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Josh Turner: Ein Hinterwäldler erobert die Charts

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Man hört oft ein Bedauern darüber, dass die Country Music unserer Tage – wieder einmal – zu sehr abdriftet in die lukrativen Pop- und Rock-Pfründe. Befürchtungen sind da, sie könnte irgendwann ganz weggespült werden. Auch ich gehöre zu denjenigen, die die Entwicklung bedauern, habe aber keine Befürchtungen um ihren Fortbestand. Dazu ist die Country Music im Kern zu vital. Die Geschichte zeigt, dass es fast turnusmäßig Selbstheilungsprozesse gegeben hat. Meist stellt sich ein Umdenken ein, wenn der Fan – der Kunde also – die gelbe Karte zeigt und deutlich macht, dass man dessen überdrüssig ist, was als „country“ angeboten wird.

Bange muss es einem auch deshalb nicht sein, weil es nach wie vor Künstler gibt wie diesen Josh Turner. Jung, gut aussehend, mit reichlich Talent gesegnet und vor allem erfolgreich. Der junge Mann ist bemüht darum, so nah wie möglich bei den Wurzeln der Country Music zu bleiben und sie dennoch in einem modernen, attraktiven Kleid zu präsentieren. Das kommt an, das macht Mut.

Josh Turner

Mit seinen 32 Jahren gehört er immer noch zu den jungen, aufstrebenden Künstlern, die das Potenzial haben, sich auf viele Jahre zu etablieren und der Country Music ihre Identität zu garantieren.

Für viele Fans wird Turner schon deshalb sympathisch, weil er zu den größten Momenten seiner noch jungen Karriere jenen 21. Dezember 2001 zählt als er zum ersten Mal in der Grand Ole Opry auftrat und vom Publikum gefeiert wurde. Das war so etwas wie die Verleihung eines Adelstitels.

Mag man auch immer wieder mal abfällige Bemerkungen über die Grand Ole Opry hören, deren Bedeutung längst nicht mehr die sei, die sie einmal gehabt habe. Die verstaubt, antiquiert, vor allem für junge Künstler uninteressant sei.

Fakt ist jedenfalls, dass es für viele Nachwuchs-Künstler immer noch ein Lebenstraum ist, einmal auf der Bühne dieser legendären Veranstaltung stehen zu dürfen.

Josh Turner erinnert sich noch genau an diesen Abend, an dem sein Traum sich erfüllte: „Ich sang „Long Black Train“, einen Song, den ich selbst geschrieben habe. Ein ganz irres, unbeschreibliches Gefühl. Mir schossen Gedanken durch den Kopf, welche Legenden hier schon gesungen und Geschichte geschrieben hatten. Als die Leute dann auch noch alle aufstanden und mir zujubelten, glaubte ich, es sei tatsächlich nur ein Traum. Wie in Trance sang ich zu Ende und auch danach dauerte es einige Minuten, ehe ich wieder bei Sinnen war. Das musst du erleben, das kannst du keinem erklären.“

Dazu muß man wissen, dass die Leute so frenetisch klatschten, dass Bill Anderson seinen jungen Kollegen für eine Zugabe zurück auf die Bühne holte und er seinen „langen schwarzen Zug“ noch einmal rollen lassen musste. Damals stand Turner noch am Anfang seiner Karriere, die danach – wie sein „Long Black Train“, richtig Fahrt aufgenommen hat.

Beheimatet ist Josh Turner in einer für Country Music fruchtbaren Gegend. Er stammt aus dem Städtchen Hannah in South Carolina. Dort wurde er am 20. November 1977 in eine religiöse und musikalische Familien hinein geboren.. Von Kindheit an machte er deutlich, dass die Musik sein Leben maßgeblich beeinflussen würde. Wo immer sich etwas mit Musik tat, war Josh Turner nicht weit. Schon früh kristallisierte sich heraus, dass er eine richtig gute Bassstimme besaß. Im Kirchenchor konnte man das hören, in einem Gospel Quartett dann auch. „The Thankful Hearts“ hieß die Gruppe, in der er wichtige erste Erfahrungen sammelte.

Mit 19 erhielt er einen kräftigen Warnschuss, was seine musikalischen Ambitionen anging, die er zielstrebig auch während der Schuljahre gepflegt hatte. Da warf ihn eine Schädigung seines rechten Stimmbandes zeitweise aus der Bahn. Ein operativer Eingriff war nicht vonnöten, dafür aber absolute Schonung. Als Realist, der er ist, hielt er sich an die vorgegebene Therapie und machte das Beste aus der Situation. Er habe während dieses Jahres gelernt, richtig gut Pfeifen zu können. Nach Nashville hatte er sich aufgemacht – nicht der Musik wegen sondern um sich dort in der Vanderbuilt Klinik behandeln zu lassen. „Die haben mir dort sehr geholfen, indem sie mir beibrachten, vorsichtig mit der Stimme umzugehen, um schon im Vorfeld Schäden zu vermeiden. Und daheim habe ich dann richtig klassische Gesangstechnik beigebracht bekommen. Das hat mir nicht geschadet, wie man heute hören kann“, bestätigt Turner. Eine von zahlreichen wichtigen Lebenserfahrungen, die es braucht, um Musik überzeugend singen zu können. Sagt Turner: „Das, was ich bisher im Leben erfahren durfte oder musste, hat meine Kreativität immer beeinflusst. Davon lebe ich musikalisch. Ich glaube, dies macht die Musik ehrlich“.

„Als Kind und Jugendlicher habe ich immer Sänger mit einem tiefen Bass oder sonoren Bariton bewundert. Ihnen wollte ich nacheifern, ohne dass ich mir schon darüber klar gewesen wäre, dass ich stimmlich dazu in der Lage sein könnte. Als Randy Travis auftauchte war das der entscheidende Kick für mich. So wie er wollte ich singen.“

Als Josh Turner schließlich nach Nashville ging, um dort an der Belmont Universität Musik zu studieren, hatte er den entscheiden Schritt getan. Auch privat übrigens, denn er lernte dort seine Frau Jennifer kennen, mit der er seit 2003 verheiratet ist und die auch in seiner Band mitmischt.

In Nashville gibt es genügend Leute, denen eine so gute „Country-Stimme“ auffallen muss. Im Falle des Josh Turner war es nicht anders und so holte ihn MCA Records im November 2001. Seinen ersten künftigen Hit, wir haben es eingangs schon erfahren, sang Turner bei seinem Debüt in der Opry. „Long Black Train“ ließ Anfang 2003 aufhorchen, als Turner damit bis auf Platz 13 in den Charts kletterte. Ein typischer Country Song übrigens, in bester Tradition. Turner beschreibt darin die Versuchung, der man ständig ausgesetzt ist. Für die Versuchung wählt er sinnbildlich einen schwarzen Zug, der durch die endlose Weite fährt, scheinbar ohne Ziel. An den Schienen stehen viele Menschen, unentschlossen, ob sie einsteigen sollen oder nicht. Turner zum Song: „Ich schrieb ihn an einem bestimmten Punkt in meinem Leben als ich mit Versuchungen zu kämpfen hatte und ihnen nicht immer widerstehen konnte. Es ist eigentlich kein besonderer Song, ein wenig hört er sich wie Gospel Music an. Den Leuten gefiel das Lied, wenn ich es live spielte. Ich hätte dennoch nicht geglaubt, dass es mein erster Hit werden würde.“

In seinem noch relativ jungen Leben gab es schon einige richtig schwierige Phasen und Situationen, aus denen er nur durch positives Denken und Handeln gestärkt hervor ging. Diese Erfahrungen sprechen aus seinen ersten drei Alben, sie sprechen so deutlich, dass sie beim Publikum ankommen. Viele können sich damit aus eigener Erfahrung identifizieren. Die Alben „Long Black Train“, „Your Man“ und „Everything Is Fine“ verkauften sich so gut, dass es jeweils mindestens Gold dafür gab. Bei der Warenhauskette Cracker Barrel erschien ein Album mit dem Titel „Josh Turner Live At The Ryman“. Die Karriere ging stetig weiter nach oben. Mit dem Highlight am 27. Oktober 2007 als er von Vince Gill zum Mitglied der Grand Ole Opry ausgerufen wurde. Seitdem, so meint Turner, sei er angekommen. Die Single „Firecracker“ kam auf Platz Nr. 2, mit Kollegin Trisha Yearwood im Duett gelang der Hit „Another Try“ -offenbar macht er derzeit alles richtig. Seit Anfang Februar 2010 ist sein neues Album „Haywire“ im Handel. Er setzt damit seinen eingeschlagenen Kurs konsequent fort und glänzt mit erdiger, gefühlvoller, attraktiver Country Music. Die zuvor veröffentlichte Single „Why Don´t We Just Dance“ stand – wie bestellt – zum Zeitpunkt der Album-Veröffentlichung auf Platz 1.

Für einen „Backwoods Boy“ (Hinterwälder) als der er sich mit dem selbstgeschriebenen Song von seinem Debüt-Album outete, hat er es ganz schön weit gebracht. „Haywire“ wird ihn wieder ein Stück weiter bringen und ihn in die Regionen bringen können, in denen sich die Kenny Chesney, Toby Keith und Tim McGraw bereits befinden. Wir dürfen uns auf weitere richtig gute Country Produktionen von diesem Josh Turner ganz sicher freuen.

Haywire

CD: „Haywire“
Veröffentlicht: 2010
Label: Universal

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Trackliste:

01. Why Don’t We Just Dance
02. I Wouldn’t Be A Man
03. Haywire
04. Your Smile
05. Lovin‘ You On My Mind
06. As Fast As I Could
07. I’ll Be There
08. All Over Me
09. Eye Candy
10. Friday Paycheck
11. The Answer

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