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Sturgill Simpson: Metamodern Sounds In Country Music

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Hört man die ersten Töne, dann stellt sich sofort das Gefühl ein: Ja, das ist echte, klassische Countrymusik und nicht die Soundgebilde vom Soundcomputerreißbrett über die austauschbare Buben und Mädels drüber singen, und bei denen es kein Leid, keine Akustikgitarre und keine Geige mehr gibt, sondern nur noch Party, Pick-up, Fischen und Schlagzeug im volldröhnenden Radiosound.

Ja, Sturgill Simpson hat mit seinem neuen Album Metamodern Sounds in Country Music etwas erschaffen, an das sich in Nashville schon lange keiner mehr herantraut. Simson belebt Stimmung, Ausdrucksweise und Arrangements des klassischen Country von Merle Haggard und Waylon Jennings, von Tammy Wynette und Loretta Lynn und überführt sie in die Moderne.

„Metamordern Sounds in Conutry Music“ ist natürlich eine Reminiszenz an den großen Ray Charles, der es sich als allererster afroamerikanischer Musiker öffentlich in großem Stil an die Countrymusik herangewagt hat, und für sie damit viel mehr als manch andere geleistet hat, wie Willie Nelson befand. Doch Kentucky-Boy Simpson zieht hier in Wirklichkeit eine Retro-Soundkarte, behält aber die modernen Möglichkeiten stets als Option im Blatt. Die Musik auf seinem zweiten Soloalbum besteht aus klassischem Honkytonk, Bakersfield, Rockabilly und gefühlvollen Countryballaden. Und seine Stimme – ganz auf der Modulationsebene von Merle oder Waylon, ist mal kraftvoll, mal schmachtend, ist eben eine richtige Countrystimme.

Aufgenommen wurde das Album wie Simpson lapidar sagt „von vier Typen an vier Tagen mit vier Rollen Tonband“. Mit im Studio war Simpsons Tourband: Kevin Black am Bass, Laur Joamets an der Gitarre und Miles Miller am Schlagzeug. Produziert wurde das Ganze von Dave Cobb, der schon Jason Isbell, Jamey Johnson und Lidi Ortega betreut hat. Auch die Aufnahmetechnik trägt entscheidend dazu bei, eine Art Patina über die Songs zu legen. Und doch geht es Simpson keineswegs darum, alleine Country-Nostalgiker zufrieden zu stellen. Nein, Simpson, will „Countrymusik machen für Leute, die eigentlich kein Country mögen“.

Es sollte ihm gelingen, denn kalt lassen kann diese Platte eigentlich Niemanden. Mit „The Promise“ singt er einen dieser klassischen Songs um Beichte und Vergebung. „Wieder mal fremdgegangen, aber dieses Mal bestimmt das letzte Mal.“ Schmachtend, im besten Sinne Country-weinerlich: einfach ein ganz großer Countrysong! Ebenso das Genre bestens ausgespielt, ohne falsche postmoderne Abgeklärtheit, ist auch sein Road-Song „Long White Line“. Um dann ebenso perfekt „A Little Light Within“ einen beschwingten fröhlichen Country-Gospel-Rockabilly hinzulegen. Mit Just Let Go folgt eine weitere klassische Country-Ballade, eher er mit dem vielsagenden „It Ain’t All Flowers“ ein mysteriöses Crossover aus Country und Psychedelic-Rock anstimmt, so dass der Songs nur als eine eindeutige lebenskluge Warnung vor dem Bösen verstanden werden kann. Perfekt! Mit „Pan Bowl“ schließt das Album ebenso perfekt mit einer ruhigen Gitarrenballade von der Liebe und vom Verlust. Und der Sänger reitet alleine ins Abendrot. Und der Hörer kann nicht genug bekommen und spielt die Platte nochmal und nochmal und …

Fazit: Ganz großes Kino. Sturgill Simpson gibt uns die Hoffung in die Countrymusik zurück. Ein großes Album und ein frühes Meisterwerk. Wenn die Zeit nur gerade jetzt still stehen könnte!

Sturgill Simpson - Metamodern Sounds In Country Music

Künstler / Albumtitel: Sturgill Simpson – Metamodern Sounds In Country Music
Format / Label / Veröffentlicht: CD, Vinyl & Digital (Loose Music, Rough Trade 2014)

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Trackliste:

01. Turtles All The Way Down
02. Life of Sin
03. Living the Dream
04. Voices
05. Long White Line
06. The Promise
07. A Little Light
08. Just Let Go
09. It Ain’t All Flowers
10. Pan Bowl

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Über Thomas Waldherr (573 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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