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Happy Birthday, Mr. Bob! Der große amerikanische Songpoet Bob Dylan wird Siebzig

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Er ist der Vater des Americana: Kein anderer zeitgenössischer Künstler hat sich so souverän in seiner gut 50-jährigen Karriere in den Genres der amerikanischen Populärmusik bewegt wie er. Vom Folk zum Protest zum Rock zum Country zum Stadio-Rock zum Gospel, wieder zurück zu den Wurzeln – um dann seit Ende der 90er Jahre als Gesamtkunstwerk und Spiritus Rector der amerikanischen Musik einen fast schon überlebensgroßen Legendenstatus innezuhaben.

Doch dies alles war und ist nur möglich, weil Bob Dylan immer wieder im Laufe seiner Karriere sein Publikum verstört hat, indem er gesetzte Grenzen nicht akzeptierte, die künstlerische und individuelle Freiheit höher schätzte als die Zustimmung von Fans und Kritikern.

Bob DylanVon 1961-64 legte er als Folk und Protestsänger den Grundstein für seine Karriere. Mit Songs wie „Blowin‘ In The Wind“, „The Times They Are A Changing“ oder „Masters of War“ schuf er unvergängliche Werke der Protestkultur mit dem Preis, bis heute immer auch immer wieder daran gemessen oder sogar darauf reduziert zu werden.

Als er sich Mitte der 60er dem Rock zuwandte wurde er das erste Mal als Verräter und Judas beschimpft. Als Rock zum Mainstream der Jugendkultur wurde, eignete er sich Ende der 60er die Countrymusik für seine Zwecke an und es wurde ihm als Kniefall vor den reaktionären Rednecks ausgelegt. Als er in den 70ern und 80ern zehntausende in großen Arenen begeisterte, da spekulierte man über kostspielige Scheidungen und den Ausverkauf an Las Vegas.

Und als er in den Neunzigern zu seinen Folk-Wurzeln zurückkehrte – nur wenige Jahre vor den stilbildenden Alben „No Depression“ von Uncle Tupelo und dem Soundtrack zu „Oh Brother, Where Art Thou“, da nahm man ihn – wenn überhaupt – nur noch belustigt zur Kenntnis. Um dann 1997, 2001 und 2006 epochale Alben voller musikalischer und sprachlicher Kraft zu veröffentlichen, die ihn in den kommerziellen Erfolg und künstlerischen Olymp zurückführten.

Dabei hatte Bob Dylan stets eine treue Fangemeinde stets hinter sich. Sie trug ihn besonders in den schweren neunziger Jahren, ob er nun im Madison Square Garden spielte oder vor wenigen tausend Leuten in der Aschaffenburger Unterfrankenhalle. Die Bobcats hielten die Legend am leben und es war bei aller im entgegentretenden Skepsis immer klar: Allein sein Werk, das er in den 60ern geschaffen hatte, macht ihn für immer unsterblich.

Und Dylan bleibt sich auch mit fast Siebzig treu. Er verstört, weil er konsequent die künstlerische Autonomie inmitten des kommerziellen, hübsch in Genre- und Imagefeldern aufgeteilten Musikbetriebs einfordert. Er hat sich gerade wieder als Institution der amerikanischen Populärmusik mit den Wurzeln in Folk- und Rootsmusik etabliert, da nimmt er 2009 eine Weihnachtsplatte auf, die gerade auch eine Hommage an das „Great American Songbook“ der urbanen Popmusik eines Bing Crosby oder Frank Sinatra ist. Der Ex-Protestsänger verkauft seine Songs für Werbezwecke, um im nächsten Moment einen Woody Guthrie-Songs für eine Geschichte des „Common Man“ einzuspielen.

Der Mann macht was er will und das nachweislich gut. Und schafft es immer noch, Teile der Öffentlichkeit zu entzürnen. Zuletzt weil er in China die Zeigefinger-Songs seiner Protestsong-Zeit weggelassen und die wirklich subversiven Songs, in denen es um die Freiheit des Individuums, um Ungerechtigkeit und Herrschaftsstrukturen geht – „All Along The Watchtower“, „A Hard Rain’s Gonna Fall“, „Ballad Of A Thin Man“ – vorgetragen hat.

Nun also wird er in Kürze siebzig Jahre alt. Er ist weiter auf Tour. Fernost, Down Under, Europa, Nordamerika – immer wieder von Neuem reist er um die Welt und spielt seine Songs immer wieder anders, gibt sich dadurch so ungeschützt auf offener Bühne, und bleibt doch dadurch ein kreativer, lebender Künstler, wo bei anderen Altersgenossen oftmals nur perfektes, aber letztendlich stillstehendes, immer wieder gleiches Kunsthandwerk feilgeboten wird.

Wir gratulieren Mr. Bob Dylan herzlich und wünschen uns einfach nur, dass es mit ihm solange wie möglich immer nur weiter geht. Und das immer ganz anders.

Bob Dylan Live In Concert – Brandeis University 1963

Herausgekommen ist sie schon im letzten Jahr als Beilage zur Megabox der Mono-Recordings aller 60er Jahre-Alben von Bob Dylan. Nun wird Sie eigenständig zum Wiegenfest vertrieben: „Bob Dylan Live In Concert – Brandeis University 1963“. Ein historisches Tondokument, zeitlich angesiedelt zwischen dem Erscheinen seines ersten und zweiten Albums, also vor dem großen Durchbruch. Sieben Songs sind auf dem im Nachlass des Musikjournalisten Ralph J. Gleason gefundenen Mitschnitts enthalten. Sie zeigen Dylan mit seinem damals typischen Repertoire und geben noch einmal einen schönen Blick auf seine damaligen Live-Auftritte, der seine Wildheit, Energie und sein großes Talent spüren lässt. Ein Muss für alle Dylan-Freunde.

CD: „Bob Dylan Live In Concert – Brandeis University 1963“
Veröffentlicht: 2011
Label: Columbia/Legacy (Sony Music)

Robert Shelton: Bob Dylan – No Direction Home. Sein Leben, seine Musik 1941-1978

Eine Vielzahl von Veröffentlichungen hat rund um den Geburtstag eingesetzt. Eines soll hier stellvertretend vorgestellt werden.

Auf dem Feld der Dylan-Biographien gibt es im Grunde drei herausragende Werke. Anthony Scaduto brachte Anfang der siebziger die erste Dylan-Biographie (An Intimate Biographie“) überhaupt heraus, Robert Shelton veröffentlichte in den 80ern, die bis heute einzige, die unter aktiver Mitwirkung von Dylan entstanden ist und Clinton Heylin brachte die monumentale, faktenreiche und auch die Kolportage nicht scheuende Biographie „Behind The Shades“ heraus.

Anlässlich Dylans Geburtstag ist nun Robert Sheltons „No Direction Home“ vom Edel-Verlag als üppiges Coffetable-Book“ neu aufgelegt worden. Ergänzt um viele Passagen, um die es bei der Erstveröffentlichung gekürzt worden war. Neu gelesen entfaltet es wieder seine Wirkung, weil es faszinierend ist, wie es Shelton versteht, Dylan nahe zu kommen, ohne seine journalistische Distanz und Beobachtungsgabe zu verlieren. Robert Shelton zeigt hier Dylan als kompletten Künstler, der bereits die Musik für immer verändert hat, obwohl es 1978 endet, als Bob Dylans Karriere gerade mal 17 Jahre alt war. Sheltons Biographie gilt bis heute zu Recht, wie die Neuauflage zeigt, als Meilenstein des Genres.

Titel: Bob Dylan – No Direction Home. Sein Leben, seine Musik 1941 – 1978
Autor: Robert Shelton
Veröffentlichungstermin: 11. April 2011
Label: Edel Books
Format: Buch
Gebundene Ausgabe: 688 Seiten
Sprache: Deutsch

Dylan-Geburtstagsfeiern von Hamburg bis München

Die deutschen Dylanfans begehen Bob Dylans Geburtstag mit Veranstaltungen quer durch die Republik. Hier eine unvollständige Auflistung:

Berlin: 24. Mai, „Hard Rain – 1000 Jahre Dylan“ (Volksbühne, Linienstraße 227)
Dresden: 28. Mai, „Revision & Freunde“ (Kunsthof Gohlis, Dorfstraße 4)
Köln: 12. Mai – 3. Juni, Festival „Birthday Greetings From Cologne“ (Verschiedene Veranstaltungsorte)
Trier: 24. Mai, „Bob Dylan Tribute Concert” (Brunnenhof/ Porta Nigra)
Frankfurt am Main: 27. Mai, „Dylan im Dreierpack“ (Orange Peel, Kaiserstraße 39)
München: „Rambler and Gambler – Bob Dylan zum 70. Geburtstag“ (Amerikahaus, Karolinenplatz 3

Bob Dylan kommt zu zwei Konzerten nach Deutschland

Und Bob Dylan schaut auch höchstpersönlich im Geburtstagsjahr vorbei. Auf seiner Never Ending Tour wird die Musikikone in diesem Sommer auch wieder zweimal in Deutschland Station machen:

25. Mai, 19:00 Uhr, Mainz, Volkspark
26. Mai, 19:00 Uhr, Hamburg, Stadtpark

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Über Thomas Waldherr (586 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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