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Bob Dylan: Together Through Life

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Mit seinem neuen Album „Together Through Life“ scheint Bob Dylan wieder einmal ausgetrampelte Pfade verlassen zu wollen. Nach seiner bedeutungsschweren, voller vertrackter Textgebilde zwischen Zeitstillstand und Endzeitstimmung changierenden Trilogie aus „Time Out Of Mind, „Love And Theft“ sowie „Modern Times“, drei der besten Alben seiner Karriere, schlägt Dylan auf dem Nachfolger „Together Through Life“ neue Wege ein.

Die 10 neuen Songs sind textlich weniger ausladend, sondern direkter und einfacher gehalten. Ob es die Kooperation mit Grateful Dead-Texter Robert Hunter oder die intensive Beschäftigung mit dem Songwriting von Country-Übervater Hank Williams war, sei dahin gestellt. Thematisch orientiert sich Dylan hier an der Liebe, Romantik und Veränderungen und reist musikalisch von Chicago ins amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet. Dazu eine gelöste Stimmung voller Spielfreude. Doch Dylan macht es uns hier nur scheinbar einfacher. Überall lauern Fallstricke und Doppelbödigkeiten.

Musikalisches Motto des Albums könnte sein: Chess-Blues meets Tex-Mex. Dies sind die vorherrschenden Stilformen, denen Dylan in einer faszinierenden Spielfreude hier frönt. Dylan hat zur Ergänzung seiner Tourband den Los Lobos-Akkardeon-Vituosen David Hidalgo sowie Tom Petties Gitarrist Mike Campbell hinzugezogen und Hidalgo drückt mit seiner Omnipräsenz dem Album denn auch seinen Stempel auf. „Jolene“, „My Wifes Hometown“ (inklusive Dylans schmutzigem Gelächter) und „Shake, Mama, Shake“ sind schwärzester Chicago-Blues zu dem Dylans im Alter dunkel gewordene Stimme immer besser passt. „This Dream Of You“, der nachdenkliche Song eines Einsamen in irgendeinem Café an der mexikanischen Grenze, ist mit Geige, Mandoline und Higalgos Akkordeon Tex-Mex in Reinkultur. Tex-Mex in Verbindung mit Country-Atmosphäre bietet der Meister bei „If You Ever Go To Houston“. Hier wird das Motiv der „Grenzgänge“ zwischen Mexiko und Texas detaillierter ausgearbeitet und das Thema bis in den mexikanischen Bürgerkrieg zurückführt.

„Beyond Here Lies Nothin'“, Auftaktsong und Single-Auskopplung, ist quasi eine Kombination der Stile, eine Art Rumba-Blues, dessen erste Zeilen „Oh well, I love you, pretty baby“, schon deutlich die Richtung vorgeben auf der sich His Bobness auf dieser Platte bewegen wird. Seine weiteren Blues-Songs auf dieser Platte führen das uralte Thema fort, garnieren es bisweilen mit eindeutigen sexuellen Anspielungen. Der vielleicht schönste Song dieses Albums ist „I Feel A Change Comin‘ On“. Eine gefällige Melodie, die hängen bleibt, ein lässiger, leichter Sommerrhythmus und Dylan singt von Liebe und dem Gefühl, das sich etwas zum besseren verändert. Aber: „The last part of the day is already gone“. Dylan als lebensfroher Fatalist, der sich nicht mehr von kurzzeitigen Hypes aus der Ruhe bringen lässt. Dazu ist der Alte schon zu lange unterwegs.

Eine wunderschöne langsame Ballade hat den Grundstein für dieses Album gelegt. „Life Is Hard“, geschrieben für den neuen Film „My Own Love Song“ des Regisseurs Olivier Dahan, führt den Hörer nicht nur in die höchsten Höhen der stimmlichen Möglichkeiten des Sängers, sondern auch in dessen traurigste Stimmungen. Ebenso düster ist „Forgetful Heart“, das sowohl von Haltung und Ausdruck sowie Arrangement und Instrumentierung am ehesten noch an die drei Vorgängeralben erinnert.

Die beiden Songs bilden denn auch die Kontrapunkte eines für Dylan-Verhältnisse ansonsten geradezu aufgekratzten Albums. Und so ist der letzte Song, „It’s All Good“ denn auch ein fröhlich-sarkastischer Rausschmeißer. „Big politicians telling lies, restaurant kitchens are full of flies“, reimt er da ganz böse und man merkt, wie er auch hier schelmisch in sich hinein lacht.

Fazit: „Together Through Life“ dokumentiert erneut Dylans anhaltende Weigerung, Erwartungen zu erfüllen. Aus der Rolle des „schwer beladenen Americana-Archäologen“ wechselt er nun in die Haltung des lebensfrohen und altersweisen Song- und Danceman. Das steht ihm gut, ob’s so bleibt, weiß allein der Wind.

   
Together Through Life
CD: „Together Through Life“
Erscheinungsdatum: 2009
Label: Sony BMG

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Trackliste:

01. Beyond Here Lies Nothin‘
02. Life Is Hard
03. My Wife’s Home Town
04. If You Ever Go To Houston
05. Forgetful Heart
06. Jolene
07. This Dream Of You
08. Shake Shake Mama
09. I Feel A Change Comin‘ On
10. It’s All Good

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Über Thomas Waldherr (576 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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