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Florida Georgia Line: Dig Your Roots

Florida Georgia Line präsentieren mit "Dig Your Roots" ein abwechslungsreiches - starkes Album mit Tiefgang.

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Florida Georgia Line - Dig Your Roots Florida Georgia Line, Dig Your Roots - Bildrechte: Big Machine

Mit dem Erscheinen von Florida Georgia Line im Jahr 2012 hat sich die musikalische Ausrichtung der New-Country-Szene grundlegend verändert. Die neuartige Soundmischung aus Country, Pop, Hip-Hop und R&B machte das Duo aus dem sonnigen Südosten über Nacht zu Senkrechtstartern und kreierte den sogenannten „Bro-Country“, dem sich selbst gestandene Künstler der Szene nicht verschließen konnten.

Heute, mit vier Jahren Abstand, 10 Nr.1-Hits und zahlreichen Music-Awards im Gepäck sind Tyler Hubbard und Brian Kelley auf dem Gipfel des Erfolges angelangt – an einem Punkt, den manche Kritiker bereits als Einstieg zum Abstieg ansehen. Doch immer dann wenn die Kritik in Sachen „countryfremde Partykönige“ besonders groß wurde, hatten die beiden Feelgood-Guys die passende Antwort parat. Nach der letzten Leadsingle, dem countryverwurzelten Top-Hit „Dirt“, wurde nun mit der gospelbeeinflussten Ballade „H.O.L.Y.“ der nächste Publikumsrenner aus der Trickkiste geholt. Und so schaut die gesamte New-Country-Szene wie gebannt auf den nun erschienenen dritten Longplayer Dig Your Roots, um daraus kaffeesatzmäßig die Zukunft des kommerziellen New-Country abzulesen.

In Wahrheit ist das Erfolgsduo Florida Georgia Line ein Trio. Mit ihrem Entdecker, dem Kanadier Joey Moi, steht den beiden ein stilgebender Produzent zur Seite, der auch auf dem 15-teiligen Neulingswerk als Soundarchitekt maßgeblichen Einfluss genommen hat. Seine Kunst ist es, die beiden Frontmen in ein Soundkonzept zu integrieren, das die Gratwanderung zwischen Orginalität und Kommerzialität perfekt bedient. Und dies ist auch auf „Dig Your Roots“ zum wiederholten Male gelungen, so dass einem weiteren Chartbreaker nichts im Wege stehen sollte.

Bei aller Kritik aus dem traditionellen Lager gibt es zwei feststehende Merkmale, die Florida Georgia Line als New-Country-Künstler auszeichnen. Das bodenständige Storyelement und der charismatische Südstaatentwang Tyler Hubbards. Beide Elemente wirken als tragende Säulen, die sich bereits auf dem Opener „Smooth“ offenbaren. Dazu noch ein paar hübsche Akustikstrings gepaart mit einer fetten Hook und wir haben den Prototypen eines modernen Countrysongs 2016 gefunden. Der nachfolgende Titelsong ist dann wieder so ein unwiderstehlicher Smasher, der eine packende R&B-beeinflusste Melodieführung mit countrytypischen Messages verbindet. Hier ist erstmals Brian Kelley im Lead, dessen softere Balladenstimme im weiteren Verlauf wiederholt zum Einsatz kommen wird.

Das groovige „Life Is A Honeymoon“ präsentiert sich als eine der besseren Reggaemixturen, die wir in der letzten Zeit aus dem New-Country-Bereich gehört haben und bekommt durch den Einsatz von Ziggy Marley den nötigen Schuss Esprit. Auf den von Brian Kelley interpretierten Balladen „Island“ und „Lifer“ wirkt der teils rowdyhafte FGL-Sound deutlich milder und driftet stärker in Richtung R&B-Pop ab. Die aktuelle Single „May We All“ an der Seite von Tim McGraw und das melodisch starke, hitverdächtige „Summerland“ folgen dann wieder der gängigen New-Country-Erfolgsformel. Das Backstreet-Boys-Feature „God, Your Mama And Me“ scheint sich hingegen an dem Spagat zwischen R&B-Pop und New-Country-Anspruch ein wenig zu überdehnen.

Mit dem letzten Albumdrittel reift dann die Erkenntnis, dass die beiden gezähmten Ehemänner auch musikalisch erwachsen geworden sind. Party war gestern, es dominieren zunehmend die Charaktersongs. Das großartige „Music Is Healing“ hat das Zeug zum Standard, „While He’s Still Around“ offenbart sich als tiefschürfende Liebeserklärung an die ältere Generation, die durch die nachdenkliche Countryode „Grow Old“ thematisch unterstützt wird. Nach dem Ausklang mit dem groovigen, an die FGL-Ursprünge erinnernden „Heatwave“ darf man getrost von einem abwechslungsreichen, in sich stimmigen und mit viel Hitpotenzial versehenen Gesamtprojekt sprechen. Die Erfolgsstory von Florida Georgia Line dürfte damit allen Unkenrufen zum Trotz ungebremst weitergehen.

Fazit: Florida Georgia Line haben auf „Dig Your Roots“ ihre raue Monsterhitschale gegen eine ordentliche Portion Tiefgang eingetauscht. Auch wenn gerade im Mittelteil der R&B-Einfluss ein wenig Überhand zu nehmen droht, sind Tyler Hubbard und Brian Kelley in ihrer Entwicklung wieder einen Schritt vorangekommen und präsentieren das wohl stärkste und aussagekräftigste Album ihrer Karriere.

Florida Georgia Line – Dig Your Roots: Das Album

Florida Georgia Line - Dig Your Roots

Titel: Dig Your Roots
Künstler: Florida Georgia Line
Veröffentlichungstermin: 2. September 2016
Label: Big Machine
Vertrieb: Universal Music
Laufzeit: 49:55 Min.
Format: CD, Vinyl & Digital
Tracks: 15
Genre: Country, R&B, Hip-Pop
Bewertung: 4 von 5 möglichen Punkten!

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Trackliste:

01. Smooth
02. Dig Your Roots
03. Life Is A Honeymoon – mit Ziggy Marley
04. H.O.L.Y.
05. Island
06. May We All – mit Tim McGraw
07. Summerland
08. Lifer
09. Good Girl, Bad Boy
10. Wish You Were On It
11. God, Your Mama, And Me – mit Backstreet Boys
12. Music Is Healing
13. While He’s Still Around
14. Grow Old
15. Heatwave

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Über Bernd Wenserski (578 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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