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Alabama: Southern Drawl

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Truck Stop 2019
Alabama Alabama - Bildrechte: BMG Chrysalis North America

Im Jahr 2001 war Alabama zum letzten Mal im Studio. Sie haben im Laufe ihrer Karriere über 70 Millionen Tonträger verkauft, 80 Single-Hits, davon 33 Nummer-Eins-Hits in die Charts gebracht und sind damit die bei weitem erfolgreichste Gruppe in der Geschichte der Countrymusik. Eigentlich wollten sie sich zur Ruhe setzen, doch die Musik ließ sie nicht los. Nach 14 Jahren haben sich die drei Gründungsmitglieder Randy Owen, Teddy Gentry und Jeff Cook also wieder an die Aufnahme eines Albums gemacht und das Resultat liegt nun vor – Southern Drawl. 13 Titel, viele aus der Feder des Leadsängers Randy Owen, der sich ja in der Zwischenzeit auch als Solist versucht hat.

Die drei Musiker hatten sich gefragt, ob sie mit ihrem Sound in der modernen Welt der Countrymusik würden bestehen können. So beginnt der Titelsong „Southern Drawl“ mit heftigem, gitarrengetrieben Sound und erinnert sehr an modernen Country Rock, der an Jason Aldean oder Luke Bryan erinnert. Der Text kann mich nicht begeistern, es werden so ziemlich alle Klischees über den Süden der Staaten besungen: Wir fahren Truck, trinken Bier und Whiskey, gehen in die Kirche und flippen gelegentlich aus, reden langsam mit dem südlichen Akzent, dem „drawl“ eben. Wenig originell, was Randy Owen und Ronnie Rogers da komponiert haben. Womit wir schon bei einer Merkwürdigkeit dieses Albums sind. Die schnelleren Titel gefallen wenig. „Hillbilly wins the Lotto Money“ ist vom Text eine Zumutung, denn sich über einen geistig eher beschränkten Lottomillionär lustig zu machen, entbehrt für mich der Komik. Die „Footstompin‘ Music“ ist auch nicht gerade ein Ohrenschmaus, irgendwie finde ich die Aufforderung zu klatschen und mit den Füssen zu stampfen nicht anmachend.

Doch zum Glück kann Alabama auch anders: Wenn es langsamer und gefühlvoller wird, da stahlt das Können des Trios durch. Was für schöne Lieder sind die aktuelle Single „Wasn’t Through Lovin‘ You Yet“, „This Ain’t Just A Song“ und das von Randy Owen geschriebene „As Long As There’s Love“. Hier sind sie in ihrem Element und der schöne Harmoniegesang, der Alabama stets ausgezeichnet hat, kommt voll zur Geltung. Mandolinenklänge erfreuen den Hörer im eingängigen „Back To The Country“, auch wenn hier die Sehnsucht nach der ländlichen Heimat etwas aufgesetzt wirkt.

Ganz ruhig und nachdenklich, unterstützt von Alison Krauss‘ herrlicher Stimme, der Song „Come Find Me“, gewiss ein Höhepunkt des Albums. Jeff Cook singt „No Bad Day“, midtempo, positive Grundhaltung soll verhindern, dass man schlechte Tage hat, aber hier fehlen mir irgendwie der Drive und die Überzeugung. „One On One“ beginnt mit einer hin geflüsterten Einleitung, und die Liebesballade ruft Erinnerung an einem ganz großen Countrysänger hervor. Es ist der Stil, in dem Conway Twitty seine intensiven Liebeslieder vortrug, und das gefällt.

Dann wird es nochmal schneller. Die Hymne an den amerikanischen Farmer, von dem alle abhängen, der das Land füttert, sich dafür krumm arbeitet, für Regen betet und um seine Existenz kämpfen muss. Warum nicht, auch Willie Nelson macht seit 30 Jahren mobil für Farm Aid. „It’s About Time“ ist ein Aufruf, die Menschheit zu retten, die Geschichte zu ändern, es geht um dich, um mich, es ist höchste Zeit, singen die drei. Dann ist da noch „I Wanna Be There“, in dem der Vater hofft, bei allen wichtigen Stationen im Leben seiner Tochter dabei zu sein. Die drei waren sich nicht sicher, ob sie den Song mit auf das Album nehmen sollten. Ein Glück, dass sie es getan haben, denn es ist ein schöner Abschluss.

Fazit: Klar kann die Gruppe gut singen, und im Vergleich zu vielem anderen, was heute auf den Markt kommt, ist das ein schönes Country Album. Für Alabama Fans ist der Erwerb der CD sicher ein Muss, doch ich bin ein wenig enttäuscht, denn an die früheren Werke der Gruppe reicht das neue Album doch nicht heran.

Alabama - Southern Drawl

Titel: Southern Drawl
Künstlerin: Alabama
Veröffentlichungstermin: 18. September 2015 (USA)
Label: BMG Chrysalis North America
Format: CD & Digital
Laufzeit: 51:56 Min.
Tracks: 13
Genre: Country
Bewertung: 3 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Southern Drawl
02. Wasn’t Through Lovin‘ You Yet
03. This Ain’t Just A Song
04. As Long As There’s Love
05. Back To The Country
06. Hillbilly Wins The Lotto Money
07. Come Find Me
08. No Bad Days
09. One On One
10. American Farmer
11. It’s About Time
12. Footstompin‘ Music
13. I Wanna Be There

Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!
Über Franz-Karl Opitz (559 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country. News & Storys, Charts, Rezensionen.
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