Kenny Rogers: Water & Bridges
Die anhaltende Freude an seinem Beruf tönt denn auch aus jeder Note auf „Water & Bridges“. Sein bereits 64 Studioalbum seiner Karriere. Kenny Rogers geht hier mit der Leidenschaft eines Szeneneulings zu Werke und singt in insgesamt elf Songs zwischen Country, Pop und Rock von den Dingen, die ihn im Innersten umtreiben, die er mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen verbindet. Gleich im Eröffnungsstück „Water And Bridges“ gibt er viel von sich preis, wenn er – autobiografisch gefärbt – das gestörte Verhältnis von einem Sohn und seinem alkoholkranken Vater schildert. „Someone Is Me“ ist ein Aufruf zu mehr sozialem Engagement, das der Künstler in bewegenden Verszeilen explizit auch von sich selbst einfordert. „Calling Me“, im Duett mit Don Henley (Eagles) angestimmt, erinnert an die Orte, die ihm in der Kindheit wichtig waren, das Lied gibt seine Heimatverbundenheit glaubwürdig wieder. Und in der Streicherballade „One Life“ schließlich philosophiert Kenny Rogers zum Ausklang des neuen Albums sehr persönlich über Vergänglichkeit, über die zeitliche Begrenztheit des menschlichen Lebens.
Viel Privates offenbart der in Houston geborene Musiker hier in Liedern, die er sich von erstklassigen Komponisten und Textern auf den Leib schneidern ließ. Für diese Aufgabe konnte er ausgebuchte Autoren wie Mike Reid (Ronnie Milsap, Conway Twitty), Annie Roboff (Beth Nielsen Chapman, Mary Chapin Carpenter) und Don Pfrimmer (Tim McGraw, Steve Wariner, Tanya Tucker) gewinnen. Anthony Smith, der zuvor schon Sammy Kershaw, Lonnie Morgan und Lonestar mit exzellentem Material versorgte, steuerte die kernig-knorrige Country Rock-Nummer „Half A Man“ bei. Wade Kirby, mit Auftragsarbeiten für Gretchen Wilson, George Strait und Sherrié Austin bekannt geworden, zeichnet für die erste Singleauskopplung „I Can’t Unlove You“ verantwortlich.
Für „Water & Bridges“ hat Kenny Rogers Songschreiber engagiert, deren Kunst sich nicht in den üblichen Herz-Schmerz-Reimen erschöpft. „Ich habe immer gesagt, dass ich kein großartiger Sänger bin, aber ich war immer recht gut, wenn es darum ging, tolle Songs zu entdecken.“ So bescheiden spricht der Storyteller von seinem Gespür für gehaltvolle Lieder und spannende Geschichten. „Es war mein Ziel, eine ganze Sammlung moderner Songs zu finden, die mehr zu sagen haben als ‚ich liebe dich‘ oder ‚es bringt mich um, wenn du mich verlässt‘. Ich wollte Songs aufnehmen, die mich bewegen und auf einer tieferen Ebene ansprechen.“
Huff war wesentlich daran beteiligt, diese Songkollektion im Studio in Nashville zeitgemäß umzusetzen. Der gefragte Produzent, der auf Kooperationen mit Keith Urban, Faith Hill und vielen anderen Stars verweisen kann, hat sein Ohr bekanntermaßen am Puls der Zeit. „Dann versieht alles mit Ecken und Kanten“, erinnert sich Kenny Rogers an die gemeinsame Zeit im Aufnahmeraum. „Er kommt aus dem Rock ’n‘ Roll. Das Interessante an ihm ist, dass er lieber Bandmusiker einsetzt statt Studiomusiker, die spielen mit mehr Dynamik. Das hört man dem neuen Album auch an.“ Womit wir noch einmal bei der eingangs erwähnten Bereitschaft wären, sich auch mit 67 Jahren neuen Herausforderungen zu stellen. Kenny Rogers hat diese Bereitschaft weiß Gott nicht verloren, er begrüßt den frischen Crossover-Sound, zu dem ihm Dann Huff verhalf, mit offenen Armen.
Fazit: Wie uns „Water & Bridges“ eindrucksvoll zeigt, ist die Wachheit des US-Sängers und seine Lust an der eigenen Weiterentwicklung ungebrochen. Woraus man dann wohl folgern kann, dass Neugier und Freude am Beruf ganz offensichtlich gute Voraussetzungen sind, um auch im siebten Lebensjahrzehnt jung zu bleiben.
| Trackliste:
01. Water & Bridges |







