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Granger Smith: Remington

Mit "Remington" ist Granger Smith wohlbehalten in Nashville angekommen und hat auf diesem Weg eine gehörige Menge Texas-Dirt mitgebracht.

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Granger Smith (Remington)

Die Texas-Country-Fangemeinde dürfte den Frontenwechsel von Granger Smith in Richtung Nashville mit wenig Begeisterung aufgenommen haben. Schließlich zählt der Singer-Songwriter aus Dallas seit mehr als einem Jahrzehnt zu den konstanten Größen und Hitlieferanten der Lone-Star-Musikszene. Mit Songs wie „Don’t Listen To The Radio“, „Sleeping On The Interstate“ oder „Silverado Bench Seat“ wurden Live-Hymnen kreiert, die die junge Texas-Generation beim Erwachsenwerden begleitet hat.

Doch dieser Granger Smith war schon immer ein bisschen mehr als „nur“ Texas. Mit Hilfe seines smarten Äußeren ließen sich die Live-Auftritte auch außerhalb des Heimatstaates gut vermarkten und hielten noch eine weitere nicht unerhebliche Trumpfkarte im Ärmel. Mit der Kunstfigur des Earl Dibbles Jr., einem alle Redneckklischees erfüllenden Country-Proleten, bewies Smith eine satirische Facette, die ihn mit Hilfe viraler Videos zum Social-Media-Star gemacht hat.

Schließlich traf der immer noch jugendlich wirkende Familienvater auf den Hit-Produzenten Frank Rogers (Brad Paisley, Darius Rucker), der ihm mit der Hit-Single „Backroad Song“ den Weg nach Nashville geebnet hat. Nun ist unter dem neu gegründeten Wheelhouse-Label das Studioalbum des spätberufenen New-Country-Stars unter dem Titel Remington erschienen. Was diese Texas-Nashville-Verwandlung musikalisch bedeutet, gilt es nun beim Anhören des 15-Teilers herauszufinden.

Über den Start mit dem bereits erwähnten Summerbreezer „Backroad Song“ darf man an dieser Stelle hinweggehen, zumal der Titel bereits im Frühjahr 2015 von den ersten texanischen Radiostationen gespielt wurde und nun mit der Nr.1-Position Ende Februar seine Ruhe gefunden hat. Doch bereits das folgende „Tonight“ bestätigt die New-Country-Einfärbung des neuen Labels und lässt wenig von dem Lone-Star-Spirit seines Interpreten durchschimmern. Ein satter Chorus mit einer gefällig-poppigen Instrumentierung trägt viel von der aktuellen Radio-Hit-DNA in sich. Selbiges gilt für „If The Boot Fits“, dessen bodenständiger Titel von kommerziellen „Whoah-Chören“ im Refrain überblendet wird. Ob sich mit dieser frisch veröffentlichten zweiten Single der Erfolg von „Backroad Song“ wiederholen lässt, ist zumindest fraglich. Weitere Beweisstücke des Szenenwechsels sind das gefällig auf Hit getrimmte „Likin‘ Love Song“ und der im Luke-Bryan-Stil komponierte Füller „Echo“.

Doch „Remington“ hat noch weitere Gesichter, die beweisen, dass man 15 Jahre Texas-Szene aus einem Künstler nicht so ohne Weiteres raus bekommt. Der charismatische Titelsong zählt zu den Tracks, die sowohl inhaltliche als auch melodische Profiltiefe zeigen. Auch das hinreißend interpretierte „Tractor“ oder die introvertierte Familien-Ballade „5 More Minutes“ sind feinsinnige Beiträge, die die Herkunft des Interpreten in den Mittelpunkt stellen. Hier macht das Zuhören Spaß und lässt die ein oder andere Country-Pop-Banalität wieder vergessen. Von den Upbeats können das mit einem fetten Drum-Set angetriebene „Blue Collar Dollars“ oder das bluegrassinspirierte „Around The Sun“ als Anspieltipps überzeugen. „Tailgate Town“ ist eine von den seltenen New-Country-Hymnen, die dieses Attribut voll auf verdienen und wächst über fünfeinhalb Minuten Länge zu einem unwiderstehlichen Ohrwurm heran.

Zum Ende wird die New-Country-Szene dann mit dem konfrontiert, was den Lone Star-Fans schon seit Jahren geläufig ist. Granger Smith lässt sein Alter Ego Earl Dibbles Jr. aus der Kiste und feuert drei fetzige Country-Hard-Rocker ab, die sich in krassem Gegensatz zu dem glatten Radio-Pop-Sound formieren. „Country Boy Love“, bereits auf dem letzten Smith-Album „Dirt Road Driveway“ erschienen, verbindet Rap-Passagen mit feisten Rock-Riffs und bekommt mit Unterstützung des mittlerweile verbreiteten Musikvideos eine humoristisch-überzeichnete Note. „City Boy Stuck“ greift das Klischee des auf dem Land lebensunfähigen Stadtmenschen auf, bevor die proletenhafte Redneckwelt des Earl Dibbles Jr. auf dem finalen „Merica“ mit schrillen Heavy-Metal-Passagen auf die Spitze getrieben wird. Sicher nichts für Feingeister, aber ein weiterer Beleg dafür, dass hier ein Vertreter am Start ist, der mit Selbstironie umgehen kann und als „singing character“ aus der Masse heraussticht.

Fazit: Mit „Remington“ ist Granger Smith wohlbehalten in Nashville angekommen und hat auf diesem Weg eine gehörige Menge Texas-Dirt mitgebracht. Mit den raubeinigen Beiträgen des Earl Dibbles Jr., bodenständigen Tracks der Marke „Remington“ oder dem herausragenden „Tractor“ ist es dem Mann aus Dallas insgesamt gelungen, authentisch zu bleiben. Dass er nach 15 Jahren Honkytonk- und Dancehall-Phase mit dem ein oder anderen Titel eine kommerziellere Richtung erfolgreich austestet, sollte mit der gebotenen Nachsicht bewertet werden.

Granger Smith - Remington

Titel: Remington
Künstlerin: Granger Smith
Veröffentlichungstermin: 4. März 2016
Label: Wheelhouse Records
Laufzeit: 58:00 Min.
Format: CD & Digital
Genre: Country, Rock
Bewertung: 4 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Backroad Song
02. Tonight
03. Remington
04. If The Boot Fits
05. Tailgate Town
06. Blue Collar Dollars
07. Crazy As Me – mit Brooke Eden
08. Likin‘ Love Songs
09. Tractor
10. Echo
11. Around The Sun
12. 5 More Minutes (GS Reloaded Bonustrack)
13. Country Boy Love (EDJ Reloaded Bonustrack)
14. City Boy Stuck (Earl Dibbles Jr.)
15. Merica (Earl Dibbles Jr.)

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Über Bernd Wenserski (577 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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