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Toby Keith – Die Hitmaschine stockt!

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Toby Keith

Am 9. Oktober veröffentlicht US-Country-Star Toby Keith unter dem Titel „35 MPH Town“ sein 18. Studioalbum. Auf den ersten Blick scheint alles beim Alten, denn Fans des Tausendsassas aus Oklahoma waren es seit dem Jahr 2008 gewohnt, regelmäßig im Oktober mit neuer Ware versorgt zu werden. Doch bei genauerem Hinsehen ist so Einiges anders.

Nachdem der streitbare Country-Hitlieferant ab 2005 in jedem Kalenderjahr eine Albumproduktion präsentiert hatte, legte er im Jahr 2014 eine überraschende Kreativpause hin. Der Albumreleasetermin wurde mehrfach verschoben und schließlich auf den Oktober des laufenden Jahres verlegt. Was war passiert?

Noch im Jahr 2011 gehörte Toby Keith zu den kommerziell erfolgreichsten Country-Stars der Szene. Sein Album „Clancy’s Tavern“ wurde gefeiert und brachte ihm mit der Patriotenhymne „Made In America“ den insgesamt 20.Nummer-Eins-Hit ein. Der Appell an den Nationalstolz unterlegt mit einem kernigen Outlawtwang wurde über Jahre hinweg Keiths persönliche Erfolgsformel und von keinem anderen Countrystar derart authentisch transportiert.

Mit dem als Funhymne verbreiteten“Red Solo Cup“ folgte schließlich der größte Singleerfolg in Keiths Karriere, der ihn selbst nach eigener Aussage völlig überraschend getroffen hatte. Plötzlich war der knorrige Patriot inmitten der launigen Bro-Country-Fraktion gelandet und schien damit eine neue Zielgruppe gefunden zu haben. Eine drastische Fehleinschätzung wie sich im Nachhinein zeigen sollte.

Nachdem „Beers Ago“ als letzte Single aus dem „Clancy-Album“ noch mal die Top 10 erreichen konnte, versuchte Keith nun mit oberflächlichen Party-Songs wie „I Like Girls That Drink Beer“, „Drinks After Work“ und zuletzt „Drunk Americans“ die Serie fortzusetzen. Doch die Single-Erfolge blieben aus und auch die beiden letzten Alben „Hope On The Rocks“ und „Drinks After Work“ verfehlten die Erwartungen.

Getrieben von dem kommerziellen Erfolg hatte Toby Keith die Rolle des sozialkritischen Patrioten verlassen und sich als launiger Partylöwe seiner eigenen Stärke beraubt. Gegen die jugendlich-dynamische, mit Hip-Hop und R&B experimentierende New-Country-Generation war der Veteran an der Stelle chancenlos. Tiefpunkt dieser Entwicklung war das gemeinsam mit Jimmy Buffett performte, peinliche Video zu dem Song „Too Drunk To Karaoke“, das glücklicherweise von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde.

Als Folge dieser „Fehl“-Entwicklung hat sich die Hitmaschine von einst nun ein Jahr Zeit gelassen, um „35 MPH Town“ als 18. Studioalbum zu veröffentlichen. Doch auch hier scheint das Kind schon in den Brunnen gefallen. Die bereits erwähnte Leadsingle „Drunk Americans“ kam über Chartplatz 27 nicht hinaus und dem Titelsong „35 MPH Town“ geht als aktuelle Single schon vor dem Albumrelease die Puste aus. Dieser Song, der sich mit dem sittlichen Verfall der Kleinstadtjugend befasst, zeigt am deutlichsten, dass Toby Keith den Draht zur jüngeren Zuhörerschaft verloren zu haben scheint.

Der Rest des Albums ist nun für den 9. Oktober angesetzt. Seit dieser Woche laufen die Pre-Orders. Trotz dieser unverhältnismäßig langen Pause wird „35 MPH Town“ insgesamt nur 10 Songs enthalten inkl. eines Jimmy-Buffett-Duetts mit dem Titel „Sailboat For Sale“. Man darf gespannt sein, wie der kommerzielle Holperstart von der Country-Szene am Ende bewertet wird. Da ist es schon Balsam auf die Seele, dass die stockende Hitmaschine aus der Kleinstadt Clinton in diesem Jahr für seine mehr als zwei Jahrzehnte währenden Verdienste in die Songwriter-Hall-Of-Fame aufgenommen wurde.

Am Ende ist es dem profilierten Singer-Songwriter Toby Keith zu wünschen, dass er seine alte Hitformel mit den Themen und Melodien wiederfindet, die ihn als authentischen und streitbaren Befürworter nationaler Errungenschaften groß gemacht hat.

Truck Stop 2019
Über Bernd Wenserski (577 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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