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Brantley Gilbert: Just As I Am

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Die Stilerweiterung der Countrymusik in Richtung Pop, Hip-Hop und Outlaw-Rock ist mit konkreten Namen verbunden und wird von Expertenseite unterschiedlich beurteilt. Während der Mainstreamerfolg eines Luke Bryan und die Hip-Hop-Einlagen von Florida Georgia Line als countryfremd kritisiert werden, haben die experimentellen Outlawtunes eines Eric Church als belebende Elemente im Geiste der Haggards und Jennings gewisse Akzeptanz gefunden.

Auch Brantley Gilbert hat sich durch die schräge Verbindung von George-Jones- Textbezügen und Hip-Hop-Passagen (Dirt Road Anthem) in Verbindung mit seinem Countryrock-Bad-Guy-Image den Ruf eines kreativen Grenzgängers erworben. Kaum ein Künstler der erweiterten Countryszene bedient das „Rauhe-Schale-Weicher-Kern-Image“ so authentisch wie der 29-Jährige aus dem Norden Georgias.

Auch kommerziell ist dies bisher aufgegangen. Sein 2010er Album „Halfway To Heaven“ mit den Nummer-Eins-Singles „Country Must Be Country Wide“ und „You Don’t Know Her Like I Do“ wurde mit Platin dekoriert und die aktuelle Leadsingle „Bottoms Up“ gar zum bislang best verkauften Countrysong des laufenden Jahres. Mit dem nun erschienenen dritten Studioalbum „Just As I Am“ soll die endgültige Standortbestimmung des Künstlers, Sängers und Songwriters erfolgen, der das Countrygenre für eine Vielzahl junger Zuhörer aus den Bereichen von Modern-Rock bis Hip-Hop geöffnet hat.

Was erwartet uns auf diesem 11-Teiler, für den sich sein Interpret beinahe vier Jahre Zeit gelassen hat? Deftiger Country Rock, traditionelle Outlawtunes, moderner Bro-Country-Sound oder eine gesunde Mischung aus allem? Eines wird bereits bei den ersten Klängen des in den Strophen sanften und im Refrain dynamischen Openers „If You Want A Bad Boy“ deutlich. Brantley Gilbert ist mit Hilfe seines wohldosierten Reibeisentimbres zu einer eigenständigen Marke geworden. Seine Fähigkeiten als Songwriter, die auf allen Tracks zur Geltung kommen, geben der Interpretationsweise ein maßgeschneidertes musikalisches Gewand, das Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugen dürfte. Gilbert ist trotz seines toughen Auftretens kein Outsider à la Eric Church, der mit provokanten Texten und schrägen Harmonien Akzente setzt. Vielmehr präsentiert er sich als musikalischer Insider, der geradlinig und schon fast berechenbar an seinem Stilbild arbeitet. Die Songthemen verletzen niemanden, basieren auf durchlebten Erfahrungen und haben einen bodenständigen Kern.

Ingesamt gibt sich Brantley Gilbert auf „Just As I Am“ gereifter und gezügelter als auf dem Vorgänger „Halfway To Heaven“. Die harten Ausflüge sind eher selten geworden. Neben dem bereits erwähnten Opener, auf dem er mit seinem Bad-Boy-Image kokettiert, sticht die neue Single „Small Town Throwdown“ als derber Rowdy-Rocker deutlich heraus. Hier wurde durch die Beteiligung der Songwritergrößen Ben Hayslip, Rhett Akins und Dallas Davidson nichts unversucht gelassen, die Single-Hit-Maschinerie am Laufen zu halten. Durch die Beiträge der Valory-Partner Thomas Rhett und Justin Moore (letzterer ist gesanglich die klare Nr. 1) ist den dominanten Hardrockriffs eine wohltuende stimmliche Abwechslung beigefügt worden. Auf dem radiohitverdächtigen „17 Again“ spielt der Mann mit dem schwarzen Ballcap seine Stärken voll aus und präsentiert einen lebendigen Midtempotrack mit viel Gefühl und netten textlichen Flashbacks.

Gerade die Balladen singt er mit großem Tiefgang, ganz so als ob ihm die privaten Ereignisse der letzten Jahre die notwendige Zähmung beigebracht hätten. Das leicht bluesige „That Was Us“ ist eine sehnsüchtige Vertonung von Erinnerungen an vergangene, wilde Zeiten. „I’m Gone“ startet mit einem hübschen Mandolinenintro und könnte als einfühlsame Vertonung über die zerbrochene Beziehung zu Country-Ex-Freundin Jana Kramer interpretiert werden. Der düsterste Beitrag aus diesem Zirkel ist „One Hell Of An Amen“, der sich mit den unumkehrbaren Umständen des Todes auseinandersetzt. Irgendwo zwischen den Rocktunes und den introvertierten Ruhepolen liegt der neben der überragend inszenierten Leadsingle „Bottoms Up“ vielleicht stärkste Song des Albums: „My Baby’s Guns N‘ Roses“. Textlich eher simpel auf der Linie des aktuelles Radiotrendes, entwickelt dieser Song eine melodische Zugkraft, die ihn zu einem künftigen Chartbreakkandidaten machen dürfte. Gesanglich lässt Brantley Gilbert die Untiefen seiner Redneckseele nach draußen und gibt diesem Track mit Bezügen zu den Klassikern „November Rain“ und Knockin‘ On Heavens Door“ alle Zutaten für einen hohen Erinnerungswert.

Bei dem melancholischen Countryrocker „Lights Of My Hometown“ dürfte dem ein oder anderen Outlaw-Rock-Fan aufgefallen sein, dass dieser Song bereits auf dem letzten Brian-Davis-Album erschienen ist. Im Vergleich dazu präsentiert Brantley Gilbert diesen Song mit weniger Leidenschaft, allerdings deutlich bombastischer und im hinteren Teil mit Hilfe eines monumentalen Backgroundchores ein wenig künstlich aufgemotzt. Auch die beiden Closing-Tracks „Let It Ride“ und „My Faith In You“ unterstreichen die leise Wandlung vom kernigen „Kick-It-In-The-Sticks-Rocker“ zum ungekrönten König der modernen Outlaw-Ballade.

Fazit: Brantley Gilbert präsentiert sich auf „Just As I Am“ nicht als Innovator sondern als Bewahrer einer Stilrichtung des radiotauglichen Country-Rock, die mit seinem Namen fest verbunden ist. Sucht man das Haar in der Suppe, dann hätte man dem Tattoo-Guy aus der Kleinstadt Jefferson den ein oder anderen Überraschungsmoment und etwas mehr Risikofreude gewünscht. Starproduzent Dan Huff hat dem Album genügend Feinschliff beigefügt, ohne das Gilbert-typische Charakteristikum wegzupolieren. Diese Scheibe wird ein sicherer Hit und den Brantley Gilbert-Kultstatus weiter vorantreiben. Da darf man locker 4 von 5 möglichen Sternen vergeben.

Das aktuelle Album Just As I Am von Brantley Gilbert – Bestellen, Format, VÖ. und Label:

 
Brantley Gilbert - Just As I Am
 
Künstler / Albumtitel: Brantley Gilbert – Just As I Am
Format / Label / Veröffentlicht: CD (Universal, 2014)
 
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Trackliste:

01. If You Want A Bad Boy
02. 17 Again
03. Bottoms Up
04. That Was Us
05. I’m Gone
06. My Baby’s Guns N‘ Roses
07. Lights Of My Hometown
08. One Hell Of An Amen
09. Small Town Throwdown
10. Let It Ride
11. My Faith In You

 
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Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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