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Bastian Semm mit „A Singer Of Songs“ zum 80. Geburtstag von Johnny Cash in Langenau und Birkenried

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Der in Heidelberg lebende Schauspieler, Sänger, Gitarrist und Songschreiber Bastian Semm begeisterte am 80. Geburtstag von Johnny Cash sein Publikum bei den Country & Western Friends Kötz. Vor bestens gefülltem Haus brachte er am Sonntag, den 26. Februar ab 19:00 Uhr sein Programm „Cash – A Singer Of Songs“ im neu errichteten Saal des Kulturbahnhofs Langenau. Zuvor hatte er mit ähnlichem Erfolg am Nachmittag bereits im Lärchenhaus beim Kulturgewächshaus Birkenried gastiert.

Die Country & Western Friends Kötz konnten innerhalb nur weniger Tage die Möglichkeit wahrnehmen, den Künstler Bastian Semm für zwei Konzerte zu verpflichten. Aufgrund eines Artikels über den eingetragenen Verein im in Nashville erscheinenden „Tennesseean“ machte der Autor des Liedes „A Singer Of Songs“ Bastian Semm auf die Country Friends aufmerksam. Dieser hatte 1979, im Geburtsjahr von Bastian Semm, das Lied geschrieben, das längst fester Bestandteil dessen Repertoires geworden ist. Die Country Friends Kötz zögerten nicht, und organisierten für Bastian Semm am Sonntag die beiden Konzerte, die jeweils von einem erfreulich großen Publikum sehr gut aufgenommen wurden.

Da Bastian Semm seit frühester Jugend Johnny Cash und seine Musik studiert hat, konnte er an dem Tag, an dem der „Man In Black“ von den Baumwollfeldern des US-Bundesstaats Arkansas 80 Jahre alt geworden wäre, einen kompetenten Rückblick auf dessen Leben und Schaffen geben. Obwohl er aufgrund der blonden Haare äußerlich nicht dem Typ „Cash“ entspricht, und auch keine Baritonstimme hat wie jener, gelang es Bastian Semm vorzüglich, die Zuhörer in die Welt von Johnny Cash zu entführen. Das lag nicht nur an der Kleidung, ganz in schwarz, sondern an der Ausstrahlung und den Inhalten. Um die richtige Stimmung zu kreieren, sang Bastian Semm zunächst ein Medley vieler wichtiger Lieder von Cash. Dabei kamen ungebändigte Energie zum Einsatz bei „I Got Stripes“ und zärtliche Momente bei „As Long As Grass Shall Grow“.

Mit Zitaten aus dem neu erschienenen Buch „Cash – Die Autobiographie Von Johnny Cash“ von Johnny Cash und Patrick Carr, im Edel-Verlag erschienen, ließ Bastian Semm entscheidende Momente aus dem Leben von Cash zu Bildern werden. Zum Beispiel die Geschichte aus der Kindheit, wo auf den Baumwollfeldern Gospels gesungen wurden, er Pop Songs einbrachte, und bei Sonnenuntergang auf die langsamen Spirituals umgestellt wurde. Die Gesangslehrerin riet ihm seinerzeit, „lass Dir Deinen Gesangsstil nicht verderben“, Bastian Semm sang hierzu „Cry, Cry, Cry, selbstverfasste erste Chart-Single von Johnny Cash bei Sun Records mit der Nummer 221.

Bastian Semm

Cash hatte den Sun-Records-Kollegen Elvis Presley erstmals gesehen, als dieser von einem Tieflader aus für 200 bis 300 Leute in Memphis gesungen hatte. Seine ersten Anläufe bei Sam Phillips, dem Chef von Sun Records, mit Gospel und Country blieben ohne die erhoffte Wirkung. Erst mit dem Spruch, „wenn Sie mich anhören, werden Sie es nicht bereuen“, und dem Lied „Hey Porter“ kam das Angebot von Phillips, eine Single zu produzieren. Einige Wochen später lieferte Cash mit „Cry, Cry, Cry“ die A-Seite für die 45er, der Rest ist Musikgeschichte, auch die 35 Anläufe, die die Band benötigte, um das Lied zutreffend in den Kasten zu bekommen. Dass dabei der „Boom-Chicka-Boom“-Sound entstand, der charakteristisch werden sollte für Cash, lag am Gitarristen Luther Perkins.

Frei erfunden sind die Worte zu „Folsom Prison Blues“, denn Cash hatte niemals eine Strafe abzusitzen. Wenn er in seinen Amphetaminzeiten die eine oder andere Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbrachte, so wurde er jeweils am Morgen entlassen. Spannend, wie Cash damit aber die Aufmerksamkeit der Leute bündeln konnte. Fast theatralisch zeigte Bastian Semm den Beginn der Beziehung zu June Carter auf. Als Cash 18 war und in der Oberstufe der High School in Arkansas, sah er bei einem Besuch in der Grand Ole Opry in Nashville erstmals June, die schon ein Star war. Er verliebte sich sofort in die kesse junge Frau, und sagte ihr das auch, als er sie sechs Jahre später an gleicher Stelle zum zweiten Mal sah, diesmal schon hinter der Bühne, denn er trat nun auch auf. Am 11. Februar 1962 hatte die erste gemeinsame Tournee von Cash mit der Carter Family begonnen. Bastian Semm sang aus jener Zeit „Ring Of Fire“.

Über die aufbauende, aber gesundheitszerstörende Wirkung der Amphetamine berichtete Bastian Semm sehr plastisch, sie waren in verschiedenen Farben zu haben, und mit zunehmender Abhängigkeit ließ trotz Steigerung der Menge die erhoffte Wirkung nach. Abends waren Beruhigungsmittel nötig, um Schlaf zu finden. Rettung kam von der Familie, auch vom damals noch kleinen Sohn John Carter-Cash, alle hielten Cash seine Verfehlungen vor. Cash hatte erkannt, dass er dem Tod nahe war, und konnte sich dadurch retten, dass er sich sicher war, nicht sterben zu wollen. Der erste Set gipfelte im Lied „Man In Black“, zum Teil in deutscher Sprache sehr zu Herzen gehend vorgetragen.

Im zweiten Teil erklang „I Walk The Line“, und es ging ausführlich um die Zeit ab 1993, als Cash den Produzenten Rick Rubin kennengelernt hatte. Cash‘s altem Wunsch folgend, gelang Rubin die Produktion von über 100 Lieder in intimer Atmosphäre, mit nur der Stimme und der akustischen Gitarre von Cash, was diesem viel junges Publikum brachte, das auch die Lieder aus der Sun-Zeit gerne hörte. „American Recordings“ ist das Stichwort, Bastian Semm sang „One“ und „Hurt“. Als am 12. September 2003 Cash’s Lunge versagte aufgrund seiner Nervenerkrankung, sprachen viele davon, dass er an gebrochenem Herzen starb, nachdem June Carter-Cash im Mai 2003 überraschend verstorben war. Mit „Evening Train“ wünschte Bastian Semm dem großen Johnny Cash „Happy Birthday“ nach oben. Als Zugabe brachte er Tim O’Connel‘s „A Singer Of Songs“ und „Keep On The Sunny Side Of Life“.

Ausblick:

John Francis aus Nashville und Mandy Strobel aus Ulm bringen ihr Programm „Cash In The Round“ am Freitag, den 13. April ab 20:00 Uhr zurück in die Holzwerkstatt in Langenau, und am Sonntag, den 15. April von 14:00 bis 17:00 Uhr ins beheizte Lärchenhaus beim Kulturgewächshaus Gundelfingen-Birkenried. Tommy Cash, der jüngere Bruder von Johnny Cash, gastiert am Donnerstag, den 07. Juni ab 19:00 Uhr in der Günzhalle Großkötz im Rahmen des 29. Internationalen Kötzer Country Music Festivals.

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