13. Januar 1989 war!

Von der Entfernung her ist es nicht weit von seiner Heimat Kingsport, Tennessee nach Nashville, für Kim Williams aber wurde es ein zunächst schmerzhafter und langer Trip, der sich dann aber auszahlen sollte. Heute gehört er zu den arrivierten, den gefragten Songschreibern der Szene. Lieder, an denen er mitgeschrieben hat, befinden sich auf weit über 100 Millionen Tonträgern. Bei ihm wird das Songschreiben nie zu einem Job, für Kim Williams ist und bleibt es Kunst. Und wenn der Name „Williams“ eine Verpflichtung ist, dann ist er ihr voll und ganz gerecht geworden. Garth Brooks verrät dann auch noch eine ungewöhnliche Marotte seines Kumpels Kim Williams: „Man darf nie nach dem Essen mit ihm arbeiten wollen. Er hat nämlich ein Schlafproblem. Nach dem Essen ist er fertig, da braucht er eine Mütze Schlaf. Damit hat er uns ganz schön genervt bis der Arzt entdeckte, dass er das einfach nach dem Essen braucht. Wir arbeiten seither nur noch morgens mit ihm zusammen.“

Autoren wie Kim Williams sind selten dazu zu bewegen, selbst ins Studio zu gehen und vor ein Mikrophon zu treten. Für das Album „In The Beginning – A Songwriter’s Tribute To Garth Brooks“ ließ er sich nicht lange bitten. Mit anderen Autoren interpretiert er dort Songs, die Brooks groß machte. So eigenwillig wie man es erwarten darf. Und natürlich seinen eigenen Lieblings-Song „A New Way To Fly“ sowie „Papa Loved Mama“. Wann immer ich auf einer CD den Namen Kim Williams lese, bin ich schon neugierig, was er sich wieder hat einfallen lassen.

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