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Charley Pride

Charley Pride, geboren am 18. März 1938 in Sledge, Mississippi. Das Porträt des legendären Sängers.

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Charley Pride – Er ist immer noch ein Superstar der modernen Country Music, auch wenn er sich ein wenig rarer gemacht hat und seit den 1990er Jahren nicht mehr in den US-Charts aufgetaucht ist. Im Verlaufe von annähernd 25 Jahren, seit er im Jahr 1966 erstmals dort notiert wurde, gelang es ihm sage und schreibe 29 Hit-Singles bis an die Spitze der Charts zu singen.

Seine Karriere, frei von jeglichen Skandalen, darf man als eine der ungewöhnlichsten in der Country Music bezeichnen. Er kam aus allerärmsten Verhältnissen und hat das auch im größten Erfolg nie vergessen. Er wurde und blieb ein Sympathieträger für Country Music.

Eigentlich hätte er beim wieder belebten „International Festival of Country Music“ vor wenigen Tagen mit dabei sein sollen. Das englische Publikum, das ihn schon vor Jahrzehnten ins Herz schloss, hätte das ganz sicher begrüßt, aber Charley Pride wurde von der Künstlerliste gestrichen. Das teilte der Künstler auf seiner Homepage zu seinem Bedauern mit, ohne Gründe dafür anzugeben. Deswegen grämen muss sich Pride nicht, er hat fast alles erreicht, was das Country Music Business bieten kann. Gern und liebevoll nennt man ihn „The Pride of Country Music“, mit Auszeichnungen und Awards wurde er reichlich bedacht, dabei wäre es beinahe nie zu dieser glanzvollen Karriere gekommen.

Eine Farm in Sledge im Bundesstaat Mississippi war Pride’s Elternhaus. Am 18. März 1938 geboren, wuchs er als eines von elf Kindern auf. Sein Vater bekam sechs Dollar täglich für seine Arbeit, die Kinder mussten früh mithelfen, zum Unterhalt beizutragen. Charley Pride lernte schmerzlich die harte Arbeit in den Baumwollfeldern kennen. Sieht man das Ganze positiv, dann hat ihn diese Arbeit für das spätere Leben gestählt. Er setzte sich in einer Sparte durch, in der alles gegen ihn sprach. Obwohl er aus ungünstigen sozialen Verhältnissen kam und trotz seiner Hautfarbe wurde er der Liebling der Massen in einer Musik, von der man nicht zu Unrecht behauptet, es sei der „Blues des Weißen Mannes“. Die schon in der Kindheit begonnene harte körperliche Arbeit lehrte ihn nicht nur, sich durchzusetzen sondern sie trug auch zu einer körperlichen Fitness bei, die beinahe dazu geführt hätte, dass aus Pride ein Berufssportler geworden wäre.

Charley Pride hatte schon als Kind begonnen, Gitarre zu spielen, sich so in den wenigen Pausen bei der Feldarbeit selbst ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Sein großer Traum aber war es, sein Geld mit Baseball zu verdienen. Diesen Traum verfolgte er konsequent. Erste wichtige Station waren die Memphis Red Sox, ein Team der Negroe American League. Es folgten Engagements als Pitcher bei diversen weiteren Mannschaften von New York über Louisville bis Birmingham, Alabama. Bei den vielen Reisen im Mannschaftsbus griff Charley Pride gern zur Gitarre und unterhielt die Kameraden mit seinem Gesang.

Charley Pride

Der Wehrdienst verhinderte eine weitere Karriere für zwei Jahre. Sein Comeback im Baseball wurde danach bald durch eine Verletzung am Wurfarm gestoppt. Pride ging nach Helena, Montana und arbeitete am Bau. Bereits während seiner Zeit in Memphis hatte Pride in den Sun Studios einige Aufnahmen gemacht, die seinerzeit aber nicht veröffentlicht wurden. Nachdem er seine Sportlerkarriere zu den Akten legen musste, konzentrierte er sich auf die Musik. Was dann geschah, erzählte mir Red Sovine schon vor Jahren: „Wir waren mit einer Package Show in Helena, da kam dieser farbige Bursche in unserer Garderobe. Völlig begeistert erzählte er uns, er wäre Countrysänger. Dann schnappte er sich eine Gitarre und fing an zu singen. Wir waren sprachlos, was wir hörten, war lupenreine Country Music. Ich machte die Augen zu, blendete den Burschen aus und glaubte, einen Nachfolger von Hank Williams zu hören. Ich habe ihm geraten, nach Nashville zu kommen. Als wir zurück in Nashville waren, blieben wir in Kontakt und haben ihm geholfen, dort Fuß zu fassen.“

Das Problem war ganz einfach die Hautfarbe. Mit Jack D. Johnson bekam Charley Pride einen fähigen Manager, der ihn viele Jahre betreuen sollte. Er tat sich mit Chet Atkins zusammen, der von Pride sofort überzeugt war und ihn für RCA unter Vertrag nahm. Jack Clement produzierte mit Pride die beiden Songs „The Snakes Crawl At Night“ und „Atlantic Coastal Line“, nicht nur für mich zwei der besten Aufnahmen, die er gemacht hat. Es folgte die Single „Before I Met You“ Noch knackte Charley Pride damit nicht die Charts. Um allen möglichen Diskussionen wegen der Hautfarbe aus dem Weg zu gehen, schickte man den Sänger als „Country Charley Pride“ ins Rennen. Mehr noch, es gab zunächst keine Fotos von Charley Pride, weder auf den Covern noch in der Promotion. Das änderte sich erst, nachdem Charley Pride in der Country Music angekommen und von den Fans angenommen worden war. Die dritte Single „Just Between You And Me“ brachte 1966 den Durchbruch, denn damit debütierte er nicht nur in den Charts sondern schaffte gleich die Top Ten. 1967 bekam er dafür sogar einen Grammy. Im gleichen Jahr wurde er der erste farbige Sänger seit DeFord Bailey, der in der Grand Ole Opry auftrat. Deren Mitglied wurde Pride erst 1993, nachdem man ihn schon Jahre vorher darum gebeten hatte. Spätestens ab dann spielte die Hautfarbe keine Rolle mehr.

Bis zu seiner ersten Nr. 1 war es nicht mehr weit. 1969 thronte „All I Have To Offer You (Is me)“ ganz oben. Von den nachfolgenden Top Platzierungen wurden am erfolgreichsten „I’m So Afraid Of Losing You Again“, „I’d Rather Love You“, „It’s Gonna Take A Little Bit Longer“ und „She’s Too Good To Be True“ mit jeweils drei Wochen sowie „I’m Just Me“ mit vier Wochen auf Platz 1. Getoppt nur noch von dem Charley Pride Hit schlechthin „Kiss An Angel Good Morning“, der sich 5 Wochen ganz oben hielt. Dieser Song eroberte in den Pop-Charts Platz 21. Dort rangierten danach „Is Anybody Going To San Antone“ (Nr. 70), „Mississippi Cotton Pickin‘ Delta Town“ (Nr. 70) und „I Can’t Believe That You’ve Stopped Loving Me“ (Nr. 71) am höchsten.

Charley Pride blieb bis 1983 ständig in den Top Ten, danach flaute die Erfolgswelle ein wenig ab. Nach dem Wechsel zu 16th Avenue Records 1987 landete er noch einige weitere Hits, ehe er sich 1989 mit „Amy’s Eyes“ aus den Charts verabschiedete. Bis dahin hatte Pride nahezu alle Auszeichnungen der Country Music erhalten, incl. Awards als bester Entertainer (1971) und als bester Sänger (1971 und 1972). Seit dem Jahre 2000 ist er zudem Mitglied der Country Music Hall of Fame.

Zum Zeitpunkt seines Abschieds von RCA hatte nur Elvis Presley noch mehr Platten für das Label verkauft. Von Pride sind unterdessen deutlich über 70 Millionen Alben über die Ladentische gegangen, darunter 31 Goldene und 4 Platin. Er gehörte jahrelang mit seiner Band The Pridesmen und einer ausgezeichneten Live Show zu den international gefragtesten Entertainern der Country Music. In Deutschland setzte die Gruppe Truck Stop ihm mit ihrem unverwüstlichen Hit „Ich möchte‘ so gern Dave Dudley hör’n, Hank Snow und Charley Pride“ ein musikalisches Denkmal.

Charley Pride ist auch heute weiter in Sachen Musik aktiv und unterwegs. Nicht mehr so häufig wie früher, denn auch ein so sportlicher Typ wie er kam nicht ungeschoren an Krankheiten vorbei, die ihm zeigten, dass die körperlichen Kräfte nicht unerschöpflich sind. Er ist klug genug, auf seinen Körper und auf den Rat der Ärzte zu hören. Deshalb gönnt er sich mehr Zeit für seine Hobbys Golf und Baseball. Von seiner Liebe für den Baseball ist er nie weggekommen, wann immer er Zeit hat, ist er bei den Texas Rangers zu finden, deren Mit-Eigentümer er mit einigen Anteilen ist. Ganz bewusst hat Pride seinen Lebensmittelpunkt und den seiner geschäftlichen Aktivitäten nicht in Nashville sondern in Dallas angesiedelt. Der Baseball brachte ihm übrigens auch sein größtes privates Glück: Ehefrau Rozene. Die Beiden lernten sich kennen als Pride für die Memphis Red Sox spielte und sind seit 1956 verheiratet. Die Pride’s sind Eltern zweier Söhne und einer Tochter, sie haben zwei Enkelkinder.

Charley Pride gehört weiterhin nicht nur zu den erfolgreichsten Künstlern der Country Music sondern auch zu den erfreulichsten und sympathischsten. Wie sagte er unlängst doch? „Ich fühle mich gesundheitlich okay, ich habe die Freude am Gesang nie verloren und meine Stimme ist trotz der Schwierigkeiten, die ich damit hatte, wieder völlig in Ordnung. Ich sehe daher keinen Grund mit dem aufzuhören, woran ich am meisten Freude habe.“

Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!