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Zac Brown Band: The Owl

Mit "The Owl" liefert die Zac Brown Band ein starkes, vielschichtiges Crossover-Album ab.

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Zac Brown Band - The Owl Zac Brown Band - The Owl. Bildrecchte: BMG Rights Management

Es waren Songs wie „Chicken Fried“, „Toes“ und „Knee Deep“, mit denen die Zac Brown Band ihren Ruf als Nr.1 unter den New-Country-Vocalgroups begründet hat. Tiefschürfende Balladen von „Colder Weather“ bis „Sweet Annie“ wurden zu einem weiteren unverwechselbaren Markenzeichen. Doch mit dieser heilen, liebgewonnen New-Country-Welt ist nun Schluss. Nachdem Zac und seine Guys auf dem 2015er Release „Jekyll + Hyde“ bereits mit Stilvarianten jenseits des Country experimentiert hatten, erleben wir auf dem sechsten Studioalbum The Owl einen radikalen Schnitt, der hartgesottene Fans ratlos zurücklassen dürfte.

Selten war sich die Szene über die Bewertung einer Neuerscheinung derart einig. „The Owl“ wird als synthetisches, countryfreies Projekt mit starkem Hang zur „electronic dance music“ einhellig verrissen. Die Frage, was den einst so kreativen Bandleader dabei geritten haben mag, bleibt zunächst unbeantwortet. Als langjähriger Bewunderer der Zac Brown Band und ihres harmoniebasierten New-Country-Sounds ist ein derart brachialer Stilwechsel auf Anhieb schwer zu akzeptieren. Dabei kommt dieser keineswegs überraschend. Bereits während ihrer faszinierenden Live-Performance im Rahmen der Iowa State Fair vor wenigen Wochen war der Wille zur Veränderung allgegenwärtig.

Was passiert nun auf diesem 37-Minuter, an dessen Entstehung nicht weniger als 11 Produzenten beteiligt gewesen sind? Erst nach mehrfachem Hören wird klar, dass die voreiligen Kritikerurteile dem Charakter des Albums nicht wirklich gerecht werden. Bei Licht betrachtet ist „The Owl“ ist ein modernes All-Genre-Album voller Musikalität, kreativer Elemente und stimmungsvoller Grooves. Für diesen Entwicklungsschritt musste der naturbelassene ZBB-Sound einer modernen, teilsynthetischen Produktionsweise weichen.

Mit der Leadsingle „Someone I Used To Know“, einem hymnischer Midtempo-Groover, wurde bereits erstes Stirnrunzeln geerntet. Die elektronische Fiddle Jimmy De Martinis vermittelt das Gefühl, in einer Art „New-Country 2.0“ angekommen zu sein – verstörend und faszinierend zugleich. Der Opener „The Woods“ ist ein funkiger Groover, der ähnlich energetisch wirkt, wie das von den EDM-Profis Ryan Tedder und Poo Bear co-produzierte „Need This“. Spätestens bei dem 80er-Jahre-Disco-stylishen „OMW“ dürfte sich der letzte New-Country-Fan der ersten Stunde verabschieden wollen. Doch schon mit dem großartig inszenierten „Me And The Boys In The Band“ und der Brandi-Carlile-Ballade „Finish What We Started“ legen Zac und seine Jungs ihren geerdeten Charakter offen.

Im Anschluss hat der bärtige Hexenmeister schon den nächsten Schocker parat. „God Given“ lehnt sich als tanzbarer Hip-Hop-Rocker gegen die Gesetze der Szene auf, bevor mit „Warrior“ ein weiteres hymnisches Synthprodukt vom Stapel gelassen wird. „Shoofly Pie“ und „Already On Fire“ sind überdurchschnittlich gute Songs, deren Energie, Groove und Melodiosität auch toleranten Countryfreunden gefallen dürfte. Ein Top-Highlight zum Schluss! Die Trennungsballade „Leaving Love Behind“ wirkt wie eine Fortsetzung des großen Hits „Goodbye In Her Eyes“ und zeigt mit einem kleinen Augenzwinkern, dass sich die Countryband von einst ihrer Wurzeln unverändert bewusst ist.

Während andere Top-Acts der Szene ihr bewährtes Erfolgsmodell mit jedem Album fortschreiben, geht die Hitformation aus Atlanta auf „The Owl“ einen mutigen Schritt und zugleich das Risiko ein, einen Großteil ihrer Fangemeinde zu verlieren. Die Bandbreite von des 11-Teilers ist extrem und schießt sicherlich an der ein oder anderen Stelle über das Ziel hinaus. Dennoch ein Werk, dessen Kreativität in Anbetracht der vielen uninspirierten New-Country-Alben der letzten Monate bemerkenswert bleibt.

Top-Tracks: „The Woods“, „Someone I Used To Know“, „Shoofly Pie“, „Leaving Love Behind“.

Fazit: Die Zac Brown Band folgt ihrem künstlerischen Instinkt und liefert mit „The Owl“ ein vielschichtiges, energetisches Crossover-Album ab. Enttäuschten Countryfans bleibt wohl nur, diesen Entwicklungsschritt zu akzeptieren und auf die jederzeit mögliche Rückkehr zu den Wurzeln zu hoffen.

Zac Brown Band – The Owl: Das Album

Zac Brown Band - The Owl

Titel: The Owl
Künstler: Zac Brown Band
Veröffentlichungstermin: 20. September 2019
Label: BMG Rights Management
Vertrieb: Warner Music Germany
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 37:37 Min.
Tracks: 11
Genre: Country, Rock, Pop
Bewertung: 4 von 5 möglichen Punkten

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Trackliste: (The Owl)

01. The Woods
02. Need This
03. OMW
04. Someone I Used To Know
05. Me And The Boys In The Band
06. Finish What We Started – mit Brandi Carlile
07. God Given
08. Warrior
09. Shoofly Pie
10. Already On Fire
11. Leaving Love Behind

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Über Bernd Wenserski (585 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: New Country. Rezensionen und Specials.
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