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Brad Paisley: Moonshine In The Trunk

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So manch eingefleischter Countryfan dürfte sich über den Sinneszustand seines Idols Gedanken gemacht haben, als Brad Paisley im April letzten Jahres auf dem Album „Wheelhouse“ die „Heiligtümer des Südens“ aufs Korn nahm. Anstatt sich dem Bro-Country-Trend folgend mit der Bedeutung des Feierabendbieres zu beschäftigen, setzte sich der Vorzeigepatriot aus West Virginia mit inhaltsschweren Themen wie der „Doppelmoral der Kirchgänger“ oder „Gewalt in der Ehe“ auseinander.

Als Negativhöhepunkt musste der Superstar einen wahren Shitstorm über sich ergehen lassen, den er dem gewagten, sozialkritischen Duett mit Kult-Rapper LL Cool J auf dem Song „Accidental Racist“ zu „verdanken“ hatte. Im Zuge dieser Diskussionen rückte der künstlerische Wert von „Wheelhouse“ in den Hintergrund; auch kommerziell blieb die gewohnte Goldzertifizierung aus. Zudem wurden die beiden charttauglichen Top-Singles „Southern Comfort Zone“ und „Beat This Summer“ kurz vor dem Sprung an die Chartspitze auf Rang 2 liegend vom Countryradio „rasiert“.

Während Weggefährten wie Blake Shelton oder Dierks Bentley durch ihren Flirt mit der Bro-Country-Masche einen Charttopper nach dem anderen produzieren, liegt die letzte Solo-Nummer-Eins des „Gitarrengottes aus Glen Dale“ nunmehr geschlagene vier Jahre zurück.

Nur 16 Monate nach „Wheelhouse“ soll nun mit dem 10. Studioalbum „Moonshine In The Trunk“ der Erfolgspfad wieder aufgenommen werden. Und siehe da, der dreifache Grammygewinner scheint einzulenken und präsentiert der Partycrowd mit der Leadsingle „River Bank“ einen trendigen Summer-Fun-Song, der sich durch Brads charakteristische Gitarrengrooves wohlwollend von der Masse abhebt. Dazu ein witziges Video mit „Twiggy dem wasserskilaufenden Eichhörnchen“ und schon steht man als Liebling der Szene wieder mitten im Geschehen. Doch was hat Brad Paisleys „Kofferaum“ sonst noch im Angebot? Wie stark sind nun die Zugeständnisse an die aktuelle Partylinie und wie groß ist der Reiz, doch wieder etwas Eigenes zu präsentieren?

Beim Öffnen des „Trunk“ darf man zunächst mal durchatmen. Zum Vorschein kommt ein Countryalbum, das moderne Grooves mit der für das Genre typischen Instrumentierung gekonnt in Verbindung setzt. Die auf „Wheelhouse“ enthaltenen Pop-Anleihen (Pressing On A Bruise) und choralen Arena-Sounds (The Mona Lisa, Officially Alive) sind der traditionsbezogenen Stilisitik geopfert worden. Das aus 15 Teilen bestehende „Moonshine In The Trunk“ ist in Gänze weniger konzeptionell, dafür soundmäßig homogener und musikalisch auf konstant hohem Niveau. Bei der Komposition der Tracks hat sich der „Rising Star-Juror“ neben den eigenen Songwritingskills auf die bewährte Unterstützung seiner Co-Hit-Writer Lee Thomas Miler, Chris Dubois und Kelley Lovelace verlassen.

Schon mit den ersten ersten Tönen des Akustikintros von „Crushin‘ It“ lässt der Meister seine Genialität aufblitzen und verpasst diesem textlich simpel gehaltenen „Drinking Song“ einen niveauvollen Einstand. Ähnlich wie auf dem danach folgenden „River Bank“ werden hier die Anforderungen des Marktes erfüllt und die Grundlagen für einen weiteren Radiohit gelegt. Doch mit Song Nr. 3 wendet sich das Blatt und das für Brad Paisley wenig glaubwürdige Trinkthema ist für den Rest des Albums erledigt. Die aktuelle Single „Perfect Storm“ startet mit einem kurzen Synthintro und entwickelt sich mit getragener Backgroundunterstützung zu einer leidenschaftlich interpretierten, modernen Country-Ballade. Die Hookline (She destroys me in that T-Shirt) ist äußerst prägnant und dürfte als Treiber für eine weitere Top-Chartplatzierung funktionieren. Das beschwingte „High Life“ zählt zu den Highlights. Warum? Neben einem luftigen Kenny-Chesney-Vibe finden sich hier mit Fiddle und Steel die liebgewonnenen Zutaten des Countrygenres wieder. Als besondere Beigabe ist mit CMA-Co-Moderatorin Carrie Underwood die erste Liga des Female-Country mitvertreten und mischt dem packenden Countrygroove einen interessanten Spiritual-Touch bei.

Der Titelsong „Moonshine In The Trunk“ ist der Highspeedtrack des Albums. Getrieben von Justin Williamsons „crazy fiddle“ brennt der Meister ein Soundfeuerwerk ab, das wesentlich frischer rüberkommt, als wir es auf der letzten Highspeedsingle „Camouflage“ vernommen haben. Der Kontrast folgt auf dem Fuß mit der sehr persönlichen Ballade „Shattered Glass“, in der dem behüteten Nachwuchs die Widerstände des Lebens vor Augen geführt werden. Doch das war’s erst mal wieder mit den Emotionen und wir finden uns mit dem fetzigen „Limes“ im gepflegten Partymodus wieder. Auch hier gelingt es Paisley, dem stampfenden Midtempobeat durch virtuose Begleitung mit dezenten Fiddle & Steelelementen eine originelle Soundstruktur zu verpassen. Auch auf den folgenden vier Tracks ist diese belebende Mischung von modernem Grooves mit klassischer Instrumentierung deutlich zu spüren. Während bei dem kernigen „4 WP“ die kraftvollen Beats im Vordergrund stehen, lässt das bluegrassige und humoristische „Going Green“ mit der wunderbaren Emmylou Harris im Schlepptau die Tradition tief durchatmen.

Gegen Ende kommt dann doch noch mal der Patriot zum Zuge. „American Flag On The Moon“ wird durch ein JFK-Zitat getriggert und ist der in Töne gegossene Glaube an die Nation und ihre unerschütterlichen Errungenschaften. Nach unseren Maßstäben wohl etwas dick aufgetragen, aber im Endeffekt nach den Verwirrungen aus „Wheelhouse“ vielleicht so etwas wie die finale Wiedergutmachung. Spätestens mit der versöhnlichen Blue-Collar-Hymne „Country Nation“ dürfte auch dem letzten klar geworden sein, dass Brad Paisley zu den authentischsten und aufrichtigsten Countryinterpreten seiner Generation gehört.

Fazit: Brad Paisley konzentriert sich auf „Moonshine In The Trunk“ auf die Wiederentdeckung seiner Spielfreude und klammert mißverständliche Textbotschaften konsequent aus. Das Ergebnis ist ein zeitgenössisches Countryalbum, das den vermeintlichen Widerspruch zwischen klassischer Instrumentierung und modernen Feelgood-Sounds überzeugend auflöst. „Trunk“ ist eine klare Empfehlung für alle Paisley-Fans und solche, die es werden wollen. Mit über 50 Minuten Spielzeit liegt es wie gewohnt über dem Szenedurchschnitt und bietet einen authentischen Gegenentwurf zu den „Hick-Hoppern“ und „Bros“ als Vertreter des modernen Country.

 
Brad Paisley - Moonshine In The Trunk
 
Künstler / Albumtitel: Brad Paisley – Moonshine In The Trunk
Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Arista Nashville 2014)
Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten
 
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Trackliste:

01. Crushin‘ It
02. River Bank
03. Perfect Storm
04. High Life
05. Moonshine In The Trunk
06. Shattered Glass
07. Limes
08. You Shouldn’t Have To
09. 4WP
10. Cover Girl
11. Gone Green
12. JFK 1962
13. American Flag On The Moon
14. Country Nation
15. Me & Jesus (Extra Special Bonustrack)

 
Truck Stop 2019
Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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