Lee Brice: I Don’t Dance
Musikalisch überzeugt Lee Brice als Sänger und Komponist. Seine Stärke liegt in der Verpackung von Emotionen, die auf Songs wie „Hard To Love“ oder dem preisdekorierten „I Drive Your Truck“ zur Geltung kommen. Insgesamt ein wohltuender Gegenentwurf zu dem doch eher vordergründigen aktuellen Crossover-Partytrend.
Mit dem neuen Album „I Don’t Dance“ soll nun die Frage beantwortet werden, ob sich ein Lee Brice diesem Trend widersetzen kann, ohne seine eigene balladeske Grundausrichtung zu verlassen. Vor uns liegt eine Selfmade-Produktion unter dem Curb-Label bestehend aus 13 Tracks, denen auf der De-Luxe-Edition drei weitere Songs beigefügt wurden. Der Opener und Titelsong „I Don’t Dance“ lässt einen an dieser Stelle schon mal durchatmen und präsentiert den Sänger als leidenschaftlichen Nicht-Tänzer in gesanglicher Bestform. Kein Wunder, dass dieser Charming-Track, der in seiner Wirkung an „Hard To Love“ erinnert, als Lead-Single die Reihe der Nummer-1-Hits fortsetzen konnte.
Dass Brice auf Song Nr.2, dem rowdyhaften Bro-Tune „No Better Than This“, diese Linie verlässt, darf man noch als Zugeständnis an die partywillige Zuhörerschaft deuten. Leider ist dies der Auftakt für ein Album, das mit Hilfe von synthetischen Beats und elektronischen Loops die überdehnten Grenzen des New-Country verlässt und stark vom aktuellen Mainstream geprägt ist. Wer Real Country sucht, ist definitiv im falschen Film. Auf Songs wie „Always The Only One“ werden Tendenzen des 80er-Jahre-Pop mit elektronischen Drum Beats zum Besten gegeben, während sich der Balladenkünstler auf „Good Man“ als vokalakrobatischer „Hick-Hopper“ versucht.
Neben Gesang und Produktion hat Lee Brice bis auf drei Ausnahmen an allen Titeln auch als Autor mitgewirkt. Auf „Girls In Bikinis“ spielt er sogar sämtliche Instrumente, was den dürftig-platten Sommersong nicht vor dem Totalausfall bewahrt. Die neue Single „Drinking Class“ zählt zu den Highlights, weil sie trotz ihrer umstrittenen Botschaft authentisch rüberkommt und gesanglich wie melodisch zur Upper-Class des New Country zählt. Seine stärksten Momente hat Lee Brice – wen wunderts, in den wenigen ruhigen Passagen. „Somebody’s Been Drinking“ trägt den wunderbaren Flow von Erfolgssongwriter Shane McAnally in sich. Der Song über die Spring-Break- und Partyhochburg „Panama City“ lässt schon wieder Seichtes vermuten, entpuppt sich jedoch unter der Feder von Mark Irwin („Highway Don’t Care“, „Redneck Crazy“) als reduzierte, emotionsträchtige Love Story und stellt einen der Albumhighlights dar. Wer sich die De-Luxe-Version zulegt, wird mit mehr als einer Stunde Musik versorgt und kann sich, sofern er die Countrybrille absetzt, von moderner, popbasierter Soundstilistik inspirieren lassen.
Fazit: „I Don’t Dance“ ist so konzipiert, dass sich die kommerzielle Erfolgsgeschichte des Lee Brice fortsetzen dürfte. Gesanglich ist der Singer & Songwriter in der New-Country-Szene ohnehin eine eigene Marke und haucht dem insgesamt eher überproduziert wirkenden Album Seele und Emotion ein. Umso unverständlicher ist es, dass er sich mit technischen Stilmitteln, wie den anorganischen, stimmentfremdenden Autotunes, hier und da seiner eigenen Stärke beraubt. Da die handgemachten, countrytypischen Elemente fehlen, habe ich „I Don’t Dance“ nach dreimaligem Hören aus dem Player genommen und gegen Frank Fosters vorzügliches Album „Rhythm & Whiskey“ ausgetauscht.
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| Künstler / Albumtitel: Lee Brice – I Don’t Dance Format / Label / Veröffentlicht: CD & Digital (Curb Records 2014) Bewertung: 2.,5 von 5 möglichen Punkten |
| Trackliste:
01. I Don’t Dance |








