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Kiefer Sutherland gibt Vollgas im Backstage

Umjubeltes Konzert in München. Der Sänger, Songschreiber und Schauspieler in Höchstform.

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Kiefer Sutherland: Backstage, München Kiefer Sutherland: Backstage, München. Bildrechte: Stefan Winsel

Endlich war es so weit. Denn das für Februar ursprünglich geplante Konzert musste pandemiebedingt auf den 12.10.22 verlegt werden. Dass sich vor dem Backstage bereits mehr als eine Stunde vor dem Konzert eine lange Schlange bildet, war zu erwarten. Dass Kiefer Sutherland das Backstage zum Beben bringt, nicht unbedingt. Ist doch das aktuelle Album „Bloor Street“ geprägt von mainstreamigen Country-Rock und nicht mehr ganz rockig und rau wie die Alben davor. Aber in der Art und Weise, wie der kanadische Schauspieler und Singer-Songwriter seine Geschichten zum (Mit-Er-)Leben bringt verdient größten Respekt.

Mit „Ole‘ Lonely Life“ und „Can’t Stay Away“ eröffnete die 6-köpfige Band das knapp 90-minütige Konzert. Kiefer, den ungewöhnlichen Vornamen verdankt der 1966 geborene Sohn von Schauspielerlegende Donald Sutherland dem Nachnamen des Filmeregisseurs Waren Kiefer. Der Kultschauspieler u.a. bekannt aus „Space Cowboys“, „Mash“, „Die Jury“, „Die Tribute von Panem“ erhielt von Filmregisseur Kiefer 1964 seine erste Filmrolle.

In seiner Begrüßung versäumt es Sutherland nicht zu erwähnen, dass er sich unglaublich freut, nach über 2 Jahren endlich wieder in „Germany“ zu sein. In seinen illustren Anmoderationen zu seinen Songs blitzt sein Humor hervor und das Publikum quittiert die Pointen mit lautem Gelächter und Applaus.

Mit den nächsten Songs „Chaising The Rain“ (nachdem auch die Euro-Tour 2022 benannt wurde) über „Going Down“ und „Something You Love“ steigert die Band angespornt von dem ausgehungerten Publikum sichtbar ihre Spiellust. Die Leidenschaft Sutherlands wird mehr als sichtbar.

Das erste Drittel des Sets brachte das Backstage so langsam, aber sicher in Feierlaune und spätestens mit dem Titelsong des vorangegangenen Albums „Reckless Me“ sprang der Funke über.

In seinen Songs geht es fast immer um Herzschmerz, Alkoholabstürze, Schlägereien, Gefängnis und den ersten Kuss.

Kiefer Sutherland: Backstage, München

Kiefer Sutherland: Backstage, München. Bildrechte: Stefan Winsel


Drei Nummern später erzählte Sutherland dem aufmerksam zuhörenden Auditorium von dem Titelsong „Bloor Street“. Der Song ist eine Hommage an seine Heimatstadt Toronto. Die Bloor Street ist die Ost-West-Verbindung der kanadischen Millionenstadt. An der Kreuzung zur Yonge Street sei er quasi aufgewachsen, hatte dort seinen ersten Job, den ersten Kuss und – selbstredend – die erste Schlägerei. „Ich habe mein Leben echt genossen. Und es begann dort. Es ist mein Dankeschön, an diese Straßenecken für all das, was später in meinem Leben noch kommen sollte“. Immer wieder leitet er seine Songs mit seinen emotionalen Intro-Erzählungen ein: „Es ist kein Geheimnis, dass ich mir hier und da einen Drink gönne. Und als ich einmal allein in einer Bar in L.A saß und auf die Eingangstüre starrte, viel es mir wie Schuppen von den Augen. Es wird wohl kaum meine Traumfrau durch diese Tür kommen, genauso wenig der Regisseur, mit dem ich unbedingt arbeiten wollte. Ebenso wenig werden jetzt meine ganzen Buddys hier hereinspazieren und mit mir einen trinken. Es ist ok, wenn ich jetzt einfach aufstehe und gehe.“ Diese Erkenntnis haute den Schauspieler und Country-Rock-Musiker laut seiner eigenen Darlegung direkt von seinem Hocker.

Sutherland saß vor 15 Jahren für 48 Tage hinter Gittern. „Trunkenheit am Steuer“ lautete das Urteil und er erinnert sich, wie das damals im Knast war: „Es ist ja nicht so, dass es mir nur einmal passiert ist. Ich fühle mich so dämlich, dass es mir dreimal passiert ist“, sagte Sutherland mal in einem Interview. Im Song „County Jail Gate“ verarbeitet er seine Erinnerungen an die eigenen Aufenthalte hinter Gittern, indem er die Geschichte eines zur lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilten Kriminellen in dem Song beschreibt. Dabei lässt ihn vor allem das rostig-metallische Rattern des Gefängnistors nicht mehr los. „Dieses Geräusch löst etwas in mir aus, eine Mischung aus Scham, Demut und Ärger über mich selbst. Wenn du dieses Geräusch hörst, weißt du, dass es kein Zurück mehr gibt: Du gehst in den Knast.“

Die mit 4 Gitarren besetzte Band konnte in den satten, seitengeprägten Stücken der zweiten Hälfte des Konzertes ihre musikalischen Möglichkeiten, die hier und da durch country-typische Instrumentierung wie Steel-Guitar und Pedal-Steel ergänzt wurde, erst so richtig ausspielen. Die Partystimmung im gut gefüllten Backstage steigerte sich von Song zu Song und nahm mit den beiden Zugaben „Friday Night“ und „Agave“ ihren Höhepunkt.

Mit dem letzten Song des Abends „Agave“ wusste Sutherland besonders zu gefallen und entließ das begeisterte Publikum mit dem griffig-kratzigen Song in leicht lateinamerikanischen Rhythmen in den kühlen Oktoberabend. Schade, dass schon nach 85 Minuten Schluss war. Denn die gute Stimmung und das begeisterte Münchner Publikum hätten mehr verdient.

„Das Whisky-durchtränkte Country-Musik-Set des Actionstars ist wirklich ergreifend“, resümiert The Guardian in einer Kritik. Dem können wir nur zustimmen – ein Konzert, dass sich lohnt. Und wer die Gelegenheit hat, eines der noch anstehen Konzerte zu besuchen, sollte es unbedingt tun. Mainstream Country mit wunderschönen Storys, einer leidenschaftlich aufspielenden Band und einem Künstler, dem es gelingt, seine Lyrics nicht nur als Begleitwerk zu eingängigen Country-Rock-Rhythmen zu präsentieren, sondern seine authentischen Songs als stimmiges Gesamtwerk erlebbar zu machen.

Die nächsten Termine sind:

Wien 16.10.22
Linz 17.10.22
Hamburg 20.10.22
Köln 21.10.22

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