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Jimmy Dean: Bummin‘ Around – Big Bad John – Sweet Misery

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Jimmy Dean Jimmy Dean. Bildrechte: Columbia Records

Einundachtzig Jahre alt ist er geworden, jener Mann, der es vom erfolgreichen Sänger und Entertainer zu einem ebenso erfolgreichen Geschäftsmann und Unternehmer gebracht hat. Im Februar 2010 war er in die Country Music Hall of Fame gewählt worden. Die formelle Aufnahme in die Ruhmeshalle der Country Music hat er nicht mehr erleben dürfen, die sollte erst im Oktober diesen Jahres stattfinden. Eine erstaunlich lange und erfolgreiche Karriere war ihm vergönnt, die mit dieser höchsten Auszeichnung eine verdiente Würdigung fand.

Jimmy Ray Dean stammte, wie so viele Country Stars, aus dem Bundesstaat Texas. Auch wenn er die meiste Zeit seines Lebens nicht dort lebte, seine Heimat hat Dean nie vergessen. Noch im Jahre 2008 stiftete er einer Schule in seinem Geburtsort Plainview die satte Summe von 1 Million Dollar. Für die meisten seiner Fans ist die mehr gesprochen als gesungene Ballade „Big Bad John“ der größte Erfolg seiner Karriere geblieben. Jene Geschichte von dem hünenhaften Bergarbeiter John, der zwar einen schlechten Ruf hatte, doch das Herz auf dem rechten Fleck. Bei einem Grubenunglück setzt er sein Leben ein (und verliert es) damit seine Kameraden gerettet werden können. Um diesen Song, der 1961 satte fünf Wochen an der Spitze der Country Charts stand, ranken sich zahlreiche Anekdoten. Dean selbst äußerte einmal, er habe es in einer guten Stunde auf dem Weg nach Nashville geschrieben, aus reiner Not, denn ihm habe noch ein Song für die Session gefehlt …

1988 wurde „Big Bad John“ sogar verfilmt, Jimmy Dean spielte in dem Streifen auch mit in der Rolle eines Sheriffs. Die Hauptrolle spielte ein hierzulande unbekannter Footballspieler namens Doug English, produziert wurde der Film von Countrysänger Red Steagall. Doch was sich als Song millionfach verkaufte, fiel als Film gnadenlos durch.

Wie auch immer – Jimmy Dean gehörte zu den wenigen Topstars der Country Music, die als Geschäftsmänner vielleicht sogar noch größeren kommerziellen Erfolg hatten. Gern nannte man Dean auch die „hochaufgeschossene, schlaksige Texas-Version des amerikanischen Traums“. Seine Karriere liest sich wie ein Märchen. Geboren am 10. August 1928 in Seth Ward in der Nähe von Plainview, Texas, auf halbem Weg zwischen Amarillo und Lubbock gelegen.

Die Deans waren so arm wie die sprichwörtliche Kirchenmaus. Dean erzählte es so: „Ich zog schon mit 6 Jahren mit meiner Mutter den Baumwollsack übers Feld. Es gibt nicht viel, das ich nicht gemacht hätte – Gräben ausheben, Traktoren fahren, Hühnerställe säubern, Heu ernten und Wassermelonen klauen“. Da war es dann wieder, jenes auch im Alter noch vorhandene und für ihn unverkennbare lausbübische Grinsen. Als Kind träumte er oft davon, ein schönes, ein schnittiges Auto und teure Klamotten zu haben. Seine Mutter aber hielt ihn auf dem Boden der Tatsachen: „Mutter was sehr willensstark und das imponierte mir. Sie war mein Vorbild, sie brachte mir auch das Pianospiel bei. Später lernte ich noch Mundharmonika und Akkordeon.“

Mit 18 brach er die Schule ab und ging zur Air Force. Man stationierte ihn in der Nähe von Washington, D.C., wo er rasch feststellte, dass er seine Kumpels gut unterhalten konnte. Dean konnte singen, texanische Stories erzählen, den Clown mimen – dafür erntete er viele Lacher. Er ahnte, dass hier jene Chance verborgen sein konnte, auf die er immer lauerte. „Ich fing mit einigen Jungs an, die sich nach der Arbeit trafen. Als einer krank wurde, fragte man mich, ob ich nicht mit meinem Akkordeon einspringen könnte. Da ich pleite war, kam mir die Gelegenheit gerade recht. Seither bin ich praktisch im Show-Geschäft.“

25 Dollar die Woche und gutes Trinkgeld brachte Jimmy Dean bald zusammen. Mehr aber half ihm noch, dass man jetzt über ihn redete. Nach der Militärzeit blieb er in Washington. Dort traf er Mary Sue Wittauer, die seine erste Frau wurde. Nun galt es, die nächsten Jahre zu Tingeln, sogar im Rahmen der Truppenbetreuung bis in die Karibik. Mit seiner Band, den „Texas Wildcats“, landete er beim Sender WARL in Arlington, Virginia. In seiner populären Radio-Sendung „Town and Country Time“ bekamen die noch völlig unbekannten Patsy Cline und Roy Clark erste Möglichkeiten, ihr Talent der Öffentlicheit vorzustellen. Dean selbst erhielt die Chance, beim kleinen Label 4 Star Records erste Aufnahmen zu machen. 1953 tauchte der Name Jimmy Dean erstmals in den Charts auf, sein „Bummin‘ Around“ kletterte bis in die Top Ten. Zwar war der Einstieg gelungen, doch bis zum nächsten Hit sollten etliche Jahre vergehen.

Früh, viel früher als fast alle anderen Countrysänger erkannte Jimmy Dean die Möglichkeiten, die das Medium Fernsehen bot. Mit einem Demofilm bewarb er sich dort und wurde angeheuert. Sofort war er sehr erfolgreich. 1958 wechselte er nach New York und startete eine Live Show, die landesweit ausgestrahlt wurde. Daraus sollte dann seine legendäre „Jimmy Dean Show“ werden. Die jahrelang bis zu fünf Tage die Woche lief. Das brachte ihm große Popularität ein. Seine Plattenkarriere allerdings „vergaß“ er darüber freilich nicht, sie lief aber auch nicht so wie man es bei dieser Popularität hätte vermuten können. Als Dean 1957 bei Columbia unterschrieb, erklärte er: „Ich bin Country und möchte in Nashville aufnehmen.“ Es dauerte dann bis 1961 als auf dem Weg nach Nashville sein Superhit entstand. Monate zuvor hatte er in dem Streifen „Destry Rides Again“ mitgewirkt und dabei einen hünenhaften Schauspieler namens John kennen gelernt. Das war seine Inspiration zu „Big Bad John“. Jimmy Dean erzählte gern darüber: „Auf dem Flug nach Nashville versuchte ich, ein viertes Lied für die anstehende Session zu komponieren. Ich war immer überzeugt davon, dass „Big Bad John“ stark klang, deshalb schickte ich John in weniger als 90 Minuten in ein Bergwerk und ließ ihn dort sterben“, lachte er.

Diesem Knüller folgten weitere Hits, manch einer davon war im von ihm perfektionierten Sprechgesang gehalten, der so etwas wie sein Markenzeichen wurde. Man kennt eventuell noch „Dear Ivan“, „To A Sleeping Beauty“, „The Cajun Queen“, das John F. Kennedy gewidmete „PT-109“, „Little Black Book“ und seine einzige weitere #1 neben „Big Bad John“: „The First Thing Every Morning“. Nicht ganz so ins Blickfeld rückten Songs wie „Hammer And Nails“, „Harvest Of Sunshine“, seine Version des Jerry Reed Songs „A Thing Called Love“ oder das Duett mit Dottie West „Slowly“ – aber sie zeigen, welche kompletter Entertainer Jimmy Dean war.

Jimmy Dean fuhr zweispurig auf der Erfolgsschiene. Neben der Karriere als Sänger und Fernseh-Unterhalter schlüpfte er auch immer wieder in die Rolle des Schauspielers. So war er auch im James Bond Klassiker „Diamonds Are Forever“ mit von der Partie. Keine große Unterhaltungsshow im amerikanischen Fernsehen kam ohne ihn aus, gern und regelmäßig holte man Jimmy Dean als Gast. Bei all den Meriten ist es fast müßig zu erwähnen, dass er auch am Strip in Las Vegas Headliner war, in der Carnegie Hall, in den Music Tempeln von Reno und Lake Tahoe sowie im Palladium von London gastierte. Wichtig war ihm dabei stets der Kontakt zu den Fans, den er suchte und auch fand.

Seinen letzten großen Plattenhit feierte Jimmy Dean 1976 mit „I.O.U.“. Wieder war es eine gesprochene Ballade, zu Ehren seiner Mutter, die passend zum Muttertag veröffentlicht worden war und ihn noch einmal in die Top Ten führte. Mehrere Male wurde die Single in folgenden Jahren neu veröffentlicht, ohne aber den Anfangserfolg auch nur annähernd wiederholen zu können.

War seine Plattenkarriere nun zu Ende, begann Jimmy Dean mit gleicher Akribie seine Karriere als Geschäftsmann. Im Hinterkopf hatte sich der Gedanke festgesetzt, unter keinen Umständen wieder arm zu sein. Deshalb vergaß er über dem trügerischen Erfolg im Showbusiness nicht, sich anderweitig zu engagieren und ein Standbein aufzubauen. Dem Ergebnis ist wohl Jeder begegnet, der in den USA seit den 70er Jahren unterwegs war. Die Jimmy Dean Sausage Company wurde zur erfolgreichsten ihrer Art. Sein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen begann in den 60er Jahren zunächst mit Schweinezucht daheim in Plainview. Schon bald fielen die Preise für Schweinefleisch rapide. Da verfiel Jimmy Dean ausgerechnet auf die Idee, 1967 in den heiß umkämpften Würstchenmarkt einzusteigen. Für ihn war das nicht gewagt sondern einfach logisch. Auf dem Land aufgewachsen hatte er sich seine Vorliebe für ländliche Belange behalten. Also lieh er sich ein wenig Geld und im Mai 1969 wurden die ersten Würstchen der Marke Jimmy Dean hergestellt.

„Ich dachte, Würstchen wie jene, die man damals überall bekam und die mir nicht sonderlich schmeckten, müssten besser zu machen sein“. erzählte Dean. Für gleich zwei Probleme fand er eine Lösung, einerseits legte er bei der Herstellung seiner Würstchen besonderen Wert auf Qualität, andererseits steigerte er dadurch die Nachfrage für Schweinefleisch. Die Jimmy Dean Meat Company wuchs rapide. 1972 eröffnete sie in Osceola, Iowa ein hochmodernes neues Werk und 1984 trug Amerikas #1 Frühstückswürstchen den Namen Jimmy Dean! In den folgenden Jahren mußte das Werk mehrfach vergrößert werden.

Natürlich kümmerte sich Jimmy Dean nicht selbst um alle Belange des Unternehmens. Aber er hatte es verstanden, fähige Leute zu gewinnen und an den richtigen Positionen einzusetzen. Stolz verkündete er damals: „Wir sind auf dem absolut besten und neusten Stand der Technik, unsere Produkte unterliegen den strengsten Kontrollen und sind deshalb absolut einwandfrei. Unser Werk ist so effizient, wir können innerhalb von 90 Minuten aus einem lebenden Schwein die fertigen Würstchen auf den Truck laden.“ Im Laufe der Jahre gelangen der Firma nebenbei auch noch bahnbrechende Neuerungen wie besseres Verpackungsmaterial aus Plastik, das die Würstchen 60 Tage haltbar machte.

1984 verkaufte Jimmy Dean seine Firma an einen Fleisch-Giganten aus Chicago, eine Weile gehörte er aber noch dem Aufsichtsrat an. Und er machte selbst in umwerfend humorvollen Spots Werbung für die Company. Für andere Firmen hat er nie Werbung gemacht, um den Konsumenten nicht zu verwirren. Sein Abgang aus der Firma war nicht ganz freiwillig, nach und nach drängte man ihn aus allen Funktionen, weil er dafür zu alt sei. Dean hatte daran mehr zu knabbern als ihm lieb sein konnte, denn in dieser Phase litt seine Gesundheit. Seit 2004 hatte Jimmy Dean mit seinem ehemaligen Unternehmen nichts mehr zu tun.

Das von ihm seit der Jugend vorhandene Trauma trat Gott sei Dank nicht ein. Dean: „Ich hatte immer Angst, wieder arm zu sein. Ich sagte mir, wenn es irgendeinen Weg gibt, dies zu verhindern, dann muss ich ihn finden und auch gehen.“ Dies ist ihm fürwahr gelungen. Nicht nur mit Würstchen hat er sich beschäftigt, in mehr als 20 Unternehmungen war er involviert, von Immobilien bis zu Rennpferden. Wieder Dean: „Ich habe dort etwas investiert, da etwas reingesteckt, nicht immer war das richtig, da ging auch schon mal was in die Hose.“

Jimmy Dean galt als ein Mensch, der seine Meinung offen ausspricht, auch wenn er damit aneckt. So gefielen ihm Entscheidungen seines Bruders Don nicht, der sein Partner in der Meat Company war. Deshalb löste er ihn von seinem Posten ab – die Brüder beharkten sich bis ein Gericht dem Spuk ein Ende setzte und Jimmy Dean seinen Bruder auskaufte.

Wer nun glaubt, dieser clevere Geschäftsmann habe ein Hochschulstudium absolviert, der sieht sich getäuscht. Nicht einmal einen Highschool-Abschluss konnte er vorweisen. Schmunzelte er bei diesem Thema: „Ich habe die Schule der Tief- und Rückschläge dafür mit summa cum laude bestanden. Ich habe mich auf die Erfahrungen im Showbusiness, des Überlebens dort verlassen und die richtigen Leute für meine Pläne gefunden.“ Das Gefühl der Sicherheit und des Aufatmens im Hinblick auf die persönliche Zukunft habe er erstmals gehabt, nachdem er seinen Bruder ausgekauft hatte. Wichtig sei dabei auch seine Mutter gewesen, die habe während der Hungerjahre der Weltwirtschaftskrise die von der Wohlfahrt angebotenen Kleider abgelehnt, weil dies gleich gekommen wäre mit dem Weglaufen vor Problemen. Dean dazu: „Ich weiß nicht, was Niederlage ist. Ich kann dir viel über zeitweise Rückschläge erzählen. Man kann den Wind nicht ändern, man kann aber seine Segel so setzen, dass man den Wind zu seinem Vorteil nutzt.“

Das Stichwort segeln fiel nicht zufällig. Wann immer er Zeit hatte, war Dean auf seiner schmucken Jacht „Big Bad John“ anzutreffen. Ein Domizil, das auf’s Modernste eingerichtet wurde, damit er immer erreichbar war. Anders wie viele seiner Kollegen lebte Jimmy Dean weder in seiner texanischen Heimat noch im Umfeld von Nashville sondern in Chaffin’s Bluff vor den Toren von Richmond, Virginia.

Als Privatmann hat er im Laufe der Jahre kaum Schlagzeilen gemacht. Man erinnert sich an Alkoholprobleme in den späten 80er Jahren, es soll auch mal zu Handgreiflichkeiten gegenüber seiner 1. Ehefrau gekommen sein. Seit 1991 war er mit der Country-Sängerin Donna Meade verheiratet, die 1988/89 einige kleine Single-Hits hatte. Sein Neffe Billy Dean ist ebenfalls Countrysänger und hatte in den 90er Jahren eine Reihe von Hits.

Nach Angaben seiner Ehefrau Donna Meade Dean ist ihr Mann am 13. Juni 2010 an plötzlichem Herzversagen gestorben als er vor dem Fernseher saß. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem privaten Anwesen. Der Grabstein enthält die markante Zeile aus seinem größten Hit: „Here Lies One Hell Of A Man“!

   
Greatest Hits
Doppel-CD: „Greatest Hits“
Erscheinungsdatum: 2008
Label: Columbia (Sony Music)

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Trackliste:

01. Big Bad John
02. The Cajun Queen
03. Harvest Of Sunshine
04. Little Black Book
05. Steel Men
06. First Thing Ev’ry Morning (And The Last Thing Every Night)
07. Sam Hill
08. P.T. 109
09. To A Sleeping Beauty
10. The Farmer And The Lord
11. I Won’t Go Huntin‘ With You Jake (But I’ll Go Chasin‘ Wimmin)
12. Dear Ivan

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