Immer noch treibt es Merle Haggard die Zornesröte ins Gesicht, wenn er auf Lefty Frizzell angesprochen wird, der für Hag ein großes, wenn nicht sogar das Vorbild gewesen ist. Trauer umflort seinen Blick und die Stimme wird ebenso nachdenklich wie vorwurfsvoll: “Es tut immer noch weh, daran zu denken. Lefty wurde von fast seinem gesamten Umfeld vergessen, ja im Stich gelassen. Ich bin mir sicher, dies hat wesentlich zu dem Schlaganfall beigetragen, der ihn das Leben kostete. Seine Gefühle waren tief verletzt worden, man hatte ihm alles genommen, wirklich alles. Seinen wachen Geist ebenso wie sein Geld und schließlich auch seine Songs. Er hätte ganz oben stehen müssen, stattdessen haben sie ihn zerstört. Gnaden- und rücksichtslos wurde seine Gutmütigkeit ausgenutzt. Lefty war ein sehr in sich gekehrter, angenehmer Mensch. Es hat ihn innerlich wohl so sehr angefressen wie man ihn behandelte. Er zog sich immer mehr zurück, wurde antriebslos, er sah keinen Sinn mehr im Leben. Er ist für mich an einem gebrochenen Herzen gestorben, so banal das klingen mag. In seiner Ehe klappte es nicht mehr, sein Ruf als Künstler zählte nicht mehr, die Musikindustrie hatte ihn abgeschrieben, er fühlte sich ausgenutzt und überflüssig. Das Leben machte für ihn keinen Sinn mehr. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, ist man anfällig, dann kann das Ende eine Erlösung sein. Ich könnte verzweifeln an der Tatsache, welches Talent die Industrie mit Lefty Frizzell verschleudert hat. Dabei war er ganz sicher noch nicht künstlerisch ausgebrannt, er war ja nur 47 Jahre.”
Bittere Worte eines Mannes, der wohl wie kein Zweiter die seelische Verfassung nachempfinden konnte, in der sich Lefty Frizzell befunden haben muss. Ein Diamant, dessen Wert zu spät erkannt wurde – wenn man ihn überhaupt jemals ermessen können wird. Eine Legende wird er inzwischen genannt, als einer der einflussreichsten Künstler der Country Music anerkannt – er selbst hatte nichts mehr davon. So sensibel er auch war, er blieb seiner Linie und seinem Naturell stets treu. Nie brach er aus der ursprünglichen Country Music aus, stets war das, was er sang (und teilweise selbst schrieb), “Country” und nichts anderes als “Country”. Selbst von Jimmie Rodgers beeinflusst, entwickelte Frizzell eine Art des Singens, die ihn unverkennbar machte und heraushob aus der Masse der “nur Country-Sänger”. Wenn ein Künstler von derartiger Bedeutung dennoch ganz einfach so vernachlässigt wurde wie Frizzell, ist das nicht zu begreifen. Nur wenige seiner doch recht zahlreichen klassischen Hits sind nach seinem Tod noch mal aufgegriffen worden. Eine kleine “Frizzell-Nostalgie” wurde in den 1980er Jahren durch die neuen Traditionalisten noch einmal ausgelöst.
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