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Hank Williams: I Saw The Light (Film)

Ein neues Biopic über die Country-Ikone Hank Williams ist unterhaltsam, sorgt jedoch für keinen neuen Blick auf die Musik-Legende.

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Hank Williams - I Saw The Light Hank Williams, I Saw The Light - Bildrechte: Sony Music Pictures

Es gilt erstmal festzuhalten: I Saw The Light ist ein unterhaltsamer Film und die von Hauptdarsteller Tom Hiddleston eingesungene Musik kann durchaus mit dem mithalten, das Joaquin Phoenix für „I Walk The Line“ aufgenommen hat. Schließlich war ja kein geringerer als Country-Singer-Songwriter-Legende Rodney Crowell als Gesangscoach verantwortlich. Der Rezensent hat sich von diesem Film prächtig unterhalten gefühlt. Für Hank Williams-Freunde ist er also auf alle Fälle eine sinnvolle und notwendige Ergänzung ihrer Sammlung.

Warum aber dieser Film in den US-Kinos unterging wie eine bleierne Ente und hier gar keine Vorführung in den Lichtspielhäusern der Republik gewährt bekam, sondern vor kurzem direkt auf den hiesigen DVD-Markt geworfen wurde, das hat andere Gründe, auf die wir hier eingehen wollen.

Unterhaltsam, aber es fehlt an Atmosphäre und Tiefe

Als bekannt wurde, dass der britische Schauspieler Tom Hiddleston die Rolle von Hank Williams spielen sollte, ging die Maulerei schon los. Ikonen-Enkel Hank Williams III. tönte, dass sein Gesang ohne Seele sei und es überhaupt besser gewesen wäre, einen Amerikaner aus dem Süden für die Rolle zu nehmen. Von Hank Williams Jr. der ja gerne mal derbe Beschimpfungen in die Welt setzt, ist glücklicherweise zu diesem Thema keine Aussage überliefert. „Bocephus“ war ja bekanntermaßen an der ersten Verfilmung von Hanks Leben (Your Cheatin‘ Heart, 1964) beteiligt und lieh George Hamilton damals seinen Gesang.

Doch während der Film aus den 1960er Jahren eine fette Hollywood-Produktion war, kommt der von Marc Abrahams inszenierte, neue Williams-Film oftmals er wie ein TV-Movie oder B-Picture rüber. Das begrenzte Budget ist ihm anzumerken und gerade die Atmosphäre der Wirkungsstätten der Countrymusik im Süden – ob Ryman Auditorium in Nashville oder das Municipial Auditorium in Shreveport als Sitz des Louisiana Hayride, kommen zu kurz. Ebenso wie die frühe Jugend von Hank. Kein Rufus „T-Dot“ Payne weit und breit.

Der Film kommt tatsächlich seinem Protagonisten keinesfalls wirklich nahe. Der Hank Williams-Kenner weiß natürlich um Verlauf und Stationen der Geschichte. Bevor man in die Grand Ole Opry kam, musste man es erstmal ins Louisiana Hayride geschafft haben. Hank trinkt zu viel und hat mit zu vielen Frauen was. Seine Rückenschmerzen führen zur Medikamentensucht und der Alkoholismus tut sein Übriges. Am Ende stirbt Hank auf einer Überlandfahrt zu einem Gig auf dem Rücksitz seines Cadillacs.
Hiddleston hat zwar eine gewisse Ähnlichkeit und mimt Hank auch schauspielerisch solide, aber es fehlt die Tiefe der Darstellung. Hiddleston spielt die Zerrissenheit gut, aber er versteht es nicht, in die Person und ihre Seele so einzutauchen, dass seine Darstellung wirklich fasziniert. Da wirken die Frauenfiguren Audrey (Elisabeth Olsen) und Mutter Lillie (Cherry Jones) doch deutlich stärker konturiert.

Ein Film für Fans, eine Hank Williams-Renaissance wird aber nicht entfacht

Alles wird fehlerfrei erzählt und verhält sich doch von der Qualität der Biopics von Johnny Cash oder Ray Charles wie „Malen nach Zahlen“ zu einem Gemälde von Rembrandt. Wo sind die Dämonen und warum sind sie da? Völlig unmotiviert betrinkt sich Hank am hellichten Tag vor wichtigen Radio-Shows und am Abend auf Partys. Und wie ist diese scheinbar nicht unproblematische Mutter-Sohn-Beziehung begründet. Und was ist mit Hanks Vater?

Kommt der Film schon nicht an diese zentralen Fragestellungen heran, so gibt er auch keinen Anhaltspunkt dafür, warum heutige Generationen sich noch für diesen Musiker interessieren sollten. Und noch einmal der Vergleich: Hat das Cash-Biopic zur Renaissance des „Man in Black“ entscheidend mit beigetragen, so hat dieser Film keinerlei Wiederentdeckung des „Hillbilly-Shakespeares“ ausgelöst.

Fazit: Unter dem Strich bleibt ein schöner Film für Fans, der zwar besser ist als sein Ruf, dem aber aus guten Gründen der Publikumserfolg verwahrt blieb. Heimkino-Empfehlung für Countryfans!

Hank Williams – I Saw The Light: Der Film

Hank Williams - I Saw The Light

Titel: I Saw The Light
Regie: Marc Abraham
Format: DVD & Blu-ray (Dolby, PAL, Widescreen)
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungstermin: 4. August 2016
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 119 Minuten

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Über Thomas Waldherr (513 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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