Zu Gast bei Larry Schuba und Western Union – zwei Tage, die in Erinnerung blieben
Eine Country.de-Erinnerung aus dem Jahr 2006.
Zu Gast bei Larry Schuba. Collage (Country.de) // Photo Credit: © (Dirk Neuhaus)
Im Sommer 2006 verbrachte die Redaktion von Country.de zwei Tage bei Larry Schuba und seiner Familie in Zossen bei Berlin. Es wurde weit mehr als ein gewöhnlicher Interviewtermin: Wir trafen die Musiker von Western Union, hörten neue Aufnahmen im Studio, stöberten in einem riesigen Musikarchiv und erlebten am Abend ein ganz privates Unplugged-Konzert auf der Terrasse.
Zwanzig Jahre später holen wir diese Geschichte noch einmal aus unserem Archiv.
Larry Schuba starb am 23. Juli 2023. Die Erinnerung an den Musiker, Songschreiber, Radiomoderator und Bandleader ist geblieben – ebenso wie die Erinnerung an zwei Tage, an denen wir ihn nicht nur als Musiker, sondern vor allem als Gastgeber und Menschen erleben durften.
Der folgende Bericht erschien ursprünglich am 30. Juni 2006 auf Country.de und wir haben ihn für die erneute Veröffentlichung behutsam redaktionell überarbeitet. Die persönliche Erzählweise und der Charakter des ursprünglichen Berichts wurden bewusst erhalten.
Seit fast 40 Jahren „On The Road“
Seit fast 40 Jahren sind sie nun schon „On The Road“: Larry Schuba und Western Union. Was im Jahr 1967 mit der Gründung der Band und einem feuchten Keller in Berlin-Mariendorf als damaligem Übungsraum begann, entwickelte sich zu einer festen Größe der deutschen Musikszene.
Larry Schuba und Western Union sind auf zahlreichen großen Bühnen in Deutschland, Europa und den USA zu Hause. Sie schreiben Countrymusikgeschichte – und das seit mittlerweile fast vier Jahrzehnten.
Wer erinnert sich nicht an Lieder wie „Bärenstark“, „Auf der Autobahn“, „Ich möcht’ so gerne mal nach Nashville“, „Transit Cowboy“, „Bi Ba Baby“, „Nur ein Kuss“ oder „Danke“, um nur einige zu nennen? Diese und eine Fülle weiterer Songs stammen aus der Feder ihres Chefs und Bandleaders Larry Schuba.
Western Union hat sich im Laufe dieser langen Zeit mehrfach „verjüngt“, der „Countrybär“ steht aber nach wie vor unangefochten an der Spitze seiner erfolgreichen „Boyband“.
Die Schaffenskraft von Rolf „Larry“ Schuba, geboren am 29. Januar 1951 in Landshut, Bayern, scheint nahezu unerschöpflich zu sein. Neben seiner Tätigkeit als Sänger und Bandleader von Western Union moderiert Larry seit fast zehn Jahren die erfolgreiche Sendung „Country Music Circus“ bei Radio Berlin 88,8. Darüber hinaus ist er als Texter, Komponist und Produzent tätig. Seit 1993 betreibt Larry Schuba mit UNDO Records eine eigene Plattenfirma.
Ankunft beim „Countrybären“
Die Redaktion von Country.de bekam die Gelegenheit, Larry Schuba und seine Familie in ihrem Haus in Zossen bei Berlin zu besuchen.
Nach einer entspannten Fahrt erreichten wir bei schönstem Reisewetter unser Ziel. Das „Navi“, ein Segen der Technik, lotste uns direkt bis zum Haus der Familie Schuba, wo „Dino“, eine, wie man uns später berichtete, noch nicht ausgewachsene Dogge, unsere Ankunft seinem Hausherrn bereits sehr eindrucksvoll ankündigte.
Da stand er nun vor uns, der Countrybär in „voller Lebensgröße“, und lud uns in sein Domizil ein.
Die Bandmitglieder Jörn Slodowy am Schlagzeug, Holger Bogen an der Gitarre, Dominik Franke am Keyboard und Peter Vogt am Bass – kurz Western Union genannt – saßen bereits gemütlich auf der überdachten Terrasse im Garten und genossen sichtlich ihren freien Tag bei herrlichstem Sonnenschein und einem gut gekühlten Hopfen-Malz-Getränk. Pedal-Steel-Gitarrist Chris Lepp konnte aus terminlichen Gründen leider nicht anwesend sein.
Doch die Ruhe war nur von kurzer Dauer. Unermüdlich waren Larry Schuba und Western Union tätig. Ihr jüngstes Projekt sollte zu dieser Zeit in Larrys Tonstudio, das sich auf seinem Grundstück befand, vollendet werden.
Im Studio hatten wir Gelegenheit, Näheres über die aktuelle CD-Produktion von Larry Schuba und Western Union zu erfahren.
Im Tonstudio mit Larry Schuba
Country.de: Larry, euer neuestes Projekt ist ein Remake eines Songs aus den 70er-Jahren. Um welchen Song handelt es sich und wer sang damals diesen Titel?
Larry Schuba: Es handelt sich um den Song „Mississippi“ von Pussycat.
Country.de: Was hat euch inspiriert, gerade diesen Song zu neuen Ehren kommen zu lassen?
Larry Schuba: Dieser Song hat sich bei unserer Show „Pop Goes Country“ als Publikumsrenner herauskristallisiert, und ich bin der Meinung, so ein Song hat es einfach verdient, ihn wieder aufleben zu lassen. Wir werden auch im Laufe des nächsten Jahres ein Album „Pop Goes Country“ produzieren.
Country.de: Nun haben wir gerade das neue Werk hier im Studio hören dürfen. Gibt es bereits einen Termin, wann die Single erscheint?
Larry Schuba: Einen genauen Termin kann ich noch nicht nennen. Wir werden diesen Song in Kürze auch auf Deutsch aufnehmen. Das ist eine kleine Herausforderung, weil der Titel vom deutschen Text her ein anderes Gefühl vermittelt als die englische Version und dementsprechend auch in etwas veränderter Form gesungen werden muss. Aber das ist eine Aufgabe, der ich mich gern stelle.
Country.de: Eine Musikproduktion verschlingt eine Menge Zeit. Der Aufwand, den ihr betreibt, ist enorm. Der Musikkonsument bekommt davon eigentlich nichts mit. Er hört sich „seine“ CD an, aber wie viel Arbeit und Liebe dahintersteckt, kann er nur erahnen. Wie sieht so ein Produktionsalltag bei Larry Schuba und Western Union aus?
Larry Schuba: Ich bin der gnadenlose Autodidakt, habe aber die ganzen Arrangements im Kopf. Diese setzen wir im Studio musikalisch um. Wenn die Jungs ihre Parts eingespielt haben, kommen noch Keyboardsounds und diverse Streicher hinzu. Das Material wird in aller Ruhe gemischt, und einzelne Passagen müssen am PC geschnitten werden.
Ich vergleiche diese Arbeit gerne mit der Gestaltung meines Gartens. Wir haben eine Idee und erarbeiten diese gemeinsam. Dann sitze ich oben in meinem Büro und gestalte das Cover für die CD.
Man kann es mit dem Gefühl umschreiben, ein Kind auf die Welt zu bringen. Hinterher sagen zu können, das Cover sieht schön aus und der Song ist toll geworden – das ist Zufriedenheit, die wirklich etwas wert ist.
Und das ist auch das große Glück: dass wir uns alle zutiefst mögen. Wir erarbeiten uns alles wirklich gemeinsam, und es macht sich natürlich auch auf der Bühne bemerkbar, wenn man sich mag.
Man kann einfach keine gute Musik mit Leuten zusammen machen, die einem egal sind.
Und dieser gegenseitige Respekt und die Achtung, die wir voreinander haben, dieser hohe Friede, sind einfach wichtig in einer Band.
Eine Abkühlung im Pool
Mittlerweile war es Mittag geworden. Die Sonne brannte förmlich auf unserer Haut. Wie muss sich jetzt ein „Countrybär“ fühlen, dachte ich mir? Eigentlich ziemlich cool – vorausgesetzt, man hat einen Pool im Garten. Getreu dem Motto „Kleidung trocknet wieder“ sprangen Larry, seine Frau Jutta sowie Simone, die Ehefrau von Gitarrist Holger Bogen, in die Fluten, um der Hitze an diesem Tag ein Schnippchen zu schlagen.
Spontaneität ist ein Wort, das bei Larry Schuba großgeschrieben wird, während Western Union derweil am Beckenrand noch am richtigen Eintauchwinkel feilte.




So ein erfrischendes Bad macht bekanntlich hungrig. Larry nahm mich mit in die Küche, und gemeinsam schauten wir in die Töpfe.
Nachdem uns Larry mit einem lukullischen Mahl, das er selbst zubereitet hatte, regelrecht verwöhnt hatte, bekamen wir einen Einblick in sein Musikarchiv.
Tausende Schallplatten und ein riesiges Musikarchiv
Das Archiv befand sich oberhalb der Studioräume, wo auch Larrys Büro untergebracht war. Hier lagerten Tausende LPs, Singles und CDs – darunter Raritäten, die jedem Countrymusikfan das Herz höherschlagen lassen. Einen großen Teil seines Archivs hatte Larry mangels Zeit noch gar nicht sichten können. Nach seiner damaligen Schätzung befanden sich mindestens 1.000 LPs und 2.000 CDs im Archiv, die doppelt vorhanden waren. Rund 100.000 Titel waren auf seinem Bürorechner gespeichert.
Täglich wurde Larry mit neuen CDs aus Deutschland und den USA versorgt. Aus diesem schier endlosen Musikmaterial stellte er die Playlist für seine wöchentliche Radiosendung „Country Music Circus“ bei Radio Berlin zusammen. Es gab kaum einen Hörerwunsch, den Larry nicht erfüllen konnte. Sollte dennoch einmal ein besonders ausgefallener Wunsch dabei sein, kannte der „Countrybär“ immer wieder neue Wege, um den gesuchten Song zu finden und seine Hörer zufriedenzustellen.
Ein privates Konzert auf der Terrasse
Langsam näherte sich der Abend dem Haus von Larry Schuba und seiner Familie. Deutschland bereitete sich auf das Fußballspiel um den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft vor, und ein ereignisreicher Tag neigte sich seinem Ende entgegen.
Doch auf der Terrasse in Larrys Garten brannte noch Kerzenlicht. Der Garten war dezent beleuchtet, Romantik lag in der Luft. Ich bat Holger, uns doch ein wenig auf der Gitarre vorzuspielen. Kurz darauf kam er mit einer Konzertgitarre aus dem Studio zurück. Ein unvergesslicher Abend begann.




Eine zweite Gitarre wurde geholt, und gemeinsam spielten Holger Bogen und Larry Schuba ihre Songs unplugged. Der „Countrybär“ sang einen Hit nach dem anderen, und der Abend entwickelte sich zu einem exklusiven kleinen „Club-Konzert“. Bis spät in die Nacht lauschten wir den Gitarrenklängen von Larry und Holger.
Gesangliche Unterstützung bekamen die beiden zusätzlich von Holgers Frau Simone, die eine bezaubernde Stimme besitzt und Sängerin der Berliner Rock’n’Roll-Band Petticoat ist.
Zwei wunderbare Tage gehen zu Ende
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Zwei wunderbare Tage gingen leider viel zu schnell zu Ende.
Wir, die Redaktion von Country.de, möchten uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Jutta und Larry Schuba für ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft bedanken – und dafür, dass sie uns und unseren Lesern einen kleinen Einblick in ihre bezaubernde Welt im malerischen Zossen bei Berlin gewährten.
Wir wünschen Larry Schuba und Western Union weiterhin viel Erfolg.




