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You guys are fucking awesome!

Hollywood-Star Kiefer Sutherland macht Musik in der Parkbühne Leipzig.

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Kiefer Sutherland - Live in Leipzig Kiefer Sutherland - Live in Leipzig. Bildrechte: Andreas Weihs

Kiefer Sutherland genießt es ganz offensichtlich, in Europa zu sein. Hier ist alles anders, als zuhause in den USA. Hier kommt Sutherland mit einem Lächeln im Gesicht und einem vollgefüllten Whiskyglas in der Hand auf die Bühne, prostet den Fans zu, zündet sich gar genüsslich eine Zigarette an. Zur Zeit nimmt der Schauspieler mit musikalischen Ambitionen Ferien vom Film und ist mit drei Musikern auf Konzerttour. Zu bewerben hat er nichts, sein erstes Musikalbum ist 2 Jahre alt, das Neue kommt erst noch. So ist er frei von Zwängen, und das merkt man seinen Auftritten an.

Kiefer Sutherland rückt den Hut zurecht, klemmt die Gitarre unter den Arm wie einst Johnny Cash und spielt mit dem Countryimage. Für ihn ist die Gitarre nicht nur ein Musikinstrument, sie ist eine Requisite, die er benutzt, um seine Gefühle auszudrücken. Mal hält er sie tief in Kniehöhe, wenn er sie spielt, mal hängt sie lässig über seiner Schulter am Rücken. So manches Mal reißt er sie auch hoch, hält sie dicht neben sein Gesicht. Ob das einstudierte Posen eines Schauspiel-Stars sind? Eher nicht, als Zuschauer wird man mitgerissen vom Temperament des Sängers, von seiner augenscheinlichen Lässigkeit, seiner Energie, aber auch von den Songs, die er eindrucksvoll interpretiert. Gutgelaunt hüpft Sutherland immer mal wieder spielend über die Bühne. Das kann nur ehrlich sein!

Die Songs, die er an diesem Abend spielt, hat er sich bis auf wenige Ausnahmen selbst auf den Leib geschrieben. Sie folgen nicht zwangsläufig dem Mainstream oder schielen auf die Charts. Eher sind sie musikalisch zeitlos und folgen eigener Dramaturgie. Die Geschichten, die sie erzählen, sowieso. Manchmal schmeckt man regelrecht den Staub, der vom Highway aufwirbelt wird, spürt Hitze und weites Land, und sieht das flirrende Licht am Horizont. Oder man wähnt sich in einer verräucherten Bar im Mittelwesten, die Luft von abgestandenen Whiskey geschwängert. Sutherland blickt durch die Lieder auf sein Leben zurück, auf die „guten Zeiten und die schlechten Zeiten“, wie er selbst sagt. Es sind durchweg persönliche Erlebnisse und Gedanken, über die er singt. Von der Freiheit, vom Rodeoreiten und von Alkohol. Letzteres eine unselige Liason für Sutherland, der sich mit dem flüssigen Teufel schon so manchen Kampf lieferte.

Kiefer Sutherland - Live

Kiefer Sutherland – Live. Bildrechte: Andreas Weihs


Seine Musik wurzelt im traditionellen Country, greift aber ebenso mit vollen Händen ins Moderne, in den Rock. Nicht selten dominieren die Gitarren, von denen bis zu vier im gleichzeitigen Einsatz sind, akustisch wie elektrisch (Can’t Stay Away). Worauf man nie von allein kommen würde: Seine Gesangsstimme zieht den Zuhörer sofort in den Bann, sie fasziniert irgendwo zwischen Springsteen, Dylan und Waits, aber auf eine ganz eigene Weise. Sie verfügt über eine eigene Klangfarbe, kann tief und rau, bettet sich gefühlvoll in die Musik aus Country, Americana und Rock. Cash, Haggard, Kristofferson, Nelson lassen grüßen. Und er outet sich als Fan der alten Haudegen, der unangepaßten Sänger, deren in Musik gepackten Erzählungen er sein ganzes Leben lang hörte. „Mich hat an Country immer interessiert, dass ganz eindeutige Geschichten erzählt werden. Ich will als Songwriter klare Geschichten erzählen: Anfang, Mitte, Ende. Deswegen diese Musik.“

Immer wieder bedankt sich der Hollywoodstar bei den Fans, dass sie gekommen sind, ihn zu sehen, dass sie es auch im Regen vor der Bühne aushalten, dass sie ihm zuhören. Da es hier keine Zensur gibt, lässt er sich zu einem „You guys are fucking awesome“ hinreißen und prostet seinen Fans wiederum mit einem gefüllten Whiskeyglas zu. Seine Freude ist echt, wenn er sagt „Toll dass ihr alle gekommen seid, um vollkommen unbekannte Songs zu hören!“

Kiefer Sutherland prostet den Fans zu

Kiefer Sutherland prostet den Fans zu. Bildrechte: Andreas Weihs


Mit „Blame It On Your Lyin‘ Cheatin‘ Heart“ kündigt der Sänger allerdings einen bekannten Hit und den für ihn „perfekten Countrysong“ an. Der war vor 25 Jahren in den USA schon mal ein großer Hit (sogar eine Nummer 1) mit Patti Loveless. Bei Sutherland klingt er 2018 rhythmusbetonter als das Original, und seine raue Gesangsstimme verschafft diesem Hit eine erdige und „kernige“ Attitüde. Ohrwurmcharakter!

Dass er an diesem Abend nicht in einer großen Arena auftritt, dass das Publikum übersichtlich ist, juckt den Hollywood-Star kaum. Im Gegenteil, man kann sich durchaus vorstellen, dass er diese (fast schon) Intimität auf dieser doch recht kleinen Bühne genießt. Er redet viel, erzählt Geschichten zu den Liedern und aus seinem Leben.

Kiefer Sutherland - Live

Kiefer Sutherland – Live. Bildrechte: Andreas Weihs


Mitten im Konzert ziehen Regenwolken heran. Dann tröpfelt das Nass vom Himmel und wird immer stärker. Cool schnappt sich Sutherland sein Whiskyglas und meint: „Holt eure Regenschirme und einen Drink“. Einige stellen sich daraufhin unter die schmale Bedachung, andere holen Regencapes und Schirme hervor. Der Rest wird einfach nass. Dann wird weiter gespielt: „The Bottle“, „Ways To Be Wicked“ und „This Is How Its Done“. Welch unschlagbar passende Hollywood-Dramaturgie: zu den krachenden, jaulenden Gitarren im Tom Petty Cover „Honey Bee” zucken grelle Blitze am Himmel. Besser hätte sich das kein noch so erfolgsgekrönter Regisseur einfallen lassen können. Der Gegensatz folgt auf dem Fuße: „All She Wrote“ ist eine düstere Ballade, wie einem Tarantino Film entlehnt. Dabei ist die Bühne in tief blutrotes Licht getaucht. Und wieder der eindrucksvolle Gesang, der Gänsehaut macht.

Zum Abschluß des regulären Sets kommt „Down In The Hole“, der Titelsong des ersten Albums, und hier sitzt der Hut wieder auf dem Kopf des Sängers, der damit symbolisch den Kreis schließt. Die Zugaben fallen an diesem Abend kompakt aus, die Band verläßt aufgrund des Regens dafür nicht einmal die Bühne, spielt einfach noch drei weitere Songs, einer davon eine Reminiszenz Sutherlands an seine Kindheit in Kanada und die Dylan-Platte, deren Lieder im 8-Track-Recorder im Auto seines Vaters rauf und runter liefen: „Knocking On Heavens Door“.

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