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The Twang: A Guide To Modern Country Living

7. März 2010 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Eigentlich ist es ganz einfach – in der Praxis aber so schwer. Man suche nach einer Nische, habe eine Idee, wie man diese ausfüllen kann und setze das Ganze in die Tat um. Tut man dies zum richtigen Zeitpunkt mit dem nötigen Glück, ist der Erfolg garantiert. Ein Beispiel dafür ist The Twang.

Vor inzwischen schon reichlich einem Jahrzehnt wagten sie erste Veröffentlichungen, bei denen man spontan die Ohren ganz weit öffnete. Die Songs kannte man, nicht aber die “Bearbeitung”. Pop Songs gekleidet in einen Country Sound. So attraktiv arrangiert und vorgetragen, dass man mehr davon hören wollte. Anfangs vielleicht noch belächelt, strickte “The Twang” weiter an den neuartigen musikalischen Kleidern, in denen man die Songs auf den Laufsteg schickte. Sehr zum Gefallen des Publikums. Prompt fanden sich bald Nachahmer, die teilweise sogar größere kommerzielle Erfolge feiern konnten – aber nur vorübergehend.

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Josh Turner: Ein Hinterwäldler erobert die Charts

25. Februar 2010 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Man hört oft ein Bedauern darüber, dass die Country Music unserer Tage – wieder einmal – zu sehr abdriftet in die lukrativen Pop- und Rock-Pfründe. Befürchtungen sind da, sie könnte irgendwann ganz weggespült werden. Auch ich gehöre zu denjenigen, die die Entwicklung bedauern, habe aber keine Befürchtungen um ihren Fortbestand. Dazu ist die Country Music im Kern zu vital. Die Geschichte zeigt, dass es fast turnusmäßig Selbstheilungsprozesse gegeben hat. Meist stellt sich ein Umdenken ein, wenn der Fan – der Kunde also – die gelbe Karte zeigt und deutlich macht, dass man dessen überdrüssig ist, was als “country” angeboten wird.

Bange muss es einem auch deshalb nicht sein, weil es nach wie vor Künstler gibt wie diesen Josh Turner. Jung, gut aussehend, mit reichlich Talent gesegnet und vor allem erfolgreich. Der junge Mann ist bemüht darum, so nah wie möglich bei den Wurzeln der Country Music zu bleiben und sie dennoch in einem modernen, attraktiven Kleid zu präsentieren. Das kommt an, das macht Mut.

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Joe Nichols und sein langer Anlauf

14. Februar 2010 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Manchmal dauert’s länger – diese Erfahrung musste auch Joe Nichols machen. Das ist nichts Ehrenrühriges, denn wenn sich der Erfolg erst nach einer Durststrecke und harter Arbeit allmählich einstellt, wird er meist dauerhafter. Deshalb ist es nicht zu verstehen, warum in so manchem Bericht über Nichols das erste Album aus dem Jahre 1996 keine Erwähnung findet und man sein erstes Album für Universal South aus dem Jahre 2002 als sein Debüt bezeichnet.

Fakt ist, dass sich Nichols erst ab 2002 so richtig in Szene setzen konnte. Denn das Album enthielt die Single “The Impossible” (kletterte bis auf Platz 3 bei Billboard) und seine erste Nr. 1 “Brokenheartsville”. Das Album selbst wurde mit Platin ausgezeichnet. Seither gehört Joe Nichols zu den Stars der traditionelleren Country Music. Doch dazu war ein langer Anlauf mit so manchem Schlagloch zu bewältigen gewesen …

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Coral Pink: Coral Pink

11. Februar 2010 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Was die Countryszene in Deutschland derzeit mehr denn je braucht, sind neue Impulse und neue Hoffnungsträger. Ansätze dazu gibt es schon, ob sie sich entwickeln und letztlich durchsetzen können, wird sich zeigen. Ein Hoffnungsträger heißt Carina Hager. In München beheimatet, versucht sie mit ihrem Umfeld seit einigen Jahren beharrlich etwas aufzubauen, das Qualität hat, Authentizität und möglichst erfolgreich werden soll.

Mit ihrer Gruppe “Simple Union” ist sie bereits auf einem vielversprechenden Weg. Hier dürfen wir demnächst auch ein neues Album erwarten. Unterdessen hat sie mit Coral Pink ein zweites Standbein gestartet. Zunächst mit Franz Offergeld als Duo begonnen, wurde durch Drummer Hannes Weigend ein Trio daraus. Wohin die Reise gehen soll, wird mit diesem Album angedeutet.

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Alison Krauss: Warum ist sie kein Superstar?

25. Januar 2010 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Der breiten Öffentlichkeit ist sie immer noch kein Begriff. Kenner und Insider hingegen schnalzen mit der Zunge, wenn ihr Name fällt. Was sie auch anpackt, es hat Qualität. In ihrem Haus finden sich 26 der begehrten Grammy Awards – keine andere Künstlerin hat bisher mehr bekommen. Ausgestattet mit soviel künstlerischem Talent, das für mindestens drei von uns “normalen” Menschen reichen würde, versteht sie es meisterlich, dieses Talent auch zu nutzen. Gerade mal 38 Jahre alt, gehört sie seit nun schon fast 25 Jahren zu den meistbeschäftigten und ebenso bewunderten Künstlerinnen aus Nashville. Sie bringt alle Eigenschaften für einen Superstar mit und ist dennoch bisher keiner geworden. Die Frage, warum nicht? Lässt sich leicht beantworten: Weil sie es gar nicht will.

Alison Krauss – eine ganz und gar ungewöhnliche Künstlerin. Seit dem 14. Lebensjahr ist die Musik ihr Beruf, ihre Karriere verlief bisher nur in eine Richtung – nach oben. Über ihr Privatleben ist nicht viel bekannt geworden, Skandälchen hatten in ihrem Zusammenhang keine Chance, ein Thema für die Regenbogenpresse war sie nie. Dafür umso mehr für die Fachpresse, die sie seit ihrem Auftauchen in der Szene mehr oder minder enthusiastisch feiert.

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Make The World Go Away: Hank Cochran

20. Januar 2010 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Storys zum Song

Cochran erzählt, er habe die Idee zu diesem Lied im Kino bekommen. Warum dies so war, kann er sich nicht erklären, denn der Film hatte mit der Thematik überhaupt nichts zu tun.

Was tut man, wenn man überzeugt ist, einen richtig guten Song im Kopf zu haben? Man sucht sich einen Ort, an dem man die noch frische Idee zu bearbeiten. Hank Cochran verließ also sehr zum Unmut seiner damaligen Freundin das Kino und fuhr heim. Als er dort ankam, hatte er das Lied im Kopf bereits fertig, musste es nur noch aufschreiben.

Cochran war von diesem Song absolut überzeugt und fuhr gleich am nächsten Morgen in den Musikverlag. Doch sein Boss Hal Smith teilte Cochran’s Enthusiasmus überhaupt nicht. Smith schimpfte, dies sei der schlechteste Song, den Cochran ihm bisher angeboten hätte, den Niemand würde sich die Welt weg wünschen.

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Hillbilly Deluxe: File Under Country

10. Dezember 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Sie bezeichnen sich selbst als “Germany’s hardest working Country Band” – die Behauptung mag dahingestellt bleiben. Zumindest haben sie an diesem Album kräftig gearbeitet. Was sich gelohnt hat, denn dies ist solide, handwerklich gut gemachte Country Music. Zehn der zwölf Songs wurden selbst geschrieben – auf die beiden Cover-Versionen (“Jackson” und “Six Days On The Road”) hätte man verzichten sollen. Im Vergleich mit den Originalen und anderen Versionen schneidet man einfach schlechter ab.

Da hören sich die eigenen Songs der Band durch die Bank besser an und ein Vergleich mit anderen Versionen ist ausgeschlossen. Bei “Marie Laveaux” handelt es sich nicht um den großen Bobby Bare-Hit sondern ebenfalls um ein Eigengewächs von Hillbilly Deluxe. Die Songs erzählen das, was man von “country” erwartet – Geschichten und Geschichtchen aus dem Alltag, musikalisch geschickt verpackt mit unterschiedlichen Steel-Elementen. Der Sound ist auf die Band zugeschnitten, es gibt Honky Tonk, Cajun, mal eine Prise Johnny Cash Beat, auch dezente Swing-Einflüsse und meist flott.

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Cincinnati Ohio: Bill Anderson

9. Dezember 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Storys zum Song

Bill Anderson ist einer der erfolgreichsten Autoren und Sänger der Country Music. Ihm verdanken zahlreiche Künstler beachtliche Hits. Eine besondere Beziehung hat Anderson zu Connie Smith, denn er entdeckte die seinerzeit völlig unbekannte Hausfrau und Hobby-Sängerin aus dem Nachbarstaat von Ohio, aus Elkhart in Indiana. Anderson ermutigte sie, nach Nashville zu kommen und schrieb ihr zahlreiche erolgreiche Songs sozusagen auf den Leib. Mit “Once A Day” – natürlich von Bill Anderson geschrieben – startete sie ihre Karriere (die bis heute anhält) gleich mit einem Hit – “Cincinnati, Ohio” war einer ihrer größte Erfolge, auch wenn der Song nie Platz 1 belegte. Auf No. 4 endete der Höhenflug des Songs 1967.

Eigentlich gibt es gar keine besondere Geschichte um die Entstehung des Songs – aber vielleicht ist das das besondere daran. Denn, so erzählte mir Anderson, er hat das Lied tatsächlich in Cincinnati geschrieben. Die Idee kam ihm als er in Cincinnati zwischen landete und daran dachte, dass er dort einige echte Freunde hatte. “Ich hatte etwas Zeit bis zum Weiterflug aber nicht genug, um einen meiner Freunde dort zu besuchen. Das Wetter war angenehm, deshalb ging ich aus dem Flughafengebäude, um mir draußen die Füße zu vertreten. Da geisterte mir die Zeile im Kopf herum: “… about some friends I know in Cincinnati, Ohio”. Während ich so auf und ab ging, sah ich in meinen Gedanken den alten Highway 42, den ich öfter gefahren war. Wenn man aus Richtung Louisville kommt, versperrt einem ein Hügel die Sicht auf die Stadt Cincinnati. Erst wenn man drüber kommt, springen einem vor allem abends die Lichter der Stadt fast entgegen. Das führte dazu, dass ich diese Gedanken in einen Song verarbeitete, dem ich der Einfachheit halber den Namen der Stadt gab.”

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Wild Bunch: Come On / Nach vorn

9. Dezember 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Neu ist die Idee zwar nicht, ungewöhnlich, weil sehr selten ist sie dennoch. Und richtig gut umgesetzt. Nahezu perfekter Kundendienst, wenn man so will. Das Album wird in zwei Versionen gleichzeitig angeboten. Es handelt sich um die gleichen Songs bzw. Lieder, einmal in englischer und einmal in deutscher Sprache. Noch dazu inhaltlich völlig unverändert. Mit einer Ausnahme – der Elvis-Klassiker “Don’t Be Cruel” wurde nicht übersetzt. Es ist auch der einzige “Fremd-Song”. Alle anderen Stücke sind Originale, größtenteils von der Gruppe selbst geschrieben. Wäre interessant zu erfahren, ob die Lieder erst in Englisch geschrieben und dann ins deutsche übertragen wurden oder umgekehrt. Für die meisten Songs zeichnet Band-Mitglied Marko Müller verantwortlich.

Mit diesen beiden CDs setzt Wild Bunch einen Weg fort, der vor fast 25 Jahren im Sauerland begann. Mit Zähigkeit, Zielstrebigkeit, Akribie, Fleiß, mit Musikalität, Talent und Ideenreichtum hat sich Wild Bunch zu einer der besten deutschen Country Bands hochgearbeitet. Der Gruppe um die Gründungsmitglieder Katja Picker und Uwe Streletz ist es gelungen, mit einer angenehm anzuhörenden Mischung aus traditionellen und modernen Elementen sowie Anleihen bei Rock und Pop einen eigenen Sound zu finden, an dem man sie gleich erkennt. Und den das Publikum live gerne hört. Auch international ist Wild Bunch erfolgreich.

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Stonewall Jackson: Waterloo, B.J. der D.J. und ein Hund namens Boo

16. November 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Aus den Schlagzeilen ist er schon lange raus, einmal abgesehen von seinem öffentlich ausgetragenen Streit mit der Grand Ole Opry. Wir haben es auch nicht mit dem berühmten Südstaaten-General zu tun (dessen richtiger Name lautet übrigens Thomas Jonathan) sondern mit dem Countrystar Stonewall Jackson. Es ist kein Künstlername, seine Eltern tauften ihren am 6. November 1932 in Tabor City, North Carolina geborenen Sprössling aus Verehrung für den legendären Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg auf diesen Namen.

Einen harten Weg hatte er zu gehen, ehe ihm zahlreiche Hits gelangen, über die sich 17 Jahre lang nicht nur seine Plattenfirma Columbia Records freute. Aber auch für ihn ging es dann wieder bergab. Er fand sich in jenem Abteil wieder, in dem sich die Großen von gestern und vorgestern auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen bzw. müssen. Wie gut, dass man sie wenigstens in der Grand Ole Opry nicht häufig aussortiert. Deren Mitglied war Jackson von 1956 bis hin zu eben jenem Streit …

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Ulli Möhring: T.U.N.

7. Oktober 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Ulli Möhring ist fast so lange in der Country Music aktiv wie ich selbst. Die Bedeutung liegt auf “Aktiv”, denn solange ich ihn kenne hat er nicht nur neue Ideen sondern auch den Willen und das Durchhaltevermögen, diese zu realisieren. Dabei landet man automatisch schon mal in einer Sackgasse – Möhring hat bisher immer einen anderen, weiter führenden Weg gefunden. Sowohl als Künstler wie auch im sonstigen Leben – er lebt nicht allein von der Musik, von seiner Musik sondern er hält Seminare ab, die u.a. etwas mit Motivation zu tun haben. Der Begriff “tun” spielt dabei eine entscheidende Rolle, dieses kleine Wort wird in Möhring’s Leben ganz groß geschrieben. Der Begriff “Gedankendoping” – gleichzeitig Titel eines Seminars – hat für das Album Pate gestanden.

Wie es zu dem Titelsong und damit letztlich auch zu diesem Album kam, erzählt Ulli Möhring sehr anschaulich im der CD beigegebenen Booklet. Allein diese Story ist so ungewöhnlich wie die Musik dieses “Nordlichtes”. Okay, längst nicht Alles ist neu, denn von den 14 Songs kennen wir 11 bereits von seinem vorherigen Album “Leben”. Doch “T.U.N.” nur als Remake von “Leben” zu bezeichnen, wäre falsch, denn die drei neuen Songs (oben mit * gekennzeichnet) geben der CD zusätzlich richtig Pfeffer mit. Hinhören, denn Möhring hat etwas mitzuteilen! Erstaunlich, was allein die Umstellung der Reihenfolge der Songs bewirken kann.

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Rub It In: Laying Martine Jr.

6. Oktober 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Storys zum Song

Der Song ist fest mit seinem Interpreten Billy Crash Craddock verbunden – es war seine erste Nr.1. Kaum ein anderer Künstler hat diesen an sich unscheinbaren Song noch aufgenommen, keine andere Version hat es zu einem Hit gebracht.

Zuerst nahm der Autor selbst dieses Lied auf, es tat sich nichts für ihn. Fast war das Ding, dem man nichts zutraute, schon vergessen. Dann erbrachte er den beweis, dass man manchmal nur auf den richtigen Interpreten warten muss. Doch der Reihe nach.

Laying Martine lebte noch an der Ostküste in Connecticut als er zu dem Lied veranlasst wurde. An einem wunderbaren heißen Sommertag nahm Jemand in der Nachbarschaft ein Sonnenbad und fragte dabei in die Runde, indem er ein Fläschchen Sonnenöl in der Hand hielt, ob einer ihm das Zeug einreiben könne. Das animierte den ebenfalls relaxenden Martine dazu, zur Gitarre zu greifen und drauflos zu singen: Reib es ein, reib es ein, reib es ein …

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Rattlesnake Annie: International Fusion Projekt

8. September 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Wer sie kennt und schätzt, der weiß, hier erwatet den Hörer kein “normales” Album. Der Titel verrät schon eine Menge. Rattlesnake Annie hat etliche Jahre in aller Welt an diesem Album gearbeitet. Sie ist eine Kosmopilitin par excellence, solange ich sie kenne war es ihr ein wichtiges Anliegen, hinaus in die Welt zu gehen, um mit Menschen aller Hautfarben, Religionen, Kulturen zu kommunizieren. Sie glaubt fest daran, dass Musik, egal wohin man sie einordnet, ein ideales Mittel ist, Freundschaften zu schließen, Brücken zu schlagen und in Frieden miteinander zu leben, auch wenn man die Sprache des jeweils Anderen nicht versteht. Rattlesnake Annie hat oft erlebt, dass sie damit richtig liegt.

Also ist sie um den Globus gereist, um ihre Musik mit der ihrer Freunde zu verknüpfen. Sämtliche Aufnahmen entstanden in der Heimat der jeweiligen Partner, teilweise auch in der Landssprache und mit den traditionellen Instrumenten. Ausgesucht hat Annie dafür durch die Bank Lieder, die mit dem jeweiligen Land eng verbunden sind. Dass dabei kein typisches Country-Album raus kommt, dürfte Jedem klar sein, dieses Ziel hatte die Künstlerin auch nicht. Noch nie hat sie sich musikalisch gebunden oder festlegen lassen, sie macht die Musik, die sie jeweils fühlt und quasi aus ihr rausdrängt.

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Galveston: Jimmy Webb

27. Juli 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Storys zum Song

Im Frühjahr 1969 stieg dieser Song in die Country Charts ein, kletterte bis auf Platz 1 und wurde Glen Campbell’s 3. Top Platzierung. Vier Wochen blieb “Galveston” ganz oben – zudem blieb der Song eng mit seinem Interpreten verbunden. Zwar gab es immer wieder mal Versionen mit anderen Interpreten, ein Hit blieb “Galveston” jedoch nur für Campbell.

Warum auch immer – irgendwie wurde hinein interpretiert, Autor Jimmy Webb habe das Lied über den Vietnam Krieg geschrieben. In jenen Jahren ein allgegenwärtiges Thema. Doch Webb hat immer wieder klar gestellt, der Vietnam Krieg habe nichts damit zu tun gehabt. Dass er Worte wie Kanonen und Gewehr verwendete, sei purer Zufall gewesen. Diese Bezeichnungen seien symbolhaft gewesen, um der Geschichte mehr Dramatik zu geben.

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Jewel: Perfectly Clear

14. Juli 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Jetzt wurde diese CD einer Sängerin auch in Deutschland veröffentlicht, die in ihrer Heimat als Multi-Talent gilt und als “Quereinsteigerin” zur Country Music gefunden hat. Normalerweise bin ich in solchen Konstellationen sehr skeptisch, denn allzu oft beschworen Stars anderer Musikrichtungen plötzlich ihre “Country Roots” wenn der Stern zu sinken begann. Auf Jewel trifft dies nicht zu. Wenngleich sie mit Erfolg andere Sparten erkundet hat.

Die Mittdreißigerin, geboren in Utah, wuchs in Alaska als Tochter eines Cowboysängers auf, der auch selbst Songs schrieb. In dessen Fußstapfen trat sie schon in ganz jungen Jahren. Als die Eltern geschieden wurden, blieb Jewel Kilcher (so ihr voller Name) zunächst beim Vater, studierte dann in Michigan und zog dann zur Mutter nach San Diego. Dort wurde sie in einem Coffee House entdeckt.

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Happy Birthday: Hank Williams Jr. wird Sechzig

26. Mai 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Herzlichen Glückwunsch! Der kleine “Bocephus” wird sechs Jahrzehnte alt. Diesen liebevollen Rufnamen bekam er von seinem Daddy. Einem Vater, der nicht einmal halb so alt wurde wie sein Sohn. Einem Vater, den sein Sohn kaum kennen lernen konnte sondern später über Umwege kennen lernen musste. Einem Vater, der zu einer der größten Musik-Legende der neuen Welt und sicher zu der Legende der Country Music schlechthin wurde. Ihn, den Daddy, berief das Schicksal von der großen Bühne ab, noch ehe er 30 werden konnte. Bei seinem Sohn sah es immer wieder so aus als wolle, ja müsse er den gleichen Weg gehen und das gleiche Schicksal teilen.

Es gelang “Bocephus” nicht nur, aus dem übermächtigen Schatten des Vaters zu wachsen und dem fatalen Schicksal ein Schnippchen zu schlagen sondern – allen Unkenrufen und schlechten Vorzeichen zum Trotz selbst zu einer Ikone der amerikanischen Unterhaltungsmusik zu reifen. Eine gar nicht hoch genug zu bewertende Lebensleistung, denn das Umfeld, in das Randall Hank Williams am 26. Mai 1949 in Shreveport, Louisiana geboren wurde, hätte ihn gut und gern bereits im Keime ersticken können. Da war die umtriebige, krankhaft ehrgeizige Mutter Audrey Williams. Nichts ließ sie unversucht, aus dem Kind das zu machen, wozu ihr selbst das Talent fehlte und was ihr so jung verstorbener Ex-Ehemann nicht mehr werden konnte. Da war das Show Business, das in seiner Umbarmherzigkeit jedes Mittel einsetzte, um im Sohn das fortzusetzen, was der Vater begonnen hatte, um möglichst viel Profit daraus zu schlagen. Und da war das Kind, das noch nicht begreifen konnte, was man mit und aus ihm machen wollte. Auch in der Rückschau ist es kaum zu glauben, wie sich Hank Williams Jr. mit zunehmendem Alter aus der erdrückenden Umklammerung löste, zu einer starken Persönlichkeit reifte und konsequent seinen Weg ging. Dass dies nicht ohne Blessuren ablief, versteht sich von selbst. Hank Williams Jr. hat mehr Höhen und vor allem Tiefen durchlebt als die meisten von uns sich vorstellen können. Wiederholt hat er am Abgrund gestanden und dem Tod ins Auge gesehen – vielleicht musste sein Schicksal so verlaufen, damit er zu dem einzigartigen Künstler werden konnte, als den man ihn heute feiert.

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Erinnerungen an Del Reeves

16. Mai 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Das Jahr 2007 begann für die Country Music mit einer schlechten Nachricht. Del Reeves, schon länger ernsthaft erkrankt gewesen, hatte den Kampf gegen den Tod am Neujahrstag verloren. Mit ihm ging ein weiterer Großer der 1960er und 1970er Jahre von uns. Ein Künstler, der mit einer ganz unverkennbaren Art zu singen Furore gemacht hatte. Einer der talentiertesten Entertainer der Country-Szene war er gewesen, denn seine Welt war die Bühne.

Wie oft habe ich ihn dort genossen, wenn er seine Hits vortrug, das Publikum mit Witzeleien aus der Reserve lockte und seine unnachahmlichen Parodien auf berühmte Kollegen vom Stapel ließ. Er hatte die gute Laune immer im Gepäck. Nahezu alle 2 Jahre war er in US Clubs bei uns unterwegs – für mich bedeutete es ein Muß, ihn irgendwo zu erleben. Auch in der Grand Ole Opry, deren Mitglied er seit 1966 war, konnte ich miterleben, wie beliebt Del Reeves auch ohne Plattenvertrag und aktuelle Hits geblieben war. Er verstand es wie kaum ein Anderer, ein Publikum mitzureißen, seine Möglichkeiten schienen grenzenlos. Wo er auf der Bühne stand, blieb kein Auge trocken, da ging die Post ab.

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Vern Gosdin: Erinnerungen an “The Voice”

5. Mai 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Stimmen, bei denen es einem schön kalt den Rücken runter läuft, sie sind selten geworden in der Country Music. Selbst altgedienten Fans fällt es oft schwer, einen Interpreten direkt am Gesang zu erkennen. Okay, eine gute oder schöne Stimme zu haben, das kann so mancher Sänger unwidersprochen von sich behaupten – es genügt aber meist nicht, um ein Großer seiner Zunft zu werden. Denn das allein verursacht noch nicht das wohlige Kribbeln. So wie es bei Vern Gosdin der Fall war. Völlig zu Recht nannte man ihn gern “The Voice” als stimmliches Pendant zu Frank Sinatra, Gosdin’s Spezialität war “Heart and Soul Country”. Seit dem 28. April 2009 ist diese Stimme verstummt. Für immer! Wieder muss die Country Music um einen Stilisten trauern, der dieser Musik viel gegeben hat, ohne dass er zu den Superstars zu rechnen gewesen wäre. Es sind oft nicht die in der Popularität ganz weit vorn rangierenden Menschen, die dem Feld, in dem sie tätig sind, einen Stempel aufdrücken, der Generationen überdauert.

Kaum ein anderer Countrysänger konnte derart viel Gefühl in die Stimme legen und über sie zum Ausdruck bringen wie dieser Vern Gosdin. Wobei er das feine Gespür dafür hatte, nicht zu überzeichnen und damit eher unglaubwürdig zu werden. Gosdin sah sich als einen zeitgenössischen, modernen Sänger mit traditionellem Background, von dem er sich nie lösen wollte. Sein Statement dazu: “Ich singe meine Songs mit dem herzen, total von innen heraus. Es spielt keine Rolle, welchen Namen man dieser Musik dann gibt.” Niemand sang so brutal ehrlich wie Vern Gosdin! Wobei er in der Lage war, soviel Leben in seine Songs zu packen, dass Fans und Kritiker von “der Stimme mit Erfahrungen” sprachen. Erfahrungen, die er als seriöser Mensch sammelte – auch dies hob ihn aus einer Reihe viele Stars seiner Generation hervor. Es gibt keinen Zweifel daran, dass er einer der großen Stilisten der Country Music war.

Seine Zeit war gekommen als sich die Country Music Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wieder der traditionelleren Klänge eines Lefty Frizzell, Ray Price, George Jones erinnerte. Genau die Musik, die Vern Gosdin bevorzugte, die er aus der Jugend her kannte, die aber mehr als eine Generation lang aus der Mode gekommen war.

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Billy Ray Cyrus: Ein “Instinkt-Täter”

20. April 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: Specials

Der am 25. August 1961 in Flatwoods, Kentucky als William Ray Cyrus geborene Künstler ist ein “Instinkt-Täter”. Zwar hat das Wort “Täter” eigentlich einen negativen Touch, doch ist hier genau das Gegenteil gemeint. Als Billy Ray Cyrus vertraute er stets nur seinem Instinkt, wenn es darum ging, wichtige Entscheidungen für seine Karriere zu treffen, seit er diese mit einem gehörigen Paukenschlag im Jahre 1992 startete. Eine bemerkenswerte Karriere, die ihn über manche Windungen, durch Täler und über Berge führte. Mit seinem aktuellen Album “Back To Tennessee”, dessen Veröffentlichung aus unterschiedlichen Gründen mehrfach verschoben wurde, kehrt er musikalisch dorthin zurück, wo Alles begonnen hat.

Ich erinnere mich sehr gut an 1992. Bei einem Urlaub in den U.S.A. erlebte ich einen regelrechten Hype um einen gut aussehenden Newcomer aus Kentucky, der mit dem Song “Achy Breaky Heart” die Country Szene aufmischte. Überall und rund um die Uhr war dieser Song zu hören. Ob in Discos oder bei den Linedancern und erst recht auf jeder Party war dieser rhythmische, ins Ohr und in die Beine gehende Song angesagt. Und beileibe nicht nur bei Country-Events. Clever wurde auch ein gleichnamiger Tanz aus der Taufe gehoben, der sich allerdings auf Dauer nicht durchsetzen konnte. Fünf Wochen blockierte Cryus mit “Achy Breaky Heart” die Spitze der Country Charts, das Debüt-Album “Some Gave All” ging mehr als 20 Millionen mal über die Ladentische, davon 9 Millionen allein in den USA. Einen kommerziell annähernd gleichen Erfolg konnte Cyrus danach nicht mehr erzielen – seiner Karriere hat dies keinerlei Abbruch getan.

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Billy Ray Cyrus: Back To Tennessee

20. April 2009 | Von Manfred Vogel | Kategorie: CD-Besprechungen

Mehrfach verschoben und seit Anfang April auch in Deutschland veröffentlicht. Hier trifft die Redensart zu “Was lange währt, wird endlich gut!” Es war an der Zeit, so der Künstler, dass er sich zurück an seine Wurzeln orientiert. “Country As Country Can Be” mag sein Motto gewesen sein. Natürlich ist das keine traditionelle aber richtig, erdige moderne Country Music voller Substanz. Einige der Songs weisen Cyrus als Co-Autoren aus. Dass er dazu in der Lage ist, hat er schon vor mehr als einem Jahrzehnt bewiesen.

Diese Scheibe strotzt vor Authentizität, sie zeigt den Künstler in der Blüte seiner Kreativität. Wobei er die Bandbreite von fetzig, fordernd, druckvoll bis hin zu einfühlsam, zärtlich, ja herzlich beherrscht. “Butterfly Fly Away” im Duett mit seiner Tochter ist ein unter die Haut gehendes Beispiel. Offenherzig konstatiert Cyrus: “Ich bin weder der beste Sänger noch der beste Songschreiber. Aber ich bin ehrlich zu mir und damit auch zu meinem Publikum. Man mag mich mögen oder nicht, in jedem Fall aber bin ich echt!”

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