Stimmen, bei denen es einem schön kalt den Rücken runter läuft, sie sind selten geworden in der Country Music. Selbst altgedienten Fans fällt es oft schwer, einen Interpreten direkt am Gesang zu erkennen. Okay, eine gute oder schöne Stimme zu haben, das kann so mancher Sänger unwidersprochen von sich behaupten – es genügt aber meist nicht, um ein Großer seiner Zunft zu werden. Denn das allein verursacht noch nicht das wohlige Kribbeln. So wie es bei Vern Gosdin der Fall war. Völlig zu Recht nannte man ihn gern “The Voice” als stimmliches Pendant zu Frank Sinatra, Gosdin’s Spezialität war “Heart and Soul Country”. Seit dem 28. April 2009 ist diese Stimme verstummt. Für immer! Wieder muss die Country Music um einen Stilisten trauern, der dieser Musik viel gegeben hat, ohne dass er zu den Superstars zu rechnen gewesen wäre. Es sind oft nicht die in der Popularität ganz weit vorn rangierenden Menschen, die dem Feld, in dem sie tätig sind, einen Stempel aufdrücken, der Generationen überdauert.
Kaum ein anderer Countrysänger konnte derart viel Gefühl in die Stimme legen und über sie zum Ausdruck bringen wie dieser Vern Gosdin. Wobei er das feine Gespür dafür hatte, nicht zu überzeichnen und damit eher unglaubwürdig zu werden. Gosdin sah sich als einen zeitgenössischen, modernen Sänger mit traditionellem Background, von dem er sich nie lösen wollte. Sein Statement dazu: “Ich singe meine Songs mit dem herzen, total von innen heraus. Es spielt keine Rolle, welchen Namen man dieser Musik dann gibt.” Niemand sang so brutal ehrlich wie Vern Gosdin! Wobei er in der Lage war, soviel Leben in seine Songs zu packen, dass Fans und Kritiker von “der Stimme mit Erfahrungen” sprachen. Erfahrungen, die er als seriöser Mensch sammelte – auch dies hob ihn aus einer Reihe viele Stars seiner Generation hervor. Es gibt keinen Zweifel daran, dass er einer der großen Stilisten der Country Music war.
Seine Zeit war gekommen als sich die Country Music Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wieder der traditionelleren Klänge eines Lefty Frizzell, Ray Price, George Jones erinnerte. Genau die Musik, die Vern Gosdin bevorzugte, die er aus der Jugend her kannte, die aber mehr als eine Generation lang aus der Mode gekommen war.
» Weiterlesen