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Aaron Tippin: Er hält die Fahne hoch

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Wenn einer wie der heute 50-jährige Countrystar schon zu den Ausnahmen in seinem Genre zählt, darf man sich getrost fragen, ob es in der Country Music noch mit rechten Dingen zugeht. Denn mehr „country“ als dieser Aaron Tippin kann man nicht mehr sein. Er erinnert mich ein wenig an Vernon Oxford, der in den 1970er Jahren gnadenlos „Hardcore Country“ praktizierte. Damit konnte er in seiner Heimat die grossen Lorbeeren im Business nicht ernten und war eher im alten Europa, speziell im angelsächsischen Raum gefragt.

Kommerziell erfolgreicher als Oxford war Tippin ganz ohne Zweifel, was aber auch darin begründet liegt, dass Country Music als „kommerzielle Musik“, als Ware also deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Aaron Tippin hat sich allen Verlockungen zum Trotz nicht verbiegen lassen und konsequent seine Musik durchgezogen. Wobei er nicht den Fehler beging, sich sämtlichen Entwicklungen gegenüber abzuschotten. Von seinem Umfeld wurde Tippin seit früher Jugend geformt, in seiner Gesinnung, seiner Lebensphilosophie und auch in seinem Verständnis für Musik.

Aaron TippinDas Licht der Welt erblickte Aaron Tippin am 03. Juni 1958 in Pensacola, Florida, als Heimat bezeichnet er jedoch die Gegend von Traveler’s Rest im Nordwestzipfel von North Carolina. „Dort bin ich aufgewachsen, einen Steinwurf von der Staatsgrenze entfernt. Hillbilly Country bester Sorte ist das. Da gelten noch Werte, die in der weiten Welt schon vergessen scheinen. Man ist dort bodenständig, Familie ist wichtiger als vieles andere.

Es war meine vielleicht schwerste Entscheidung, diese Gegend zu verlassen und nach Nashville, Tennessee, zu gehen“, erläutert Tippin. Die Farm war seine Welt. Da lernt man nicht nur in der Schule. Bereits als Kind darf man Traktor fahren, wächst in eine Rolle, in der man über kurz oder lang eine Menge Verantwortung übernimmt.

Derart ausgerüstet werfen einen unerwartete Ereignisse im späteren Leben nicht gleich komplett aus der Bahn. Zudem lernt man die vielen Annehmlichkeiten, die man sich hart erarbeitet oder gar geschenkt bekommt, mehr schätzen und nimmt sie nicht gleich als selbstverständlich hin.

Tippin passte in der Schule des Lebens auf, in der man auch mitbekommt, was Schwarzbrennen ist. Und dass die Musik ein angenehmer Zeitvertreib sein kann. Während andere Kids seines Alters sich härteren Sounds zuwandten, spielte der 15-jährige Aaron Tippin in einer Bluegrass Band. Seinen Unterhalt verdienet er sich mit körperlicher Arbeit in diversen sogenannten „Blaumann-Jobs“. Mit 16 Jahren besaß er schon einen Flugschein und arbeitete bereits im Alter von 20 Jahren als Pilot für eine Transportfirma. Das hat Spuren hinterlassen, die er nicht verbergen kann und will. Er ist ein richtiges Muskelpaket, man könnte in ihm auch einen Bodybuilder vermuten. Erfreulich für seine Fans ist, dass er seine beträchtlich vorhandene Energie in die Musik investiert.

Zunächst beschritt Tippin den ihm vorgezeichneten Pfad. Er heiratete, wurde Vater und erkannte, dass er sich geirrt hatte. Im Bestreben, sein Leben zu ordnen und ihm wieder eine Perspektive zu geben, ging er ermutigt durch den Zuspruch von Freunden und Bekannten etwa 1987 nach Nashville. „Ich kam hierher als Songschreiber. Ich hatte daheim schon eine Weile Lieder geschrieben und Gefallen daran gefunden. In Nashville hast du Konkurrenz ohne Ende. Da musst du dich durchbeissen. Ich denke, es ist der Ort schlechthin, an dem ein Songschreiber sein muss!“ Nach zögerlichem Beginn, zu dem auch eine Teilnahme an der TV Show „You Can Be A Star“ gehörte, gelang es schliesslich, einige Songs gut unter zu bringen. Charley Pride und die Kingsmen griffen zu. Damit war ein wichtiger Schritt getan.

Tippin hätte sicher auch als reiner Songschreiber seinen Weg gemacht aber er wollte mehr. Ihn lockte der direkte Kontakt zu Menschen, wollte deren spontane Reaktion spüren. Das kann man eben in der Musik nirgendwo besser als auf einer Bühne. Tippin’s erklärtes Ziel hiess, als Sänger durch die Lande zu touren, Schallplatten zu machen und dabei weiter Songs zu schreiben. Er musste sich gedulden, denn zunächst zeigte kein Plattenlabel Interesse an ihm als Sänger. Also tat er das, was zahllose Hoffnungsvolle in Music City USA versuchen. Tippin schrieb seine Songs und sang sie auf den Demos selbst. Über diesen Umweg fand er leichter Gehör bei den Plattenbossen, denn die wussten nicht, wessen Stimmbänder sie da gerade hörten. Einer von ihnen wurde hellhörig: Joe Galante, seines Zeichens Chef von RCA Nashville. Dem gefielen sowohl Stimme als auch die Songs.

1990 debütierte Aaron Tippin bei RCA mit seinem Album „You’ve Got To Stand For Something“. Wie so oft half dann auch noch der Zufall, denn es herrschte der Golfkrieg. Die daran beteiligten G.I.’s fuhren gerade auf diesen Song richtig ab. Damit war Aaron Tippin dort, wohin er wollte er gehörte zu den erfolgreichen Country Music-Newcomern. Im Frühjahr 1992 gelang ihm dann mit dem vorzüglichen „There Ain’t Nothing Wrong With The Radio“ der erste No. 1 Hit. Jeder, der sich heutzutage für Country Music interessiert, weiss seither, der Name Aaron Tippin steht gnadenlos für Hardcore Country. Dennoch, so ganz entziehen kann sich auch ein so konsequenter Künstler den aktuellen Strömungen nicht.

Mit der immer stärkeren Kommerzialisierung hat auch ein Umdenken statt gefunden, man ist toleranter geworden. Tippin: „Heute fahren auch Kids auf Country ab. Damals hörten meine Freunde Rock’n’Roll während ich auf Country stand. Ich hatte Vorurteile, wollte einfach nichts anderes hören. Heute wird das lockerer gesehen. Man ist weg vom Schubladendenken und das ist gut so. Es gibt in jeder Musik gute und schlechte Songs.“ Aaron Tippin ist seit dem 15. Juni 1995 mit Thea Corontzos verheiratet und hat mit ihr drei Kinder: Charla, Theodore Emory, Thomas Aaron.

Noch einige kurze Infos zum aktuellen Album. „In Overdrive“ heißt es und ist bis auf die zwei neuen Songs „Drivin‘ Fool“ und „Drill Here, Drill Now“ ausschließlich mit Coversongs aus dem Trucker-Milieu bestückt. Seinen eigenen Worten nach sind es allesamt Songs, die ihn musikalisch bereits viele Jahre positiv begleiten. Besonders Jerry Reed’s „East Bound And Down“ (bekannt aus den Bandit-Filmen) lag ihm besonders am Herzen. Er geht sogar soweit, dass er „In Overdrive“ dem Songschreiber und Sänger Jerry Reed widmet.

Zu den anderen Songs braucht man nicht mehr allzu viel anmerken. Es sind Songs die jedem Countryfan seit vielen Jahren ein Begriff sind. Vielleicht noch, dass Aaron’s Frau Thea bei „Drivin‘ My Life Away“ die Backround-Vocals singt. Alles in allem ein Album, der Lust auf den Frühling macht. Warum? Weil der Silberling eigentlich bei jeder Autofahrt dabei sein sollte.

   
In Overdrive
CD: „In Overdrive“
Erscheinungsdatum: 2009
Label: Nippit Records

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Trackliste:

01. East Bound And Down
02. Truck Drivin‘ Man
03. Drivin‘ My Life Away
04. Six Days On The Road
05. Chicken Truck
06. Ballad Of Danger Dave And Double Trouble
07. Prisoner Of The Highway
08. Girl On The Billboard
09. Long White Line
10. Movin‘ On
11. White Knight
12. Roll On
13. Drivin‘ Fool
14. Drill Here, Drill Now

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