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Son Volt: Union

Jay Farrars "Son Volt" liegt mit Union wieder ein bestechendes Album vor, das die Analyse der heutigen Zeit mit dem Erbe zweier Ikonen des "anderen Amerika" verknüpft.

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Truck Stop 2019
Son Volt - Union Son Volt - Union. Bildrechte: Transmit Sound

Gerade haben wir die neuen Alben von Tom Russells, Todd Snider und „Our Native Daughters“ besprochen, da fällt unser Blick und unser Ohr auf den neuen Longplayer von „Uncle Tupelo“-Mitbegründer Jay Farrar. Union heißt das gute Stück seiner Band Son Volt und es ist eine ganz starke Sammlung von Songs. Und wie die drei Vorgenannten bringt es Gegenwart, Geschichte und Zukunft der USA in einen Zusammenhang, indem es immer wieder klar stellt, dass es aus der Perspektive der Benachteiligten geschrieben ist.

Zementierte Ungerechtigkeit

Das neunte Album von Son Volt zeigt Jays ganzes Können als Songwriter. Ohne belehrend zu werden, schreibt er eingängige Sonmgs mit treffenden Bildern zur Lage der Zeit. Los geht es mit „While Rome Burns“, das gesellschaftliche Widersprüche und den Wahn eines Nero als zwei Seiten derselben Medaille betrachtet. „The 99“ nimmt dann das aus der Occupy Wall Street-Bewegung stammende Bild der 99 Prozent auf, die den 1 Prozent Reichen und Mächtigen entgegenstehen. Aber diese 99 Prozent scheinen mittlerweile so machtlos zu sein, dass die Zustände, die Ungerechtigkeit zementiert.

Immer wieder stellt Farrar in seinen Songs die Frage „Hey, was passiert hier eigentlich?“ Er erzählt von der Whistleblowerin in NSA-Diensten Reality Winner, und stellt ihr einen US-Präsidenten gegenüber, der Gewinner wurde, weil er aus der Welt der Reality Shows bekannt war. Und mit „Union“ singt Farrar gleichsam den traurigen Schwanengesang auf den amerikanischen Traum. Das Land besteht aus Gegensätzen, definiert sich aus Gegensätzen: Stadt und Land, Liberale und Konservative, Privilegierte und Arme, Schwarz und Weiß. Soll da die einzige verbindende Klammer tatsächlich nur noch der Wehrdienst sein? Kein Wunder, dass sich „Lady Liberty“ da abwendet und die Frage gestellt werden darf, ob sie überhaupt noch da ist.

Bedrückende Bestandsaufnahme mit Hoffnungsschimmer und toller Musik

Es ist teilweise eine bedrückende Bestandsaufnahme, die jedoch durch schwungvollen Folk-Rock und klassischen Folk-Blues musikalisch fesselnd inszeniert wird. Aber es gibt es auch Hoffnung. „Slow Burn“ appelliert an Widerstand und Hoffnung und an den Lichtstrahl am Ende des Tunnels und „Devil May Care“ handelt von der Freude, Musik zu machen. Manchmal aus Trotz, manchmal als Rückzug. So können einem Teufel und Dämonen egal sein.

Den Abschluss bildet der meisterhafte Song „The Symbol“. Als Echo auf den berühmten Woody Guthrie-Song „Deportees“ angelegt, erzählt er die Geschichte eines Mexikaners, der beim Wiederaufbau von New Orleans nach „Katrina“ geholfen hat und nun unter den aktuellen fremdenfeindlichen Stimmung im Land leidet. Ein trauriger Abschluss eines Albums, das ziemlich schonungslos das benennt, das ist. Farrar – auch hier wieder unterstützt von Mark Spencer (Tasteninstrumente, Lap Steel) und Andrew DuPlantis (Bass), dazu vom Rückkehrer Chris Frame (Gitarre) und dem neuesten Mitglied Mark Patterson an Drums und Percussion- ist ein ebenso sorgfältiger Beobachter wie großartiger Wortschmied. Und steht damit seinem großen Vorbild Woody Guthrie kaum nach.

„Mother Jones“ und Woody Guthrie

Die Folk-Ikone und die Arbeiterführerin Mary Harris aka „Mother Jones“ sind gleichsam die „Paten“ des Albums. Ihr „Spirit“ steckt in jedem Ton. Und so sind sogar einige der Songs an mit den beiden Personen verbundenen Orten entstanden. Drei wurden im Mother Jones Museum in Mount Olive, Illinois, aufgenommen, fünf im Woody Guthrie Center, in Tulsa, Oklahoma.

Fazit: Jay Farrar hat ein Album als Kommentar zu einem auseinanderfallenden Amerika vorgelegt. Bestes gesellschaftskritisches Songwriting in der Tradition von Woody Guthrie & Co. Outstanding!

Son Volt – Union: Das Album

Son Volt - Union

Titel: Union
Künstler: Son Volt
Veröffentlichungstermin: 28. März 2019
Label: Transmit Sound
Vertrieb: Alive
Format: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 39:06 Min.
Genre: Americana, Folk

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Trackliste: (Union)

01. While Rome Burns
02. The 99
03. Devil May Care
04. Broadsides
05. Reality Winner
06. Union
07. The Reason
08. Lady Liberty
09. Holding Your Own
10. Truth To Power Blues
11. Rebel Girl
12. Slow Burn
13. The Symbol

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Über Thomas Waldherr (513 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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