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Thomm Jutz: To Live In Two Worlds

Das neue Album des deutsch-amerikanischen Musikers ist eine musikalisch perfekte Verbeugung vor der amerikanischen Folk, Blues- und Countrymusik.

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Thomm Jutz - To Live In Two Worlds Thomm Jutz - To Live In Two Worlds. Bildrechte: Mountain Music

Der Titel seines neuen Albums To Live In Two Worlds scheint gleich in mehrfacher Hinsicht maßgeschneidert für Thomm Jutz. Da ist zum einen sein Leben, auf zwei Kontinenten. Aufgewachsen im badischen Bühl hatte er mit 11 Jahren bereits das Erlebnis, dass sein Leben bestimmen sollte: „Ich sah Bobby Bare im Fernsehen, bei ‚It’s Country Time‘ mit Freddy Quinn“, erinnert sich Thomm. Nun war es um ihn geschehen. Fortan war die Country-, Bluegrass- und Folkmusik seine große Liebe. Doch zuerst studierte er klassische Gitarre in Stuttgart. spielte danach in Rock und Bluesbands und studierte Songwriting und Studiotechnik. Doch immer wieder zog es ihn nach Nashville, Tennessee.

Sein amerikanischer Traum findet Erfüllung

„Anfang der 2000er war ich wieder einmal mit meiner Frau in Nashville unterwegs, da war uns beiden klar: Hier wollen wir leben!“, erinnert sich Thomm. 2003 war es dann soweit, er bekam ein Einreisevisum und zog sofort nach Nashville. Hier überzeugte er mit seiner Musik, seinen Ideen und begann Fuß zu fassen, als Live- und Studiomusiker, als Produzent und als Songwriter. Seine Songs nahmen u.a. Nanci Griffith, John Prine und Kim Richey auf, on Tour war u.a. unterwegs mit David Olney und Mary Gauthier.

Heute lebt er mit seiner Frau in Mount Juliet, etwa 20 Meilen östlich von Nashville, hier hat er sein TJ Tunes-Tonstudio. Und lebt auch hier wieder in zwei Welten. Da ist zum einen der Auftragskomponist Thomm Jutz, der unzählige Melodien uns Songs für Film und TV geschrieben hat und da ist der Country- und Bluesgrassmusiker und Singer-Songwriter, der Songwriting unterrichtet, dessen Songs bei vielen Künstlern nachgefragt sind und der seine eigenen musikalischen Projekte verfolgt.

Film- und Fernsehkomponist, Singer-Songwriter, Produzent und Musiker

Singer-Songwriter – wie hat man sich das vorzustellen, Songs für andere zu schreiben? „Mehrmals in der Woche treffe ich mich mit Songwriter-Kollegen. Wir sind kreativ und befruchten uns gegenseitig. In diesen Runden entstehen viele Songs. Mittlerweile habe ich einen Katalogmit etwa 500 – 600 Songs“, erklärt der badische Amerikaner. „Wenn dann eine Anfrage kommt, schaue ich in den Katalog und wähle aus, was zum Künstler passen könnte. Schreiben auf Bestellung mache ich nicht“, stellt er klar. Auf diese Weise hat er, wie oben erwähnt, bereits einige bekannte Künstler beliefert. Seine eigenen Vorbilder als Songwriter sind Leute wie Norman Blake, Guy Clark und Townes van Zandt, aber auch Bob Dylan gehört dazu.

Und dann hat Thomm eben noch seine eigenen musikalischen Projekte. Im Laufe der Jahre hat er die amerikanische Folkmusik immer weiter in sich aufgesogen. „Es ist einfach meine Art. Als ich die Countrymusik kennenlernte, da wollte ich immer mehr wissen, was dahinter steckt und wo ihre Roots sind und da haben sich immer neue musikalische Verbindungen ergeben zu immer weiteren Musiker früherer Tage“, erklärt Thomm seine Faszination an dieser Musik. Und das macht klar, dass er auch als Musiker in zwei Welten lebt. Im Hier und Jetzt und in der amerikanischen (Musik)-Geschichte.

Erst vor wenigen Jahren beindruckte er mit dem Projekt „1861“. Zwischen 2011 und 2014 schrieb und produzierte Thomm Songs für das dreiteilige Albumprojekt. Als Künstler waren mit u.a. dabei Marty Stuart, John Anderson, Jerry Douglas, Maura O’Connell, Connie Smith, Chris Jones, Sierra Hull, Bobby Bare, Jason Ringenberg, Kim Richey und Hannah & Caroline Melby. im Mittelpunkt des von Kritik und Publikum gleichsam positiv aufgenommenen Projekts standen die Menschen, die zu dieser Zeit lebten, kämpften und unter ihr litten.

Das Album-Projekt war ein Meilenstein für Jutz. Musikalisch und auch als Amerikaner mit deutschen Wurzeln. „Thomm Jutz hat sich mit seinem Umzug in die USA einen Lebenstraum erfüllt und ist vor allem mit diesem Bürgerkriegsprojekt überglücklich, zumal er während der Vorbereitungszeit dazu die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt“, wie Walter Fuchs damals auf Country.de – Online Magazin schrieb.

To Live In Two Worlds – Vol. 1: Das Album

Nun hat Thomm Jutz ein neues Album vorgelegt, das erneut beweist, wie tief Jutz inzwischen in die amerikanische Populärmusik eingetaucht ist. Auf dem Album wimmelt es nur so voller Reminiszenzen an die frühen Stars der amerikanischen Old Time- und Blues- und Bluegrassmusik. Und dies indem er neue Songs kreiert, die aber genau von diese Personen, von ihren Lebensumstände und ihrer Musik handeln. In Gespräch mit country.de hat Thomm erläutert was ihn an einigen Künstlern, über die er in den Songs dieses Albums singt, so fasziniert.

Charlie Poole (Mill Town Blues)

Das Album startet mit „Mill Town Blues“, einer Reminiszenz an Charlie Poole, der mit seinen „North Carolina Ramblers“ stilbildend für die Old Time Musik der späten 1920er war. „Er prägte die ganz frühe Countrymusik, weil sein Banjospiel und die Musik mit seiner Band sehr eingängig und damit auch bei einem breiten Publikum erfolgreich waren“, sagt Thomm. „Mill Town Blues“ ist ein perfekter, temporeicher Einstieg in das Album.

Jimmie Rodgers (Jimmie Rodgers Rode A Train)

„Er wurde beim Big Bang der Countrymusik 1927 in Bristol, Tennessee/Virginia von Ralph Peer entdeckt und war der erste große Star des Country. Er war musikalisch für vieles offen, so hat er ja auch u.a. mit Louis Armstrong aufgenommen.“ Der Song von Thomm ist ein wunderschönes langsames Stück über den „Singin‘ Brakeman“, der aus einer Eisenbahnerfamilie von Meridian, Mississippi stammt, von schwarzen Bahnarbeitern den Blues gelernt hat und auch immer wieder über die Hobos sang, die auf den Güterzügen mitfuhren.

John Hartford (Hartford’s Bend)

„Mich fasziniert an ihm die totale Hingabe, mit der er spielt, auch er war für die Folkmusik stilprägend“. „Hartford’s Bend“ erzählt von der Liebe des Musikers, der sowohl einer der Väter des Newgrass, als auch einer der Hüter alter River Songs war, zur Dampfschiff-Kultur des Mississippi. Er wohnte in Madison, Tennessee direkt an einer Biegung des Cumberland River und funkte die Kapitäne der vorbeifahrenden Schiffe an. Dieser Ort wird heute noch in den offiziellen Karten zur Flussnavigation als „John Hartford Light“ bezeichnet.

Aber auch die Bluesmusiker Blind Willie McTell und Skip James werden von Thomm in „I Long To Hear Them Testify gewürdigt. Da spürt man wie sehr Jutz mit der Musik eins ist und sich wünscht, dabei gewesen zu sein, als sie gelebt und musiziert hatten.

Und er hat sogar ein Lied für den englischen Liedersammler Cecil Sharp geschrieben, der für sein bahnbrechendes Werk über den englischen Folksong bekannt ist und auch in den südlichen Appalachen in den USA unterwegs war, um Lieder zu finden. So hat er wiederum auch die Appalachenmusik beeinflusst. „Where The Bluebirds Call“ heißt der romantische Tribute-Song von Thomm.

Als Mitmusikanten sind auf dem Album neben anderen Justin Moses am Banjo und Mike Compton an der Mandoline zu hören. Zusammen mit Thomm Jutz entwerfen sie ein musikalisches und musikhistorisches Panorama, das großartig und vor allem auch sehr unterhaltsam ist. Etwas Vergleichbares lässt sich nur schwer finden.

Fazit: Dieses Album ist eine einzige große Verbeugung vor der amerikanischen Folkmusik und einiger ihrer wichtigsten Protagonisten. Eine, die großen Spaß macht und lehrreich ist. Man darf gespannt auf den zweiten Teil sein.

Thomm Jutz - To Live In Two Worlds

Titel: To Live In Two Worlds
Künstler: Thomm Jutz
Veröffentlichungstermin: 27. März 2020
Label: Mountain Music
Formate: CD & Digital
Laufzeit: 51:01 Min.
Tracks: 14
Genre: Americana

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Trackliste: (To Live In Two Worlds)

01. Mill Town Blues
02. I Long To Hear Them Testify
03. Calling Me Home
04. Where The Bluebirds Call
05. Moving Up, Moving On
06. Blind Alfred Reed
07. Hartford’s Bend
08. Jimmie Rodgers Rode a Train
09. The Old Road
10. Mighty Hard To Travel
11. Wilmer McLean
12. Shelton Laurel Valley
13. Yesterday And Tomorrow
14. What’ll They Think Up Last

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Über Thomas Waldherr (583 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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