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Old Crow Medicine Show: Remedy

Remedy - beschwingter und humorvoller Bluesgrass-Alternative-Country-Folk mit Tiefgang und Wortwitz.

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Mit ihrer unwiderstehlichen Mischung aus Bluegrass, Old Time, Folk und Country hat sich die Old Crow Medicine Show in den USA eine große Fanbasis erspielt und sind bis auf die Bühne der Grand Ole Opry gekommen, deren jüngstes Mitglied sie auch sind. Gerade die letzten Jahre waren sehr erfolgreich. Nicht zuletzt, weil ihr Song „Wagon Wheel“ von Country-Star Darius Rucker zum Radiohit gemacht worden ist. Ein Stück, das sie ja bekanntermaßen auf einem Songfragment von Bob Dylan aufgebaut haben.

Nun ist soeben ihr neues Album Remedy erschienen und erneut enthält es mit „Sweet Amarillo“ einen Song, für den sie sich die Credits mit dem Altmeister des Folk-Rock teilen. Doch auch die anderen 12 Tracks sind durchgehend hörenswert und machen einfach Freude.

Denn die Jungs um die Bandründer Ketch Secor und Critter Fuqua sind allesamt mit einer ungeheuren Energie und vor allem einem tiefen Verständnis und einer großen Sensibilität für die Wurzeln der Countrymusik in Blues und Old Time, in Bluegrass und dem Folk der Appalachen ausgestattet. Als sie im letzten Herbst in die Opry aufgenommen wurden, war das für Opry-Vizepräsident Pete Fisher eine aufregende Sache: „Die Old Crows hören sich an wie eine der String Bands aus den 1920ern, die der Opry zur nationalen Berühmtheit verholfen haben. Während andere aktuelle Opry-Mitglieder und Hitmacher wie Darius Rucker, Keith Urban, Carrie Underwood und Dierks Bentley die Opry derzeit prägen, wissen wir, dass auch unsere Zukunft in guten Händen ist. Bei einer Gruppe, die eine Reminiszenz an unsere musikalische Vergangenheit darstellt. Es ist ein außergewöhnlicher Kreis, der sich damit schließt.“

„Das ist Countrymusik, die weiß, wie tief ihre Wurzeln reichen“, sagt Ketch Secor dazu. „Vom schmutzigsten Blues bis zum folkigsten Folk, den Songwritern, den Croonern und den Outlaws, bis hin zur Opry Bühne; all das ist in ihr drin.“ Und dabei sind die „Crows“ in der Lage ein breites Publikum zu begeistern. Von College-Studenten, die eigentlich mit Countrymusik nicht so viel zu tun haben, über das klassische Countrypublikum bis zu den Freunden traditionellen Folks. Denn ihre Musik wirkt tatsächlich wie ein Heilmittel (Remedy). Sie geht in Herz, Beine, Kopf und Bauch und belebt. Ihr Erfolg begründet sich daher auch auf ihre kraftvollen Live-Auftritte, bis sie eben in den letzten Jahren dann auch als Plattenkünstler große Anerkennung fanden.

Die große Geschichte von „Remedy“ ist natürlich die mit Dylan. Denn der war so beeindruckt, dass die Old Crow Medicine Show als Co-Autoren ihm mit „Wagon Wheel“ einen Nummer-Eins-Hit bescherten, dass er ihnen kurzerhand ein weiteres Fragment zur Vervollständigung zukommen ließ. Ebenso wie „Wagon Wheel“ war es bei den Sessions für den „Pat Garrett & Billy The Kid“-Soundtrack (1973) entstanden. „Ich arbeitete mit rund 26 Sekunden, in denen sehr viel Gelächter im Hintergrund zu hören ist und es hört sich an, als hätten alle eine sehr gute Zeit gehabt damals in Monterey oder Durango oder wo auch immer sie diesen Western gedreht haben“, erklärt Ketch die Ausgangsbedingungen.

Am Ende stand dann „Sweet Amarillo“, ein Song über einen Cowboy auf der Suche nach seiner großen Liebe. Doch diesmal war Dylan sogar am Arrangement des Songs beteiligt, indem er nach Hören des Demobandes vorschlug, die Harmonika durch die Fiddle zu ersetzen und die Ton- und Taktfolge beim Refrain zu verändern. Und tatsächlich: „Sweet Amarillo“ ist stärker noch als „Wagon Wheel“ ein Song, der eine typisch Dylan’sche Harmoniefolge und Songgrundlage mit dem Songwriting und der musikalischen Power der OCMS perfekt kombiniert. Ein toller Ohrwurm und die ungeahnte Wiederholung der Erfüllung eines Jugendtraums für den schon in seinen frühen Jahren großen Dylan-Fan Ketch Secor.

Apropos Ohrwürmer: Das sind eigentlich alle Songs dieses Albums. Mit „Brushy Mountain Conjugal Trailer“ geht es gut los, ehe das Tempo mit „8 Dogs 8 Banjos“ fast wahnwitzig schnell wird. Ein Song, der unheimlich alt erscheint und gleichzeitig mitten aus dem Hier und Jetzt kommt. Neben dem besagten „Sweet Amarillo“ sind bei aller Stärke des gesamten Songmaterials noch die beiden Songs „O Cumberland River“ und „Tennessee Bound“ besonders hervorzuheben. Stehen sie doch für die mittlerweile tiefe Verwurzelung der Band in Nashville, Tennessee. Es war ein weiter Weg von den Ursprüngen in Harrison, Virginia Ende der 1990er Jahre über die Entdeckung durch den großen Doc Watson während eines Auftritts vor einer Apotheke in Boone, North Carolina im Jahr 2000, bis auf die Bühne der Grand Ole Opry und der Zusammenarbeit mit dem großen Bob Dylan. Nun sind die Jungs nicht mehr Zaungast im inoffiziellen Rahmenprogramm auf dem Fußgängerweg, sondern sogar Mitglieder der Grand Ole Opry und überzeugte „Tennesseans“, wofür ja wohl auch die Flagge von Tennessee steht, die das Albumcover ziert.

Diese Gruppe ist wirklich mit das Beste, was die Countrymusik heutzutage zu bieten hat. Traditionell und doch zeitgenössisch, Opry-Country-Stars mit Alternative Conutry-Appeal. Einfach eine perfekte Mischung, einfach große Musiker und Musikanten.

Fazit: „Remedy“ ist beschwingter und humorvoller Bluesgrass-Alternative-Country-Folk mit Tiefgang und Wortwitz. Eine Platte, die einfach Laune macht. „Remedy“ sollte es auf Rezept geben!

Old Crow Medicine Show - Remedy

Künstler / Albumtitel: Old Crow Medicine Show – Remedy
Format / Label / Veröffentlicht: CD, Vinyl & Digital (ATO Records, Rough Trade 2014)

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Trackliste:

01. Brushy Mountain Conjugal Trailer
02. 8 Dogs 8 Banjos
03. Sweet Amarillo
04. Mean Enough World
05. Dearly Departed Friend
06. Firewater
07. Brave Boys
08. Doc’s Day
09. O Cumberland River
10. Tennessee Bound
11. Shit Creek
12. Sweet Home
13. The Warden

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Über Thomas Waldherr (516 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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