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Sierra Ferrell: Trail Of Flowers

Beeindruckendes zweites Album der Singer & Songwriterin. Traditionsbewusst, realistisch, mal sentimental, mal böse.

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Sierra Ferrell Sierra Ferrell. Bildrechte: Rounder Records. Photo Credit: Bobbi Rich

Sie ist in keiner TV-Show gecastet worden und ihre Musik entspringt auch keineswegs irgendeinem Nashville-Hitlabor. Im Gegenteil: Sierra Ferrell hat Street-Credibility, Wildheit und musikalische Sensibilität. Mit viel Talent gesegnet, hat sie sich das aber jahrelang auf den Straßen und in den Clubs und Honkytonks von Nashville hart erarbeitet. So lange, bis die Leute von der Plattenfirma endlich auf sie aufmerksam wurden, so dass ihr Premieren-Album aus dem Jahr 2021 den durchaus beziehungsreichen Titel „Long Time Coming“ bekam. Der Longplayer bekam beste Kritiken.

Songs aus einer gefährlichen Welt

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Nun legt sie mit Trail Of Flowers ihr zweites Album vor. Und dieses Album kann wiederum nur sie machen. Auch diese Songsammlung entspricht nicht irgendeinem Marketing-Kalkül, sondern Sierra lässt uns an ihrer Welt teilhaben. Geschult durch den täglichen Überlebenskampf in einer gefährlichen Welt, die sie mit einer Gruppe junger, umherziehender Musiker in Truckstops, Gassen, Güterwaggons und auf den Straßen von New Orleans verbrachte. Da hat die in West-Virginia geborene und heute in Nashville lebende Künstlerin alle Spielarten des Americana aufgesogen.

Tradition und Zukunft

Und so verbinden sich bei Ihr das Bewusstsein von den amerikanischen Musiktraditionen mit ihrem eigenen Leben im kapitalistischen Amerika und die Hoffnung auf ein besseres Morgen in einer großartigen Performance. Die Geschichten bewegen sich dabei „zwischen Spelunken-Romanzen, Mörder-Balladen und fiebrigen Geschichten über den Kampf ums Essen“, schreibt die Plattenfirma. „Mit Trail Of Flowers wollte ich einen volleren Sound mit größeren Drums schaffen, aber dennoch dem reduzierten Gefühl von Old-Time-Musik treu bleiben, wann immer es sich richtig anfühlt. Ich wollte etwas erschaffen, das die Leute nostalgisch nach der Vergangenheit fühlen lässt, aber auch auf die Zukunft der Musik gespannt ist“, sagt Sierra zu ihrer neuen Songsammlung.

Der erste Track „American Dreaming“ ist ein amerikanischer Traum der nur noch verhalten optimistisch ist. Allein auf sich gestellt ist die Sängerin auf dem Weg zu sich selbst und in eine ungewisse Zukunft. Ein harter Weg zu dem es aber keine Alternative ist. Die Musik ist stark von Banjo geprägt, bekommt aber am Ende etwas hymnisches, Ohrwurmpotential hat der Song ohnehin.

„Dollar Bill Bar“ ist dann ein lakonischer Honky Tonk, der auch wieder ganz amerikanisch Geld, die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung zusammenbringt und sehr pragmatisch mit diesen umgeht. Bei „Fox Hunt“ wird die Musik durch das treibende Fiddlespiel erstmals schneller. Es geht darum, die Kinder und sich selber in einer unwirtlichen Gegen sattzukriegen. So modern die Produktion hier auch klingt, das Echo der uralten Appalachen-Balladen ist hier überall zu hören.

Realistisch und doch mit Hoffnung

Sehr gut werden ihre eigenen Songs durch einen Klassiker von Fiddlin’ Arthur Smith ergänzt. Der Song wurde 1936 erstmals aufgenommen und erzählt von der Zubereitung der verpönten Innereien, die bei armen Südstaatlern aber durchaus Zuspruch fand. Diese humorvolle, bizarre Geschichte mit ernstem Hintergrund ist genau das Metier von Sierra Ferrell.

Weitere Anspieltipps sind „Money Train“ und der Ohrwurm „Lighthouse”, die von Hoffnung und Liebe erzählen und doch immer auch um die Fehlerhaftigkeit der Menschen wissen und daher nie in kitschigen Schmalz abrutschen können. Für die Balance zwischen Hoffnung und Liebe, Entäuschung und Gewalt sorgt dann “Rosemary”. Das Stück ist eine böse Mörderballade aus der weiblichen Perspektive. Sierra Ferrell weiß um die vielfältigen und durchaus widersprüchlichen Traditionen ihrer Musik. Sie ist seit Gillian Welch die erste, die das mit solchem Realismus tut. Durch ihren schwarzen Humor wirkt es aber noch entschiedener und bodenständiger.

Fazit: Ihr zweiter Longplayer ist noch besser als das Debütalbum. So hört sich moderne Folk- und Americana Music an. Tradition, Gegenwart und Zukunft des „alten unheimlichen Amerika“ (Greil Marcus) verbindet Sierra Ferrell in einzigartiger Weise. Wunderbar!

Sierra Ferrell – Trail Of Flowers: Das 2024er Album

Sierra Ferrell – Trail Of Flowers

Künstlerin: Sierra Ferrell
Album: Trail Of Flowers
Veröffentlichung: 22. März 2024
Label: Rounder Records, Concord (Universal Music)
Formate: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 12
Genre: Americana, Country

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Trackliste: (Trail Of Flowers)

01. American Dreaming
02. Dollar Bill Bar
03. Fox Hunt
04. Chittlin’ Cookin’ Time In Cheatham County
05. Wish You Well
06. Money Train
07. I Could Drive You Crazy
08. Why Haven’t You Loved Me Yet
09. Rosemary
10. Lighthouse
11. I’ll Come Off The Mountain
12. No Letter

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Über Thomas Waldherr (806 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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