Toby Keith: White Trash With Money
Die erste Singleauskopplung „Get Drunk And Be Somebody“ steht da geradezu symbolisch für einen Neuanfang. Satte Bläserarrangements in einem Countrysong? Ja, das geht, wie Toby in diesem Song unter Beweis stellt. Ansonsten ist der Song einfach purer Honky Tonk. Klar, es geht mal wieder um den lieben Freund Alkohol. Wobei die These, dass man erst etwas trinken muss, um jemand zu sein, schon etwas fragwürdig ist. Aber so sind sie halt, die Amerikaner. Wie so oft sollte man wohl den Text nicht allzu ernst nehmen, bei einer Spaßnummer, wie dieser.
Beim zweiten Song „A Little To Late“ tauchen sie dann auf, die eingangs bereits erwähnten Streicher. Ein wenig schmalzig und irgendwie nach den Schmachtfetzen der 60er riechend schallt dieser Song aus den Lautsprechern, was ja nicht unbedingt negativ zu bewerten sein muss, wenn man einem Roy Orbison gegenüber nicht allzu abgeneigt ist. „Grain of Salt“ präsentiert sich im angenehm knackig rockigen Stil (ebenso wie „Note To Self“), allerdings versetzt mit Fiddles, mal wieder den Bläsern und dampfigen Orgelelementen. Dass Toby Keith einen guten Riecher für Balladen hat, konnte er mit Songs wie „American Soldier“ und „You Shouldn’t Kiss Me Like This“ schon mehrfach eindrucksvoll unter Beweis stellen. Auch hier sind mit „Too Far This Time“ und „Ain’t No Right Way“ wieder zwei solcher Wahnsinnsballaden vertreten.
Die letzten drei Titel der CD sind sogenannte „Bus-Songs“, wie es sie bereits auf seinem 2003er Album „Shock’n Y’all“ gegeben hat. Allerdings diesmal mit weit weniger provokanten Texten, was die Angelegenheit für alle Beteiligten ein wenig angenehmer macht. Sinn dieser Songs ist es eigentlich, die Band während der Tour bei Laune zu halten. Daher fallen auch die Texte etwas aus dem Rahmen. „Brand New Bow“ bietet dabei die wohl witzigste Story. Frei nach dem Motto: Hey, der Geburtstag steht zwar vor der Tür, aber ich hab momentan leider kein Geld für ein neues Geschenk. Also binde doch bitte einfach eine neue Schleife um das alte Geschenk vom letzten Jahr. Musikalisches Highlight unter diesen drei Bus-Songs ist „Runnin‘ Block“, das mit seinem „Boom-Chicka-Boom“-Rhythmus sehr stark an Johnny Cash erinnert und in seiner Schlichtheit einfach einen perfekten Abschluss für dieses Album darstellt.
Famous last words: Toby Keith geht mit diesem Album ganz deutlich zurück zu seinen Wurzeln und bewegt sich gleichzeitig auf neuem, für ihn ungewöhnlichem Terrain. Die gesamte Produktion wirkt entspannter und wesentlich angenehmer für die Gehörgänge als seine letzten Platten und dürfte noch so einige potenzielle Hits für die kommenden Monate hergeben.
| Trackliste:
01. Get Drunk And Be Somebody |





