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Michael Moravek: November

Der Singer & Songwriter legt ein musikalisch starkes Americana-Konzeptalbum rund um die Geschichte von Moby Dick vor und geht damit auf die Aktualität des Werkes von Melville ein.

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Michael Moravek - November Michael Moravek - November. Bildrechte: Backseat, Soulfood

Eine der wichtigsten amerikanischen Werke der Weltliteratur ist Herman Melvilles „Moby Dick“. Wer das 1851 veröffentlichte Werk nicht gelesen hat, kennt den Stoff zumindest aus der populären Verfilmung mit Gregory Peck. Der Roman war zu Melvilles Lebzeiten ein Flop. Heutzutage aber ist er ein Sinnbild für den Menschen in der bürgerlichen Zivilisation. Und deren dunklen Seiten und den Gefahren für den Einzelnen und die Menschheit. Der Musiker Michael Moravek hat die Geschichte so inspiriert, dass er einen Americana-Songzyklus für ein Theaterstück geschrieben hat. November heißt das kluge und ergreifende musikalische Werk.

„Moby Dick ist ein vor Realität berstender Abenteuerroman und zugleich ein enzyklopädisches Walkompendium, aber auch ein Werk, das die unheilvolle Prophezeiung von Faschismus und blinder Anhängerschaft hasserfüllter Führer vorwegnimmt. In dieser Geschichte steckt so viel, man könnte sagen, das menschliche Sein. Und da dies so ist, ist Moby Dick eine Inspirationsquelle für Songs“, so Moravek.

„Wir sehen nur die Oberfläche der Dinge“, schrieb auch Moraveks großer Kollege Bob Dylan über Moby Dick in seiner Nobelpreisrede 2017. Und tatsächlich: Hinter der Geschichte der Jagd das Kapitäns Ahab auf den weißen Wal steckt mehr. Die Pequod, das Schiff Ahabs steht für amerikanische Gesellschaft dieser Zeit in all ihren verschiedenen Ausprägungen von Nationalitäten, Ethnien und Religionen. Die Jagd auf die Wale ist in der Zeit der beginnenden Zivilisierung und Industrialisierung Amerikas in der Mitte des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in den USA. Und Ahab ist ein autoritärer Führer, der mit falschen Versprechen bedingungslose Anhängerschaft für seinen Vernichtungskrieg einfordert. Und damit erhält dieses ur-amerikanische Buch plötzlich wieder erschreckende Aktualität.

Moravek hat der Stoff zu 10 Americana-Songs inspiriert. Geschrieben hat er sie ursprünglich für das Bühnenstück „November In My Soul“, das er gemeinsam mit dem Schauspieler Bernd Wengert aufführt. Es ist eine „moderne Americana-Shanty-Musik“ die uns Moravek und seine Mitstreiter William Widmann (Schlagzeug), William Bruce Kollmar (Akustikbass), Ayu Requena Fuentes (Klavier, Orgel, Trompete) und Michael Huber (Posaune, Tuba) sowie Herbert Walser-Breuß (Trompete), Thomas Fuchs (Sounds) und Andrea Fuchs (Stimme) präsentieren. Eine Musik, die melodisch, und von den Arrangements her, deutliche Bezüge zu Vorbildern wie Bob Dylan, The Band oder Neil Young hat. Da hört man Töne, die einem von Dylans Mittsiebziger-Album „Desire“ oder auch aus dem Dylan’schen Spätwerk bekannt vorkommen. Es rumpelt schön wie bei „The Band“ und dann kommen wieder schöne Bläsersätze zum Folk-Rock hinzu.

So wie Dylan auf Desire mit „Black Diamond Bay“ den Untergang einer Insel und mit „Tempest“ auf dem gleichnamigen Album die Geschichte des Untergangs der Titanic als Allegorien benutzte, so ist Moby Dick für Moravek eine Möglichkeit das aufzuzeigen, was mit einer menschlichen Gemeinschaft – hier eine Schiffsbesatzung – passieren kann, wenn sie dem Wahn eines autoritären Führers – hier Ahab ausliefert. Die reale Versuchsanordnung können wir gerade in den USA studieren.

Und so sind die Songs allesamt an diesem Grundthema orientiert. Da geht es mit „What’s The Allegory gleich mit einem bösen Bild los. Damit sich der Schiffbrüchige retten kann, krallt er sich an den Sarg. Es musste also jemand sterben, damit er leben kann. In „Wicked Waves Of The Sins Of Man“ breitet Führer Ahab seine Ideologie der Jagd auf den weißen Wal aus. Und mit „Flooded By The Flood“ und „Lost At Sea“ entwirft Moravek düstere Panoramen von Menschen, die mit ihrem auf hoher See gestrandet sind. Die Salzwasser, Gewalt und Blut und ein finsterer Kapitän zusammenschweißen. Das ist hohe Songwriting-Kunst, verpackt in gefälligen Folk-Rock. Musik die gerade in diesen Zeiten der Horizonterweiterung dient.

Fazit: Moravek gebührt ein Lob für den Mut ein ganzes Americana-Album rund um Moby Dick zu komponieren. Es ist großartig. Ein wichtiger Kommentar zu den Krisenzeiten, in denen wir leben.

Michael Moravek – November: Das Album

Michael Moravek - November

Titel: November
Künstler: Michael Moravek
Veröffentlichungstermin: 28. Februar 2020
Label: Backseat
Vertrieb: Soulfood
Format: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 36:41 Min.
Tracks: 10
Genre: Singer & Songwriter, Americana

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Trackliste: (November)

01. What’s The Allegory
02. Wicked Waves Of The Sins Of Man
03. Jonah
04. Alone With Everyone
05. Leviathan
06. November In My Soul
07. Flooded By The Flood
08. If I Were The Ocean
09. Lost At Sea
10. Lights Of My Only Home

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Über Thomas Waldherr (561 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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