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Charlie Daniels: Off The Grid – Doin‘ It Dylan

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Auf den ersten Blick ist es für einige vielleicht doch überraschend, aber Countrymusik-Kenner und Charlie Daniels-Fans wissen es natürlich: Sein neues Bob Dylan-Tribute-Album „Off The Grid – Doin‘ It Dylan“, das dieser Tage erscheint, ist die logische Konsequenz aus der großen Wertschätzung und auch Dankbarkeit, die Daniels der Singer-Songwriter-Legende gegenüber empfindet.

Seine Teilnahme an den Nashville-Skyline-Sessions 1969 von Bob Dylan war für ihn der Durchbruch als ernst zu nehmender Künstler. Nun im Herbst seiner Musikerkarriere beschäftigt sich der „Teufelsgeiger der Countrymusik“ und Mitbegründer des Southern- und Countryrock mit seinen Anfängen und hat ein Album mit zehn Dylan-Songs eingespielt. Darunter Klassiker wie „The Times They Are A Changin'“ und „I Shall Be Released“, aber auch Nebenwerke wie „Country Pie“.

Anfänge als Studiomusiker für Dylan

Der mittlerweile 77-jährige Daniels ist der fünf Jahre jüngeren Singer-Songwriter-Legende seit Ende der 1960er Jahre verbunden, als er in Nashville Studiomusiker war und ihn die Produzentenlegende Bob Johnston für die Aufnahmen der Dylan-Alben „Nashville Skyline“, „Self Portrait“ und „New Morning“ anheuerte. „Es ist rund 50 Jahre her, dass ich Dylan erstmals wahrnahm – und nein, ich war nicht naiv genug zu denken, dass ich im selben Strom schwimmen könne, versuchen nachzuahmen was er getan hatte. Niemand kann das tun“, so Charlie zu seinem Verhältnis zur Musiklegende.

Für Charlie Daniels bedeuteten die Session-Aufnahmen für Dylan endlich die Anerkennung als ernst zu nehmender Künstler, denn nur wenige Zeit später konnte er sein erstes Solo-Album aufnehmen. Und so ist dieses Album für Charlie auch so etwas wie ein Zeichen der Dankbarkeit an Dylan. „Was immer auch Bob Dylan mit seinen Songtexten ausdrücken wollte, die Welt wurde auf sie aufmerksam und sie veränderten das Gesicht der Musik für immer“, zollt Daniels dem fünf Jahre jüngeren Dylan seinen großen Respekt.

Dylan-Tribute-Album mit reflektierter Songauswahl

Sowohl Daniels-Fans, als auch Dylan-Fans können sich freuen. Ist doch auch diese Platte ein Zeugnis für Dylans Anerkennung in der Welt der Countrymusik und seine Bedeutung in Amerika über alle kulturellen, regionalen und politischen Grenzen hinweg. Und so ist auch die Songauswahl ein reflektiertes Zeugnis Daniels‘ über die verschiedenen Seiten Dylans und seiner Schaffensperioden.

Da dürfen die frühen Protestsongs wie „The Times They Are A Changin‘ oder „A Hard Rain’s Gonna Fall“ ebenso wenig fehlen wie „Country Pie“ von „Nashville Skyline“ „Gotta Serve Somebody“ aus Dylans religiöser Periode.

Daniels eignet sich die Dylan’schen Songperlen mit großer Hingabe und Würde an. Vom ersten Ton, von der ersten Silbe merkt man, wie wichtig ihm diese Platte ist. Da sieht man ihm gerne nach, wenn er, wie bei The Times They Are Changin'“ oder „I Shall Be Released“, hier und da etwas zu viel Pathos in die Arrangements hineinlegt. Andere Songversionen wie beispielsweise die mit vorantreibendem Geigenspiel ausgestattete Fassung von „Tangled Up In Blue“ sind absolut zwingend. Beim Klassiker vom 1975er Trennungs-Album „Blood On The Tracks“ werden damit die stete Unruhe und das ewige Umherziehen des Protagonisten sehr schön in Szene gesetzt.

Rumpelnder Honky Tonk und ein Tanzboden-Kracher

Wunderbar rumpelnder Honky-Tonk gelingt ihm mit seiner Version von „I’ll Be Your Baby Tonight“, des 1968er Dylan-Songs über die gemeinsame Nacht zweier Liebenden. Gleichzeitig schwungvoll und vital wie auch alterweise und erfahren. Grandios! Überraschend auch sein Cover von „Gotta Serve Somebody“. So bluesig-gospelig-funkig erlebt man den Southern-Rock-Veteranen selten. Bei Country Pie setzt er dann wieder gewinnbringend sein Geigenspiel ein. Geht gut ab!

Einen tollen Abschluss des Albums bildet dann „Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn)“. Das Stück, das in der Dylan’schen Originalfassung der „Basement Tapes“ sehr sparsam instrumentiert und nüchtern-schleppend vorgetragen wurde, war ja bekanntermaßen von Manfred Mann „wachgeküsst“ und zum großen Hit gemacht worden. Charlie fügt dem Song jetzt noch ein paar Umdrehungen mehr zu und macht einen absoluten „Country-Tanz-Saloon-Kracher“ daraus. Das geht in die Beine, das macht Laune.

Fazit: Eine Herzensangelegenheit für Charlie Daniels und ein gelungenes Tribute-Album für den alten Bob. Das werk gehört in die Sammlung von allen Dylan- und Daniels-Fans und allen, die bewusst und reflektiert Countrymusik hören.

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Charlie Daniels, Off The Grid - Doin' It Dylan
 
Künstler / Albumtitel: Charlie Daniels, Off The Grid – Doin‘ It Dylan
Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Blue Hat Records, 2014)
 
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Trackliste:

01. Tangled Up In Blue
02. Times They Are A Changin‘
03. I’ll Be Your Baby Tonight
04. Gotta Serve Somebody
05. I Shall Be Released
06. Country Pie
07. Mr. Tambourine Man
08. Hard Rains A Gonna Fall
09. Just Like A Woman
10. Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)

 
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Über Thomas Waldherr (581 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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