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Billy Joe Shaver zum Siebzigsten!

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Rebell, tragischer Outlaw-Held und ein vom Leben gezeichneter: All das ist Billy Joe Shaver. In einem geflügelten Wort heißt es, Country sei nichts anderes als der Blues des Weißen Mannes. Und wenn so verstanden Countrymusic die Musik des „worried man“ ist, dann ist Billy Joe Shaver vielleicht zugleich der archetypischste wie bedeutendste „Unbekannte“ seines Genres.

Denn zum einen Billy Joe ist vor allem auch ein „musician’s musician“. Einer der weniger beim ganz großen Publikum Anklang findet, als unter den Kollegen. Seine Lieder wurden von Merle Haggard, Dwight Yoakam, Kris Kristofferson, Johnny Cash und sogar Bob Dylan gesungen. Zum anderen ist Shavers Leben zwischen Tragödien, Lebenskampf und künstlerischen Erfolgen eigentlich schon der beste Stoff für eine traurige Country-Ballade.

Billy Joe ShaverNun wird der „wahre“ Honky Tonk Hero Siebzig. Grund genug, Leben und Werk des Musikers einmal näher zu beleuchten. Shaver ist Texaner, geboren in Corsicana.

In seinen Erinnerungen erzählt er, dass er noch nicht geboren war, schon erleben musste, dass sein Vater ihn umbringen wollte. Und Zeit seines Lebens hätte ihn diese dunkle Seite nicht mehr losgelassen. Vielleicht liegt darin, die Ursache seines künstlerischen Wirkens.

Der kleine Billy Joe wächst bei seiner Großmutter auf, nachdem sein Vater die Familie verlassen hat und die Mutter gezwungen ist, für den Lebensunterhalt zu sorgen.

Unter diesen Voraussetzungen schlug er sich nach seiner Zeit bei der Navy einige Jahre als Farmhelfer, Trucker und Autoverkäufer durch. In einem Sägewerk verlor er zwei Finger der rechten Hand. Aber auch das hielt ihn nicht vom Gitarrespielen ab.

Ende der 60er Jahre macht sich Shaver dann daran, sich seinen Traum zu erfüllen: Country-Musiker in Nashville ist das Ziel. Doch zuerst ist es sein Songwriting, das Anklang findet. Country-Sänger Bobby Bare nimmt ihn nämlich als Songwriter unter Vertrag. Zusammen schreiben die beiden „Chicken On The Ground“ (1970), der Shavers erste Single („Mercury Records“) wird. Danach fanden u.a. Kris Kristofferson („Good Christian Soldier“) und Tom T. Hall („Willie The Wandering Gypsy And Me“) gefallen an Shavers Kompositionen. Waylon Jennings ist sogar so beeindruckt von Qualitäten des Texaners, dass er mit „Honky Tonk Heroes“ 1973 ein Album aufnimmt, das zum Großteil aus Songs von Billy Joe Shaver besteht.

Im selben Jahr hat Billy Joe sein erstes Ziel erreicht. Mit Hilfe von Kris Kristofferson erhält er seinen ersten Plattenvertrag. Doch den großen kommerziellen Durchbruch erlebt er eigentlich nie. Sein Debüt-Album „Old five dimers like me“ erhält zwar Kultstatus und wird von etlichen Musik-Größen gecovert, doch weiterhin ist Shaver gezwungen sich durchzuwurschteln. Ein Grund dafür, dass bis heute er selbst, als auch seine Songs so authentisch geblieben sind. Seine Texte, die vom „Leben auf der Straße“ handeln, klingen einfach echt.

In der Folgezeit arbeitet er immer wieder mit bekannten Größen der Szene wie Charlie Daniels oder Emmylou Harris zusammen. 1977 erscheint sein bis dato größter Hit. „You asked me to“ bringt es bis auf Platz 80 der Country Charts. 1976 steigt dann sein Sohn Eddy in seine Begleitband ein und prägt mit seinem virtuosen Gitarrenspiel fortan Shavers Sound. 1981 – er war vorher zu Columbia gewechselt – bringt Billy Joe abermals ein Album heraus, dessen Titelsong „I’m Just An Old Chunk Of Coal … But I’m Gonna Be A Diamond Some Day“ zu einer seiner Erkennungsmelodien wird. Shaver wird nun endgültig zu einer festen Größe der Outlaw-Country-Bewegung.

Nur um Ende der 80er Anfang der 90er Jahre plötzlich von der Bildfläche zu verschwinden. Shaver arbeitet zu der Zeit lieber im Studio mit Musikern wie Dwight Joakam, Willie Nelson, Kris Kristofferson und Waylon Jennings. Daraus resultiert auch das Album „Honky Tonk Heroes“, eingespielt mit Nelson, Kristofferson und Jennings im Jahr 1989, veröffentlicht aber erst 10 Jahre später.

1993 kehrt er dann mit seinem Sohn Eddy zurück ins Rampenlicht. Als Duo „Shaver“ veröffentlichen Sie in den 90er Jahren einige Alben, in denen der Fokus immer mehr auf die Verschmelzung von Country, Rock und Blueselementen gelegt wird. „Electric Shaver“ von 1999 ist Höhe- und Schlusspunkt dieser Entwicklung. Der Titel ist programmatisch: Das Album enthält Rocksongs mit E-Gitarre und hartem Southern-Rock. Dazwischen bringt Billy Joe aber auch mit „Highway of Life“ (1996) und „Victory“ (1998) zwei nachdenklichere Werke hinaus, die stark autobiografisch geprägt sind. Victory widmet er gar seiner Mutter.

Dem an Schicksalsschlägen und Sorgen nicht eben armen Leben von Billy Joes Shaver werden in den Jahren 1999 und 2000 zwei neue Wunden hinzugefügt. Erst stirbt Billy Joes Frau Brenda – zu Shavers eigenartigem, wechselvollen Leben gehört auch die Tatsache, dass die beiden mehrmals heirateten, um sich dann wieder scheiden zu lassen und umgekehrt – dann sein Sohn Eddy. Eddy geht an einer Überdosis Heroin am Silvestertag zugrunde. Kurz zuvor eingespielte Aufnahmen werden unter dem Titel „The Earth Rolls on“ als letztes Album des Duos Shaver veröffentlicht. Die Platte wird mit Lob überhäuft und enthält satten Southern-Country-Rock.

Wohl noch unter dem Eindruck der großen menschlichen Verluste gerät Billy Joe das Album „Freedom’s Child“ 2002 nach Aussage der Kritiker doch zu gottesfürchtig und patriotisch. Aber Shaver bleibt ein unberechenbarer Rebell und so arbeitet er in den Folgejahren mit so unterschiedlichen Künstlern wie Kinky Friedman (ein anderer Kult-Texaner), Nancy Griffith oder Flaco Jimenez zusammen. Billy Joe ist umtriebig wie selten. Er dreht mit Kris Kristofferson einen Film, er bringt mit „Billy and the Kid“ ein Memorial-Album für seinen Sohn heraus, in dem er übrig gebliebene Demos von Eddy bearbeitet. Es entsteht ein DVD-Porträt von ihm und 2007 bringt er bislang letzte Platte heraus. „Everybody’s Brother“ enthält Gesangsduette von Billy Joe Shaver mit John Andersen, Marty Stuart, Kris Kristofferson, Tanya Tucker, Bill Miller und … Johnny Cash! Beeindruckend der Song – insbesondere auch das Video dazu – „Get Thee Behind Me Satan“, der sowohl ein Zeugnis seines Glaubens, als auch des tiefen Gottesglauben – mit all seiner Problematik -des ländlichen Südens ist.

Doch Shaver wäre nicht Shaver, wenn dem Erfolg nicht auch die Tragik folgen würde. Denn mitten in dieser künstlerisch fruchtbaren Periode wird er in eine Schießerei verwickelt und auf Kaution entlassen, wird sogar angeklagt und von Willie Nelsons Anwalt verteidigt. Der plädiert auf Notwehr. Erfolg: Billy Joe ist immer noch auf freiem Fuß und weiter unermüdlich auf Tour. Für den Herbst ist bereits sein Auftritt beim legendären „Hardly Strictly Bluegrass Festival angekündigt. Der Outlaw scheint noch lange nicht am Ziel zu sein. Happy Birthday, Billy Joe!

Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!
Über Thomas Waldherr (550 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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