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Vor 50 Jahren Nummer 1: Johnny Cash – Sunday Mornin‘ Comin‘ Down

Am 10. Oktober 1970 stand Johnny Cash mit "Sunday Mornin' Comin' Down" auf Platz 1 der Hot Country Songs des Billboards.

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Johnny Cash - Sunday Mornin' Comin' Down Johnny Cash - Sunday Mornin' Comin' Down. Bildrechte: Columbia Records

Wir schreiben das Jahr 1970. Johnny Cash war auf der Höhe seines Erfolges. 1969 hatte er bei den Country Music Awards so ziemlich alles abgeräumt, was zu bekommen war. Er war Entertainer des Jahres, Sänger des Jahres, gewann mit „Johnny Cash At San Quentin“ das Album und mit seinem unvergesslichen „A Boy Named Sue“ die Single des Jahres. Zudem war er für die CMA mit Gattin June Carter auch für die beste Gesangsgruppe des Jahres 1969. Seine eigene Fernsehshow „The Johnny Cash Show“ war mit den Gästen Bob Dylan und Joni Mitchell am 7. Juni zum ersten Mal ausgestrahlt worden.

Als Kris Kristofferson in einer Lebenskrise nach seiner Scheidung für einige Zeit in einer heruntergekommen Unterkunft gewohnt hatte, vertrieb er sich die Zeit mit seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schreiben von Liedern. Das wohl berühmteste Ergebnis aus dieser Periode ist Sunday Mornin‘ Comin‘ Down, die wunderbar stimmungsvolle Beschreibung eines verkaterten Mannes an einem gewöhnlichen Sonntagmorgen. Bereits 1969 war Ray Stevens an das Lied gelangt und der Country-Komiker endete damit auf Platz 55 der Country-Charts.

Cash und Kristofferson hatten sich in den Columbia Aufnahmestudios kennengelernt, wo Kristofferson zwischenzeitlich als Reinigungskraft beschäftigt war. Er wollte Cash dieses Lied unbedingt zukommen lassen, wurde aber daran gehindert, mit der Drohung, dass man ihn feuern würde, wenn er Johnny Cash belästigen würde.

Und dann kommt eine Geschichte, die fast nicht zu glauben ist, aber Johnny Cash bestand in einem Interview mit Bill Flannagan in der Zeitschrift „The Musician“ darauf, dass es wirklich so war. „Eines Sonntagmorgen landete ein Hubschrauber in meinem Garten und brachte mir den Song“, erinnerte sich Johnny Cash. „Das ist wahr, Kristofferson fiel mit einem Bier in der einen und der Kassette in der anderen Hand aus dem Helikopter.“ Er habe gemurmelt, dass er dieses Lied schon irgendwie an mich bringen würde, fügte Cash hinzu, und er habe ihm dann gesagt, Chris solle reinkommen und er würde sich das Lied anhören. Man muss wissen, dass Kristofferson damals auch als Pilot jobbte.

Cash nahm das Lied auf, mit Erfolg: Am 10. Oktober 1970 erreichte „Sunday Mornin‘ Comin‘ Down“ Platz 1 der Country-Charts und blieb dort zwei Wochen lang. In den Pop-Charts wurde es noch eine 46, und die Country Music Association machte es zur Single des Jahres 1970.

Dieser Titel war und ist einfach zu schön, als dass er außer von Kris Kristofferson selbst nicht von anderen Kollegen gesungen worden wäre. Herrlich die lakonisch unterkühlte Version von Willie Nelson oder die eher dramatische Darbietung von Waylon Jennings. Auch Ray Price hat den Song auf einem Tribute-Album für den Autor einfühlsam interpretiert. Steve Earle hat ihn mit Kristofferson bei seinen Austin Sessions 1999 aufgenommen und Bobby Bare, der ja auch einige Lieder von Kristofferson gesungen hat, darf in der Aufzählung nicht fehlen. 2010 hat sich Jerry Lee Lewis auf „Mean Old Man“ des Lieds angenommen und die Highwaymen (Jennings, Cash, Nelson und Kristofferson) haben das Lied zusammen gesungen, wie man auf ihrer Live-CD „American Outlaws“, die 2016 erschien, hören kann.

Habe ich auch niemand vergessen in der Aufzählung? Richtig, 2005 nahm Johnnys Bruder Tommy Cash das Lied auf und vom Gitarristen Jerry Kennedy gibt es sogar eine instrumentale Version. Die einzige Frau, die „Sunday Mornin‘ Comin‘ Down“ interpretiert hat, ist Trisha Yearwood, und zwar 2008 auf einer Tribute-CD für Johnny Cash – ebenfalls mit Kristofferson. Und wenn Sie das Lied nicht kennen, hören Sie es sich an. Tun Sie das auch, wenn Sie sich daran erinnern, denn es ist immer wieder ein Genuss.

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Über Franz-Karl Opitz (740 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Traditional Country. News & Storys, Charts, Rezensionen.
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