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Der „Kinkster“ in Höchstform – Kinky Friedman begeistert in Frankfurt

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Kinky Friedmann (Live)

Auf seiner aktuellen Europatour machte Kinky Friedman – Countrymusiker, Krimischriftsteller, Politiker, derber Sprücheklopfer und weiser Texaner – dieser Tage auch in Frankfurt Station. Im ausverkauften großen Saal der „Brotfabrik“ ließ sich der „Kinkster“ nicht lumpen und unterhielt sein Publikum mit allen bekannten Songs und den besten Sprüchen, Erzählungen und Witzen.

Die Spannbreite der Lieder und Erzählungen reichte dabei von der nachdenklichen und traurigen „Ballad of Ira Hayes“ – der von Peter LaFarge geschriebene und durch Johnny Cash bekannt gewordene Song wird in Friedmans Fassung zu einem langsamen, schleppenden Klagelied, das er in faszinierender Eindringlichkeit vorträgt – bis zum mit der Lust an der fröhlichen Provokation intonierte „Get Your Biscuits in The Oven and Your Buns in the Bed“. Hier das Andenken an den hochdekorierten Soldaten, der als Indianer an der amerikanischen Gesellschaft zerbrach, dort der Song, der, so Kinky, dazu führte, dass Lesben die Texas Jewboys bei einem Konzert mal ordentlich vertrimmt hätten.

Dieser Kinky ist sicherlich der derbe polternde sarkastische Humorist, als der er sich auch an diesem Abend vorzugsweise gerne geriert. Aber er ist auch jemand, der im Amerika des kalten Kapitalismus, des immer noch existierenden Rassismus und der übermächtigen Bigotterie wirklich mitfühlend und human ist. Ein gutes Beispiel für Kinkys Haltung ist die Geschichte des reichen texanischen Ranchers, der an einer Christusstatue zu Jesus betet und sich über seine kaputten Cadillacs ausweint. Als ein armer Mexikaner dagegen an selber Stelle zum Heiland über seine verzweifelte Lebenssituation spricht, fährt ihn der Rancher an: „Belästige Jesus nicht mit Deiner Scheiße!“

Kinky will nicht „politisch korrekt“ sein. Er lässt sich nicht einzwängen und ist dabei doch ganz auf der Seite der Underdogs und Minderheiten und nicht derer, die unter der Fahne des „politisch unkorrekten“ gerne weiter alte Vorurteile und überkommene Denkweisen pflegen wollen. Besonders schön seine Einleitung zu der irischen „Ballad of Kevin Barry. „Es ist in Texas schon eine schwierige Sache, wenn ein kleiner jüdischer Junge sich diesen Song über einen katholischen Iren in der Fassung eines schwarzen kommunistischen Sängers aneignet!“ Und schon wird einem bei allem scharfem Humor klar, wie sehr diese Stigmatisierungen auch heute noch ihre Gültigkeit haben.

Aber der Kinkster ist vor allem auch ein Vollblutmusiker, der auf einem festen Fundament von Country und Folkmusik steht. So singt er „Mama’s Hungry Eyes“, das er als ein Lied „des großen amerikanischen Poeten Merle Haggard“ ankündigt. Und immer wieder streut er Geschichten über Willie Nelson und Bob Dylan ein. Und er macht sich auch lustig über Nashville und das Grand Ole Opry-Business, wenn er über „Nashville „Casualty & Life“ singt.

Bewegend und persönlich wird es dann, als er aus seinem neuen Buch Heroes of a Texas Childhood“ die Geschichte über seinen Vater Tom Friedman, den Navigator, vorliest. Am Ende aber kommen dann natürlich seine Gassenhauer „Proud To Be An Asshole From El Paso“, „Sold American“ und „They Ain’t Making Jews Like Jesus Anymore“ und Kinky kommt ohne mehrere Zugaben nicht von der Bühne und handelt sich augenzwinkernden Ärger mit seiner strengen Tourmanagerin ein. Kinky genießt sichtlich das Bad in der Menge, spaziert händeschüttelnd und schulterklopfend durch den Saal und ist ganz Kinky, der Kumpel zum Anfassen. Es tut sehr gut in diesen Zeiten, einen Kumpel wie Kinky zu haben.

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