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Colter Wall: Songs Of The Plains

Mit seinem neuen Album setzt der Kanadier Colter Wall dem Erbe der Westernkultur seiner Heimat ein Denkmal und überzeugt erneut durch atmosphärisch dichte Songs.

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Colter Wall - Songs Of The Plains Colter Wall - Songs Of The Plains. Bildrechte: Young Mary's Records

„Great Plains“ nennt man den klassischen Prärie-Raum Nordamerikas, der sich östlich von den Rocky Mountains vom Norden von den drei kanadischen „Prärieprovinzen“ Alberta, Saketchewan und Manitoba über zehn US-Bundesstaaten – darunter Montana, Wyoming und Nebraska – bis in den texanisch-mexikanischen Grenzraum im Süden erstreckt. Hier ist die Cowboy-Kultur beheimatet. Doch während die US-Western-Kultur wohlbekannt ist, trifft dies auf die kanadische Variante nicht zu. So entstand die Idee Colter Walls für sein neues Album Songs Of The Plains. Dies ist nach Dom Flemons Album „Black Cowboys“ bereits der zweite Longplayer in diesem Jahr, der sich mit weniger bekannten Bereichen der Western-Kultur beschäftigt.

„Ein Ding, das ich über die letzten Jahre bei Konzerten in der USA und in Europa festgestellt habe ist, dass die Leute überall in der Welt eigentlich sehr wenig über Kanada wissen. Wenn Du über Sasketchewan erzählst, fällt den Leuten nichts dazu ein. Ein Grund dafür ist, dass es dort so wenig Menschen gibt. Es ist ein leerer Ort – da ist es klar, dass nur wenige davon wissen. Aber es ist meine Heimat, also empfinde ich natürlicherweise leidenschaftlich für sie. Mit diesem Album möchte ich die Menschen auf unser Western-Erbe und unsere Kultur aufmerksam machen“, nennt Colter Wall die Beweggründe für das Thema des Albums.

Sprach’s und machte sich zusammen mit seinem Produzenten Dave Cobb und ein paar bekannten Mitmusikern – u.a. Willie Nelsons Mundharmonikaspieler Micky Raphael und Kanadas Country-Star Corb Lund – an die Arbeit. Entstanden ist ein großartiges Konzeptalbum, das von Gesamtkomposition, Stärke der Einzelsongs und von seinem packenden und unverwechselbaren Gesang auf einer Höhe mit den klassischen Alben der großen Geschichtenerzähler Johnny Cash und Kris Kristofferson ist.

Los geht’s mit einer Liebeserklärung an seine Heimat. Er möchte dort sterben, wo sein Herz liegt, weit entfernt von West- oder Ostküste, singt er in „Plain To See Plainsman“. Mit Sehnsuchtstimbre gesungen, und mit wunderschönen Mundharmonikatönen umspielt von Micky Raphael, ist dies eine echte Heimweh-Melodie und in der Tat entstanden, als Wall in Tennessee sein Saskatchewan schmerzlich vermisste. Und doch überschreitet Colter Wall in keinster Weise die Kitschgrenze, sondern lässt beim Hörer wiederum fast schon Fernweh nach dieser wohl ziemlich schönen Gegend aufkommen. Mit „Sasketchewan 1881“ unternimmt unser Sänger dann eine kleine Reise in die Zeiten, als die Westernkultur und die Cowboy-Freiheit durch den immer größer werdenden Weizenanbau bedroht wurden. Und tatsächlich ist heute die intensive landwirtschaftliche Nutzung durch Getreideanbau sinn- und ertragsstiftend für das gesamte Gebiet der Great Plains. Die Melodie des Songs hätte er sich von Doc Watson ausgeliehen, sagt Colter Wall zu diesem Stück.

Neben sieben Eigenkompositionen enthält das Album auch Cover Versionen von Billy Don Burns‘ „Wild Dogs“, Wilf Carter’s „Calgary Round-Up“ und zwei Cowboy-Traditionals, „Night Herding Song“ und „Tying Knots In The Devil’s Tail“. „Calgary Round-Up“ handelt vom weltweit größten Rodeo in Calgary, das sich aber mit Cheyenne, Wyoming um diesen Titel streitet. Dort bringen jährlich die „Cheyenne Frontier Days“ die Massen auf die Beine. Und bei „Wild Bill Hickok“ geht es natürlich um eine der größten Western-Legenden überhaupt. Hickok war eine schillernde Figur: Mal Revolvermann und Spieler, dann wieder Gesetzeshüter oder Soldat. Er war mit Buffalo Bill befreundet und mit Calamity Jane soll er eine Liebschaft gehabt haben. Er kam durch einen Schuss in den Hinterkopf ums Leben, weil er einmal entgegen seiner Gewohnheit beim Pokerspiel nicht mit dem Rücken zur Wand saß. Einen schönen und beschwingten Abschluss des Album bildet schließlich der Comedy-Cowboy-Song „Tying Knots In The Devil’s Tail“.

Und so überzeugt Colter Wall auch dadurch, dass er das Leben in der Prärie so schildert, wie es ist. Es ist dort einsam und gefährlich, aber auch dort findet man Freude und Liebe. Es gibt langsame und schnellere Stücke, ernste und fröhliche. Damit ist Walls Konzeptalbum anderen gleichförmigeren Veröffentlichungen weit überlegen.

Fazit: Man möchte es immer und immer wieder hören. Weil die Geschichten so gut sind, die auf „Songs Of The Plains“ erzählt werden. Weil einem die Musik packt. Und vor allem auch, weil die Baritonstimme des Sängers gleichzeitig so sonor und einnehmend wie wahrhaftig klingt. Ein ganz, ganz starkes Country & Western-Album. Yeehaw!

Colter Wall – Songs Of The Plains: Das Album

Colter Wall - Songs Of The Plains

Titel: Songs Of The Plains
Künstler: Colter Wall
Veröffentlichungstermin: 12. Oktober 2018
Label: Young Mary’s Records
Vertrieb: Thirty Tigers (Alive)
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 34:08 Min.
Tracks: 11
Genre: Real Country, Country & Western

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Trackliste: (Songs Of The Plains)

01. Plain To See Plainsman
02. Saskatchewan In 1881
03. John Beyers (Camaro Song)
04. Wild Dogs (geschrieben von Billy Don Burns)
05. Calgary Round-Up (geschrieben von Wilf Carter)
06. Night Herding Song (Cowboy Traditional)
07. Wild Bill Hickok
08. The Trains Are Gone
09. Thinkin‘ On A Woman
10. Manitoba Man
11. Tying Knots In The Devil’s Tail (Cowboy-Traditional)

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