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Zac Brown Band: Jekyll + Hyde

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Zac Brown Band (Promo)

Die Entwicklung des New-Country ist in den letzten Jahren zu einem nicht unerheblichen Teil von einer achtköpfigen Combo aus Georgia geprägt worden. Durch eine nahezu beispiellose Hitserie in den US-Country-Charts hat sich die Zac Brown Band zu einem landesweit, angesagten Top-Act fortentwickelt, der durch einen harmonischen Mix mit anderen Stilrichtungen stetig neue Zuhörerkreise gewinnt. Zac Brown ist der Mann, der als Leadsänger und Kopf die Richtung vorgibt und mit dem Tenorvokalisten Clay Cook sein Pendant für den stimmlich unverwechselbaren Bandsound gefunden hat.

Seit dem Einstiegsknaller mit der Party-Hymne „Chicken Fried“ im Jahr 2008 haben nicht weniger als 11 Singles den Weg an die Chartspitze gefunden. Mit einer fast 70-prozentigen Nummer-Eins-Quote der veröffentlichten Singles sind Zac und seine Jungs die ungekrönten Könige des Countryradios und lassen damit sogar Hitmaschinen wie Luke Bryan oder Blake Shelton hinter sich. Musikalisch haben sich die dreifachen Grammygewinner mit einer Kombination aus leichten, poppig-bluegrassigen Countryrhythmen und mehrstimmigem Harmoniegesang einen Namen gemacht und die bisherigen drei Studioalben zu insgesamt fünffachem Platin geführt.

Nachdem sich auf dem letzten Fullsizer „Uncaged“ schon der eine oder andere experimentelle Ausbruch angedeutet hat, sollen nun mit dem vierten Album Jekyll + Hyde konsequent neue musikalische Landschaften erschlossen werden. Als Zwischenschritt hatte Zac Brown seine Band im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit Foo-Fighters-Frontman Dave Grohl bereits an eine rockbasiertere Richtung gewöhnt und damit erste Entwicklungstendenzen sichtbar gemacht.

Bei dem Albumtitel liegt schon mal die Vermutung nahe, es könnte sich um ein Werk der Extreme handeln, das mit den Vorgängern nur sehr bedingt zu vergleichen ist. Diese Vermutung bestätigt sich umgehend und macht die objektive Bewertung unter Countrygesichtspunkten zu einer äußerst kniffligen Aufgabe. „Jekyll + Hyde“ präsentiert auf 16 Tracks mit mehr als einer Stunde Spielzeit einen musikalischen Querschnitt, der von zeitgenössischem Country angefangen über Electronic-Pop, Folk, Swing bis Hard-Rock kaum eine Stilrichtung auslässt. Wenn man diesem musikalischen Flickenteppich ein wenig Struktur verabreichen möchte, so ließe er sich in zwei Kategorien einteilen. Da gibt es zum einen die „guten“, countryfreundlichen „Jekyll-Songs“, denen die „Hyde-Songs“ als Vertreter der countryfremden Genres gegenüberstehen.

Die Leadsingle „Homegrown“, unter den Produzentenhänden von Jay Joyce (Eric Church, Little Big Town) als Nummer-Eins-Single konfektioniert, ist einer dieser „Jekyll-Songs“, der mit seinem zeitgemäßen New-Countryvibe und der bodenständigen Textbotschaft dem Erwartungsbild entspricht. Doch bereits der Opener offenbart die Gegenseite und vereint so ziemlich alles, was man der New-Countryszene zuletzt als Kritikpunkt vorhalten konnte. „Beautiful Drug“ startet mit einem banjogetriggerten Folk-Pop-Intro durchaus gefällig und driftet dann mit stampfenden Electronic Beats und stimmentfremdenden Autotunes in eine seelenlose Hot-100-Dance-Pop-Nummer ab. Ein etwas verstörender Einstieg, der Countryfreunden das erste Stirnrunzeln abringen dürfte. Dieser Eindruck wird mit den beiden nächsten „guten“ Songs umgehend relativiert. „Loving You Easy“ ist als aktuelle Folgesingle in ein radiofreundliches Country-Popgewand gehüllt und dürfte mit seinem lässigen Flow den nächsten Charttopper sicherstellen. „Remedy“ erhält durch originelle Blowpipe-Passagen ein ansprechendes Scottish-Folk-Ambiente und stellt mit Hilfe der perfekt getunten Harmonie-Vocals eines der Albumhighlights dar.

Dass es sich anstelle eines in sich schlüssigen Konzeptalbums eher um ein Spiel der Gegensätze handelt, wird bei dem Songpärchen Nr. 5 und 6 mehr als deutlich. Auf „Mango Tree“ tauscht Zac Brown die Western Boots gegen Lackschuhe ein und entführt den erstaunten Zuhörer mit einem eleganten Barroom-Swing, perlendem Piano und Big-Band-Bläsersätzen im Duett mit Pop-Sängerin Sara Bareilles auf eine Vegas-ähnliche Showbühne. Da darf man dann schon mal zusammenzucken, wenn das liebliche Ambiente durch das brachiale Hard-Rock-Gewand von „Heavy Is The Head“ in Zusammenarbeit mit Soundgarden-Leadsänger Chris Cornell pulverisiert wird. Dieser provokante Stilwechsel scheint in der Tat überzogen, zumal mit dem tiefgründig- zarten „Bittersweet“ eine wahre Songperle nachfolgt. Dieser nachdenklich und reduziert startende Schicksalssong wird nach 3:30 Minuten in eine phänomenale Jay-Joyce-typische Soundexplosion entführt, die den chaotischen Geräuschpegel des Vorgängers schon fast wieder vergessen macht. Dann kommt mit „Castaway“ quasi der Urenkel des 2009er-Hits „Toes“, der im besten Jimmy-Buffett-Style für karibisches Strandflair steht. „Tomorrow Never Comes“ ist ein weiteres Sahnestück, das den Albumverantwortlichen zum Abschluss noch eine zusätzliche Akustikversion wert war. Auf diesem „mega-catchy“ Ohrwurm werden Bluegrass-Rhythmus mit Banjo-Licks und einem popangelehnten Beat perfekt in Verbindung gebracht. Das groovige „One Day“ trifft das Schicksal, zwischen zwei Highlights eingebettet zu sein und läuft damit Gefahr als „Füller“ abgestempelt zu werden.

„Dress Blues“ aus der Feder von Americana-Sänger Jason Isbell ist eine hymnische Soldatenballade, die mit viel Pathos und einem requiemhaften Instrumentalpart vor Intensität nur so strotzt. „Young And Wild“ wiederum vermittelt auf perkussiv-rhythmische Weise einen fröhlichen, Kenny-Chesney-ähnlichen Island-Vibe, bevor der böse Mr. Hyde auf „Junkyards“ seinen finalen Auftritt hat. An diesem siebenminütigen Rock-Opus dürften sich in der Tat die Geister scheiden. Nach einem finsteren Gothic-stylishen Auftakt folgen Breaks und Tempowechsel mit dynamischen und meditativen, teils fernöstlich anmutenden Soundpassagen, die den Crossover-Musikfreund in Begeisterung versetzen, während sich der Countryfan an dieser Stelle wohl eher einsam zurückgelassen fühlt. Das mit bombastischen Gospel-Chorälen endende Southern-Family-Portait „I’ll Be Your Man“ liefert den dazu passenden Gegenpart und führt dieses schizophren wirkende Soundspektakel mit dem rhythmischen Sing-A-Long „Wildfire“ auf die Zielgerade. Was sich der Künstler dabei gedacht haben mag, kann nur durch ein Originalzitat des experimentierfreudigen Bandleaders beantwortet werden: „Unsere Grenzen haben sich aufgelöst und dennoch tun wir Dinge, die den Leuten gefallen und vertraut vorkommen. Wir erweitern dabei unser Spektrum und gehen in Bereiche, in denen wir nie zuvor gewesen sind. Manche werden wir damit sicher überraschen.“

Fazit: Es wäre ein in der Tat Leichtes, das vierte Studioalbum der Zac Brown Band vor dem Hintergrund einzelner countryfremder Stilbeiträge als Fehlgriff darzustellen. Schließlich erwecken der Elektronik-Pop-Ausflug auf „Beautiful Drug“ oder die schrillen Rockpassagen auf „Heavy Is The Head“ einen überzeichneten und teils überproduzierten Eindruck. Trotz vereinzelter Stilbrüche wird der moderne Countryfan in keinster Weise vernachlässigt und mit teils überdurchschnittlichen Beiträgen versorgt („Remedy“, „Homegrown“,“Tomorrow Never Comes“). Setzt man die klassische Countrybrille für einen Moment ab, dürfte man unvoreingenommen feststellen, dass „Jekyll + Hyde“ vor Musikalität nur so sprüht und mit innovativen Songjuwelen wie „Bittersweet“, „Dress Blues“ und „Junkyards“ brilliante Momente abliefert. Wem es in der heutigen Zeit gelingt, 66 Minuten ohne einen Anflug von Eintönigkeit zu erzeugen, darf sich in der stiltoleranten New-Country-Szene am Ende zu Recht ganz oben angekommen fühlen.

Zac Brown Band - Jekyll + Hyde

Titel: Jekyll + Hyde
Künstler: Zac Brown Band
Veröffentlichungstermin: 29. April 2015
Label: Republic
Vertrieb: Universal Music
Laufzeit: 65:42 Min.
Format: CD & Digital
Tracks: 16
Genre: Country, Rock, Swing, Gospel
Bewertung: 4,5 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Beautiful Drug
02. Loving You Easy
03. Remedy
04. Homegrown
05. Mango Tree – mit Sara Bareilles
06. Heavy Is The Head – mit Chris Cornell
07. Bittersweet
08. Castaway
09. Tomorrow Never Comes
10. One Day
11. Dress Blues
12. Young And Wild
13. Junkyard
14. I’ll Be Your Man (Song For A Daughter)
15. Wildfire
16. Tomorrow Never Comes (Akustikversion)

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Über Bernd Wenserski (588 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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