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Der „neue“ Pokey LaFarge

Der Musiker hat mit dem Glauben an Gott durch eine Lebenskrise gefunden. Im April erscheint sein neues Album.

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Pokey LaFarge - Rock Bottom Rhapsody Pokey LaFarge - Rock Bottom Rhapsody. Bildrechte: Pias, New West Records

Das ist für einen Musiker, besonders für so eine Rampensau wie Pokey LaFarge, besonders schlimm. Man hat ein neues Album produziert – Rock Bottom Rhapsody, und will die Songs auf die Bühne und vors Publikum bringen. Und dann macht einem die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung. Pokey musste gerade seine Frühjahrstour absagen. Jetzt hofft er auf den Sommer. Und ist beispielsweise mit Bob Dylan da in bester Gesellschaft. Der hat seine April-Tour in Japan abgeblasen und hofft auf den Sommer in den USA. Hoffnung ist das Zauberwort dieser Tage.

Bob Dylan war übrigens schon immer eines der Vorbilder von Pokey. In seinen Konzerten hat er schon mal einen Bob Dylan-Titel im Gepäck und zu seinem neuen Album „Rock Bottom Rhapsody“ sagt er: „Dieses Album ist wie als würden Roy Orbison und Bob Dylan mit französischen Chansonsängern und Jazz Bands irgendwo in den 1940ern abhängen.“

Seit vergangenem Jahr hat Pokey aber auch noch mehr mit dem Songpapst gemein. Ähnlich wie sein Vorbild zog sich der Sänger mit Hilfe des christlichen Glaubens aus einer schweren Lebenskrise. Ende 2018 war er nach eigenen Angaben ziemlich am Ende. „In meinem Kopf haben sich die Dinge irgendwie aufgelöst“, erinnert er sich. „Ich ließ mich von bösen Geistern und Dämonen regieren, und ich kam zu bestimmten Vereinbarungen mit ihnen, und es brachte mich zu Fall. Ich gab der Dunkelheit zu viel Kraft, ging zu tief hinein und traf einige schlechte Entscheidungen. Die Realität sieht so aus, dass ich so nah am Abgrund war, wie nie zuvor, und ich hatte definitiv einige Schwierigkeiten in meinem Leben.“

Wer ihn allerdings Ende 2018 auf seinen Solo-Konzerten erlebte, der merkte so gut wie nichts von seiner persönlichen Situation. Zu perfekt ist er als Entertainer. Möglicherweise war aber das Solo-Projekt selber schon eine Reaktion auf seine persönliche Situation, in der er es vorzog, alleine auf Tour zu gehen und nicht mit mehreren Mitmusikern.

Vor dieser Krise hatte er bereits Songs wie „Fuck Me Up,“ „End of My Rope,“ „Fallen Angel“ und „Ain’t Comin Home“ geschrieben, die aber schon textlich aufzeigten, dass irgendwas auf Pokeys Seele drückt. All diese Songs sind mit auf das neue Album gekommen, während der Aufnahmen fand dann Pokey zu seinem neuen Glauben. Daher sagt er auch zu diesem Album: „Der Mann, der diese Songs singt, ist nicht exakt der gleiche Mann wie der, der sie geschrieben hat.“

Vom neuen Album gibt es bereits zwei Auskopplungen, die beide musikalisch richtig Lust auf das neue Album machen. Während „Fuck Me Up“ eine rasante, bitter-ironische Selbstbehauptung angesichts der vielen Gefahren des Lebens ist – und der dazugehörige Video ein Feuerwerk an Bildern und Anspielungen – ist „Lucky Sometimes“ ein Song ganz im Stil eines romantischen Crooners. Und zu den großen Croonern zählt Pokey nicht nur Frank Sinatra oder Dean Martin, sondern auch Bob Dylan.

Ob Pokey seinen frisch erworbenen Glauben ebenso offensiv und missionarisch nach außen tragen wird, wie das Dylan Anfang der 1980er drei Jahre und drei Platten lang gemacht hat, wird sich zeigen. Erste Statements lassen eher auf eine andere, ebenso hilfreiche wie zurückhaltende Praktizierung seines Glaubens schließen. Sprich: Statt großen Predigten hilft Pokey lieber Obdachlosen, weil für ihn Glauben, ohne Hilfsbereitschaft nicht geht.

Spannende Entwicklungen im Kosmos eines großen Künstlers. Man darf also wirklich gespannt sein: Auf das Album, auf seine weitere Karriere, aber natürlich auch darauf, wann wir Pokey dann mit seinem neuen Material endlich live erleben dürfen.

Pokey LaFarge – Rock Bottom Rhapsody: Das Album

Pokey LaFarge - Rock Bottom Rhapsody

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Titel: Rock Bottom Rhapsody
Künstler: Pokey LaFarge
Veröffentlichungstermin: 10. April 2020
Label: Pias, New West Records
Vertrieb: Rough Trade
Formate: CD, Vinyl & Digital
Laufzeit: 37:09 Min.
Tracks: 13
Genre: Americana

Trackliste: (Rock Bottom Rhapsody)

01. Rock Bottom Rhapsody
02. End Of My Rope
03. Fuck Me Up
04. Bluebird
05. Rock Bottom Reprise
06. Lucky Sometimes
07. Carry On
08. Just The Same
09. Fallen Angel
10. Storm-A-Comin‘
11. Ain’t Comin‘ Home
12. Lost In The Crowd
13. Rock Bottom Finale

Rob Georg: Weitere Informationen hier klicken!
Über Thomas Waldherr (550 Artikel)
Redakteur. Fachgebiet: Bob Dylan, Country & Folk, Americana. Rezensionen, Specials.
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