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Unter dem Regenbogen

Joan Baez gastiert auf ihrer Abschiedstournee in Schwetzingen: Ein beeindruckendes und bewegendes Konzert: Wehmütig und Melancholisch, aber auch politisch und kämpferisch!

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Joan Baez Joan Baez. Bildrechte: Dana Tynan

Die Schlüsselszene des Konzerts ereignet sich nach etwa einer halben Stunde. Der Regen, der sich nach einem schwül-heißen Tag dann doch vor dem Konzert ergoss, und den Anfang des fast zweistündigen Auftritt von Joan Baez im Schwetzinger Schlosspark etwas dämpfte, hatte zusehends nachgelassen und dann war er unübersehbar da: Ein dicker Regenbogen am Himmel umspannte die Bühne und zauberte eine traumhafte Stimmung in das Areal. Joan Baez machte sich sogar auf, zwischen zwei Songs das Schauspiel zu bestaunen. Fortan war dieser Regenbogen, auch als er längst schon verschwunden war, das Band, das Künstlerin und Publikum an diesem Abend ganz eng zusammenhielt. Nun waren sie alle da: Die Emotionen, die ein Joan Baez-Konzert auszeichnen.

Bob Dylans wichtige Rolle

Pünktlich um 20 Uhr hatte die US-Folkikone die Bühne betreten. Solo spielte sie „Don’t Think Twice, It’s Alright“ aus der Feder von Bob Dylan. Es war der erste von insgesamt fünf Songs ihres Weggefährten und Freundes aus den 1960er Jahren, die sie an diesem Abend anstimmen sollte. „Farewell Angelina“, „It’s All Over Now Baby Blue“, „The Times They Are A-Changin'“ sowie „Blowin‘ In The Wind (als allerletzter Song!) sollten folgen. Und dazu noch „Diamonds And Rust“, der Song, in dem sie ihre nicht unkomplizierte Beziehung zum Meister-Barden verarbeitet hat. Selten hat man diesen Song, in dem sie Dylan liebevoll als „the unwashed phenonemon“ und „the original vagabond“ bezeichnet, so melancholisch und anrührend gehört. Im Alter haben die beiden nach Jahren, die durchaus auch von gegenseitigen Scharmützeln geprägt waren, wieder den Respekt voreinander gefunden. Dazu passt auch, dass Baez an diesem Abend auf eine Dylan-Parodie gänzlich verzichtet.

Unterstützt wird Joan während ihres Konzerts derzeit nur von drei Musikern. Neben ihrem Sohn Gabriel Harris, der wie üblich für die Percussion zuständig ist, ist der Multi-Instrumentalist Dirk Powell mit dabei, der im vergangenen Jahr mit Rhiannon Giddens auf Tour war, und deren großartiges Album „Freedom Highway“ produziert hat, sowie Sängerin Grace Stumberg, die immer mal wieder stimmlich mit einsteigt. Es ist ja viel vor Beginn der Tournee über Joans Stimme geschrieben worden. Und tatsächlich ist sie tiefer geworden, eines kleines bisschen brüchig, aber dennoch immer noch kraftvoll.

Neue Songs

Joan Baez zieht an diesem Abend alle Register. 24 Songs sind es an Ende. Sie streut eine Reihe von neuen Songs ein. Am bewegendsten davon und sicher einer der Höhepunkte des Konzerts: „The President Sang Amazing Grace“ von Zoe Mulford. Der Song schildert das rassistisch motivierte Kirchen-Massaker von Charleston im Jahre 2015 und die denkwürdige Szene, als Barack Obama während der Trauerfeier für die Opfer das alte Spiritual „Amazing Grace“ anstimmt. Gänsehaut-Momente!
Dann sind da die traditionellen Songs der US-amerikanischen Linken wie Joe Hill, die Hymne an den 1915 in Folge eines Justizskandals hingerichteten Gewerkschaftsführers, oder Woody Guthries „Deportees“ über den Tod von 32 mexikanischen Immigranten, die bei ihrer Deportation bei einem Flugzeugabsturz sterben. Nicht einmal nimmt Joan Baez im Schwetzinger Schlosspark den Namen des aktuellen US-Präsidenten in den Mund. Und trotzdem verdeutlichen Songauswahl und kurze Zwischentexte ihr Engagement gegen dessen Politik.

Altbewährtes

Ebenfalls eine feste Größe und stets ein Höhepunkt bei ihren Konzerten ist die Verneigung vor den ganz Großen der Songwriterzunft. Denn sie selber war stets eine großartige Interpretin und weniger eine Songwriterin. Denn schon Bob Dylan bezeichnete ihre Dichtkunst ja als „lausig“. Das singt sie jedenfalls im schon angesprochenen „Diamonds And Rust“. Neben Dylan sind es an diesem Abend Steve Earle (God is God), Kris Kristofferson (Me And Bobby McGhee), John Lennon (Imagine) und eben Woody Guthrie, denen sie ihre Referenz erweist.

Ebenso wie ihrem großen Kollegen Pete Seeger. Sie singt sein „Where Have All The Flowers Gone“ in der deutschen Fassung „Sag Mir wo die Blumen Sind“, das durch Marlene Dietrich berühmt wurde. Noch eine Konstante in Baez‘ Konzerten: Immer wieder flechtet sie Lieder in der Sprache der Länder ein, die sie musikalisch bereist. In Schwetzingen singt sie noch „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius und „Sind So Kleine Hände“ von Bettina Wegener.

Melancholie und Kampfgeist

Letzteres läutet die Schlussphase des Konzerts ein. Längst brechen sich die Emotionen die Bahn und das Publikum singt jeden Song mit. So auch den nächsten: „Donna Donna“. Und dann eben „Blowin In The Wind“, das mit seinem großen Fragezeichen vielleicht die passendste Einschätzung zur derzeitigen Weltlage liefert. Es scheint, als hätten die Mächtigen der Welt rein gar nichts aus den geschichtlichen Katastrophen gelernt: Kriegsgefahr, Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Flucht und Vertreibung, Umweltzerstörung, Diktatur. Die Schrecken werden immer größer. Doch Joan Baez wäre nicht Joan Baez, wenn sie hier klein bei geben würde. „Kommt runter von der Couch, engagiert Euch!“, ruft sie den Menschen zu.

Und so ist dieses Konzert tatsächlich eines, das die ganze Bandbreites menschlicher Emotionen abdeckt: Schmerz, Wehmut und Melancholie ebenso wie Liebe, Empathie und Kampfgeist.

Sie wird noch bis ins nächste Jahr hinein auf Abschiedstour sein. Doch wir sagen heute schon einmal ein großes Dankeschön an eine große Künstlerin: Vielen Dank, Joan Baez.

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