Reba McEntire: Duets, das Album
Doch eine Reba McEntire lässt sich gleichfalls nicht beirren und geht einfach ihren Weg. Mit „Can’t Even Get The Blues“ setzte sie sich 1982 an die Spitze der Charts. Und mit einem Mal ging alles Schlag auf Schlag: Stilistisch nun ganz und gar dem Nashville-Sound verpflichtet und der ganz großen Ballade nicht abgeneigt, gelang ihr mit dem Album „Whoever’s In New England“ der Durchbruch – Platz 1 der Billboard Country Charts, Platin, Auszeichnung als „Entertainer Of the Year“ durch die einflussreiche „Country Music Association“, eine Ehre, die außer ihr nur noch Shania Twain, Barbara Mandrell, Dolly Parton und Loretta Lynn zuteil werden sollte. Ansonsten ist das Wort „Entertainer“ im Amerikanischen meistenteils maskulin.
Nun meldet sich die „Queen Of Country“ mit „Duets“ zurück. Es ist ein durchweg sensationelles Album. In den Staaten verkaufte es sich binnen einer Woche über 300.000 Mal. Und erstmals gelang es Reba McEntire, umgehend nach Veröffentlichung sowohl die Country-, als auch die Pop-Charts anzuführen. Aber das sind nur Zahlen. Noch bestechender die Namen: Ihre Duette bestreitet Reba McEntire mit Faith Hill, Don Henley und LeAnn Rimes. Mehrere Jahre hat Reba McEntire an „Duets“ gearbeitet, man möchte gar nicht wissen, wie aufwendig es gewesen sein mag, ihren Terminkalender und den von Justin Timberlake in Einklang zu bringen. Denn mit ihm singt sie den von ihm geschriebenen Song „The Only Promise That Remains“ eine atmosphärisch dichte Liebesballade zu Dobro, Mandoline und Geige, zu der Timberlake sich erwachsen wie nie zeigt. Und ganz vornehm Respekt zollt und der großen McEntire auch mal nur im Background zur Seite steht.
Reba McEntire ist die große Chronistin des kleinen Lebens. Deutlich wird dies beispielsweise auf „She Can’t Save Him“, ihrem Duett mit Trisha Yearwood. Worum es darin geht? Das erfährt man nicht, weil man darüber nicht spricht, damit auch die Nachbarn nichts erfahren. Und doch weiß man es: Er trinkt, sie aber stellt sich schützend vor ihn und versucht alles, was in ihrer Macht steht. Es ist ein trauriger und sehr realer Song über das, was in der Suchttherapie als „Co-Abhängigkeit“ bezeichnet wird. Es sind die Schicksale, die jeden treffen können, es sind die Probleme, die jeder hat. Reba McEntire, selbst einmal geschieden, findet die richtigen Worte für den ganz normalen Wahnsinn. Etwa dann, wenn sie mit Carole King für „Everyday People“ gemeinsam vor das Studiomikrofon tritt und einen Auszug aus einer Familiengeschichte so naturbelassen schildert, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Ist es ein Song über das Glück – oder doch über sein Gegenteil? Oder sind Glück und Leid am Ende nur zwei Seiten einer Medaille? Reba McEntire gibt keine Antworten. Sie beschreibt nur. Die Schlüsse sind jedem Einzelnen überlassen. Denn Reba McEntire singt über das Leben – und zwar so, dass man sein eigenes darin wiederfindet. Absolute Kaufempfehlung!
| Trackliste:
01. When You Love Someone Like That – mit LeAnn Rimes |






