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The Band (Biografie)

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The Band, vormals als „Levon and the Hawks“ Begleitgruppe des kanadischen Rockers Ronnie Hawkins, war eine perfekte gleichberechtigte Mischung aus fünf meist multi-instrumentellen Musikern: Den vier Kanadiern Garth Hudson (* 2. August 1937), Richard Manuel (* 3. April 1943, † 4. März 1986), Rick Danko (* 29. Dezember 1942, † 10. Dezember 1999) und Robbie Robertson (* 5. Juli 1943) sowie Levon Helm (* 26. Mai 1940) aus Arkansas in den US-Südstaaten.

Ronnie Hawkins ließ sich Ende der 1950er von dem damals blutjungen Helm eine ebenso junge Begleittruppe zusammenstellen. Gemeinsam mit Hawkins tingelten sie durch Bars und Absteigen, Juke Joints und Honky Tonks. Eine echte Ochsentour. Hier lernten sie alle Genres der amerikanischen Populärkultur kennen: Country, Blues, Rock’n’Roll und mehr. Ab Herbst 1963 gingen sie dann ohne Hawkins auf Tour. Aber erst 1965 begegneten sie dem Mann, der nicht nur ihre eigene Karriere, sondern die Richtung der gesamten amerikanischen Musik Mitte des Jahrzehnts schier revolutionierte.

The BandBob Dylan hatte gerade erst die Folk-Puristen mit seinem elektrifizierten Auftritt in Newport gegen sich aufgebracht und suchte für eine Konzertreise durch Kanada und die USA dringend eine Begleitcombo. Wirkten in ihr anfangs nur Robbertson und Helm mit, waren schon bald alle „Hawks“ mit an Bord. Die gemeinsamen Auftritte entpuppten sich jedoch bald als eine wahre „Tour de Force“ gegen die Teile des Publikums, die sich mit der Dylan’schen Wende zum Rock einfach nicht abfinden wollte. Jedes Konzert glich einem Ausnahmezustand mit lautstarken Pöbeleien und deftigen Schmähungen. Während Dylan gleichsam Honig aus diesen Konfrontationen zu ziehen schien, war das Levon Helms Sache nicht. Entnervt stieg er Ende 1965 aus und wollte sich gar ganz aus dem Musikgeschäft zurückziehen. Dylan und der Rest der Hawks zog 1966 dann durch die Welt, bis Dylan mit seinem Motorradunfall den Ausweg aus dem Rockzirkus fand.

Als dann die Hawks und Dylan von Frühjahr bis Herbst 1967 im Keller von „Big Pink“ unzählige Standards aus Country, Blues, Gospel und Folk sowie eine ganze Reihe von gemeinsame Eigenkompositionen spielten, war Levon wieder da. Man wollte und konnte einfach nicht auf ihn verzichten. Dies war die eigentliche Geburtsstunde von „The Band“. So nannten sie sich nun selbstbewusst, als sie 1968 ihr Debütalbum „Music From Big Pink“ vorlegten. Die Platte veränderte die Richtung des Rock: Den damals aktuellen Psychedelic-Klängen setzten sie eine ruhigere, aber umso kraftvollere, durch Country, Blues und Folk geerdete Art der Rockmusik entgegen. Mit dem Album „The Band“ gelang ihnen dann 1969 auch kommerziell der Durchbruch. Von vielen wurde es aufgrund seiner Bedeutung und in Anlehnung an die Beatles auch als „The Brown Album“ genannt. Größter Hit daraus wurde „The Night They Drove Old Dixie Down“. Geschrieben hatte das Stück Robbie Robertson, der als Songwriter für einige der bekannten Songs der „Band“ stand.

Im selben Jahr gaben sie in San Francisco im legendären „Winterland“ ihr Live-Debüt als „The Band“. Beim „Isle Of Wight-Festival“ traten sie nochmals als Bob Dylans Begleitgruppe auf, und sie waren beim legendären Woodstock-Festival dabei. „The Band“ waren auf dem ersten Höhepunkt ihres Schaffens. Die Jungs waren Anfang der 1970er ständig auf Tour – ein eindrucksvolles Zeugnis legt der Film „Festival Express“ (1970) von einer gemeinsamen Tour mit Janis Joplin und den Country-Rockern „The Flying Burrito Brothers“ ab. Die Bühne war ihre Berufung und dort schienen sie viel stärker sie selbst zu sein, als im Plattenstudio. Und so ist denn auch das Live-Album „Rock of Ages“ von 1971 ihre beste Platte der frühen Siebziger. Es steht exemplarisch für Live-Kunst der Gruppe, für das Gesamtkunstwerk „The Band“, als perfekt aufeinander abgestimmte Einheit von Einzelkönnern. 1973 erschien dann „Moondog Matinee“, ihre Hommage an ihre Vorbilder und den Songs der 1950er und frühen 1960er Jahre. Doch ihre eigene Entwicklung als „recording artist“ schien in einer künstlerischen Sackgasse zu stecken.

Wieder einmal war es die Zusammenarbeit mit Bob Dylan, die von dieser Situation zumindest ablenkte. 1973 hatten sie mit ihm bereits die Platte „Planet Waves“ eingespielt, Anfang 1974 starteten sie mit ihm auf seine große Comeback-Tournee, die erste USA-Konzertreise Dylans seit Ende 1965. Sie wurde ein rauschendes Fest, dokumentiert auf dem Live-Mitschnitt „Before The Flood“. Dylan & The Band in Bestform! Im Studio aber stagnierte „The Band“ in diesen Tagen weiter. Die beiden Alben „Northern Cross, Southern Lights“ und „Islands“ waren keine großen Würfe. Stattdessen arbeitete beispielsweise Robbie Robertson als Produzent von Neil Diamond. Robertson war es auch, der den Deal mit dem Abschiedskonzert einfädelte. Was unter dem Namen „The Last Waltz“ als bester Konzertfilm aller Zeiten in die Rockgeschichte eingehen sollte, war hinter den Kulissen nichts anderes als das Auseinanderbrechen von „The Band“ in seiner bisherigen Form. Nicht „The Band verabschiedeten sich von der Bühne, sondern Robertson von „The Band“. Levon Helm schildert in seiner Autobiographie „This Wheel’s On Fire“ über die unangenehme Kontroversen zwischen Robertson und ihm. Doch er und die anderen Mitglieder der Band fügten sich. Robertson holte Martin Scorsese und Konzert-Impresario Bill Graham ins Boot. Heraus kam ein eindrucksvoller Film mit einem absoluten Staraufgebot. Tolle Auftritte von Joni Mitchell, Neil Young, Van Morrison, Eric Clapton und Bob Dylan sowie eine eindrucksvolle gemeinsame Performance von „The Band“ mit Country-Star und Bluegrass-Queen Emmylou Harris („Evangeline“). Der Film hat nur einen Schönheitsfehler: Robertson wird als eine Art Bandleader inszeniert, der er so nicht war.

Wie auch immer, vorerst war die Geschichte von „The Band“ zu Ende. Robertson sollte nie mehr in den Schoß der Gruppe zurückkehren, da wurde wohl rund um „The Last Waltz“ zu viel Porzellan zerschlagen. So beklagte sich beispielsweise Levon Helm später darüber, dass Robertson sie um gemeinsam erarbeitete Copyrights gebracht habe. Die Solopfade der einzelnen Band-Mitglieder verliefen unterschiedlich. Am erfolgreichsten waren sicherlich die beiden Antipoden der Gruppe. Robbie Robertson arbeite weiterhin als Produzent, wagte sich als Schauspieler und Komponist ins Film-Metier und festigte mit nur drei Soloplatten – „Robbie Robertson“ (1987), „Storyville“ (1991) sowie „Contact From The Underworld Of Redbo“ (1998)y– seinen Ruf als intellektueller Songwriter. Darüber hinaus beschäftigte er sich als Sohn eines Juden und eine Mohawk-Indianerin verstärkt mit seinen indianischen Wurzeln. Levon Helm, der im Grunde immer nur der Südstaaten-Junge sein wollte, der ehrliche bodenständige Musik macht, veröffentlichte einige Solo-Platten und ließ aufhorchen, als auch er ins Filmgeschäft strebte. An der Seite von Sissy Spacek spielte er in „Coal Miners Daughter“ und neben Sam Shepard in „The Right Stuff“. Auch Rick Danko und Garth Hudson arbeiten weiter im Plattenstudio, während Richard Manuel am meisten unter der Trennung litt und so recht kein Ziel mehr im Leben fand. Tragischerweise setzte er nur wenige Wochen nach Beginn einer Band-Comeback-Tour (ohne Robertson) am 4. März 1986 seinem Leben durch Selbstmord ein Ende. Es war auch das zweite vorläufige Ende von „The Band“.

Auslöser für die zweite Band-Reunion war wohl das 30-jährige Plattenjubiläum von Bob Dylan 1992 im Madison Square Garden. Hudson, Helm und Danko schlossen sich nun mit dem Gitarristen Jim Weider, dem Drummer Randy Cialante und dem Pianisten Richard Bell zu einer neuen Formation unter dem Namen „The Band“ zusammen. Mit „Jericho“ (1993), „High On The Hog“ (1996) und „Jubilation“ (1998) veröffentlichte diese Gruppe dann noch drei Alben, die eindrucksvoll durch jede Rille Americana atmeten, die zeigten welch stilsichere und spielfreudige amerikanische Musikanten da am Werk waren. Doch auch diese Reunion endete tragisch. 1999 verstarb Rick Danko, deutlich sichtbar vom Drogenkonsum gezeichnet, den er zuletzt nicht mehr in den Griff bekommen hatte. Das Kapitel „The Band“ war damit endgültig beendet.

Während Robertson in den letzten Jahren beruflich hauptsächlich als Produzent, Talent-Scout und Repräsentant in der Plattenindustrie tätig ist, kümmert er sich daneben weiterhin um die Situation der nordamerikanischen Indianer und versucht, auf deren zum Teil prekäre Lage aufmerksam zu machen. Garth Hudson ist bis heute als Studiomusiker aktiv, hat 2001 seine erste (!) Soloplatte veröffentlicht und danach auch eine Live-Platte mit seiner Frau Maud. Daneben gibt er Musikunterricht.

Levon Helm hat wohl im Moment die stärkste öffentliche Präsenz. Nachdem er 1996 an Kehlkopfkrebs erkrankte, verlor er seine Stimme. Doch es gelang ihm, die Krankheit zu besiegen und das Singen wieder zu lernen. Umso eindrucksvoller geriet 2007 sein Comeback mit „Dirt Farmer“, einer Hommage an seine Heimat Arkansas mit viel Country, Folk und Old-Time-Music. Die Platte bekam einen Grammy für das beste traditionelle Folk-Album. Zudem hat in seinem Wohnort Woodstock ein Plattenstudio und einen kleinen Konzertraum errichtet, indem er befreundete Musiker zu gemeinsamen Sessions vor Publikum einlädt, den so genannten „Midnight Rambles“. Und er ist weiterhin immer wieder mal mit Live-Auftritten unterwegs, zu seiner Tourband gehören unter anderem seine Tochter Amy sowie Larry Campbell, der jahrelang mit Bob Dylan getourt war. Auch das Filmen kann er nicht lassen, so wirkte er 2005 in „Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“, 2007 in „Shooter“ und zuletzt „In The Electric Mist“ (2008) mit.

Unterm Strich haben „The Band“ und jeder einzelne von ihnen Großartiges für die amerikanische Populärmusik geleistet. Sie haben den Rock der 1960er mit Country-Einflüssen geerdet und alle musikalischen Traditionslinien immer wieder gebündelt. Es ist keine Übertreibung, sie als die Urväter des „Americana“ zu bezeichnen.

   
The Band
CD: „The Band“
Erscheinungsdatum: 1969
Label: Capitol (EMI)

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Trackliste:

01. Across The Great Divide
02. Rag Mama Rag
03. The Night They Drove Old Dixie Down
04. When You Awake
05. Up On Cripple Creek
06. Whispering Pines
07. Jemima Surrender
08. Rockin‘ Chair
09. Look Out Cleveland
10. Jawbone
11. The Unfaithful Servant
12. King Harvest (Has Surely Come)

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